
Propaganda im Herzen der Hauptstadt: Bundeswehr wirbt am Alexanderplatz um Nachwuchs

Wer dieser Tage über den Berliner Alexanderplatz hastet, kann ihr nicht entkommen. Eine monumentale Werbefläche der Bundeswehr erstreckt sich über mehrere Etagen und dominiert den zentralen Verkehrsknotenpunkt der Hauptstadt. Die Botschaften klingen harmlos, fast poetisch: „Weil Frieden nicht selbstverständlich ist" und „Frei. Will. Ich." Doch hinter der modernen, geometrischen Ästhetik verbirgt sich eine Rekrutierungskampagne, die fundamentale Fragen aufwirft.
Die Normalisierung des Militärischen
Der Alexanderplatz ist kein gewöhnlicher Ort. Er ist Symbol, Treffpunkt, Durchgangsraum für Hunderttausende Berliner täglich. Genau hier nutzt der Staat den öffentlichen Raum, um militärische Interessen zu normalisieren. Zwischen Einkaufsstress und Pendelverkehr wird der Dienst an der Waffe als beiläufige Karriereoption präsentiert – so selbstverständlich wie ein Jobangebot bei einem Start-up.
Die rhetorische Verschiebung, die diese Kampagne betreibt, ist bemerkenswert. Die Logik lautet schlicht: Wer Frieden will, muss Soldat werden. Dass Frieden nicht nur verteidigt, sondern vor allem politisch hergestellt werden muss, bleibt unerwähnt. Ebenso wie das Töten und Sterben, das mit militärischem Handeln zwangsläufig verbunden ist. Die Werbung kommt ohne Krieg aus, ohne Waffen, ohne Verletzte. Gewalt wird ausgeblendet, das Militär erscheint als normaler Arbeitgeber unter vielen.
Freiwilligkeit als dehnbarer Begriff
Dass all dies freiwillig sein soll, wirkt wie ein Beruhigungsmittel. Doch diese Freiwilligkeit ist eine relative. Rekrutierung trifft vor allem junge und ärmere Menschen ohne sichere Perspektiven. In einem Land, in dem Wohnungsnot, Wirtschaftskrise und prekäre Beschäftigung den Alltag prägen, ist „Freiwilligkeit" ein dehnbarer Begriff. Soziale Zwänge lassen vielen keine echte Wahl.
Hinzu kommt eine unbequeme Wahrheit: Jeder weiß, dass der neue Wehrdienst nicht als dauerhaft freiwillig gedacht ist. Selbst der ehemalige Verteidigungsminister Boris Pistorius sprach offen darüber. Vor diesem Hintergrund wirkt eine solche Werbung nicht nur beschönigend, sondern geradezu zynisch.
Die Zeitenwende und ihre Folgen
Seit der Zeitenwende-Rede von Olaf Scholz – und nun noch verstärkt unter der Regierung von Friedrich Merz – lässt sich eine zunehmende Militarisierung der Öffentlichkeit beobachten. Bundeswehr-Werbung auf Straßenbahnen, Popcornbecher in Tarnmuster im Kino, unterhaltsam inszenierte TikTok-Videos von Soldaten. Das Land soll „kriegstüchtig" werden, und dafür wird kräftig geworben.
Dieser nahezu ausschließliche Fokus auf das Militärische hat zur Folge, dass das, was im Alltag tatsächlich schützt – das Zivile –, aus dem Blick gerät. Der jüngste großflächige Stromausfall in Teilen Berlins bei eisigen Temperaturen zeigte erneut, wie anfällig die kritische Infrastruktur ist. Während Milliarden in Rüstung fließen, bleiben Bevölkerungsschutz, Notfallvorsorge und die Resilienz der Infrastruktur chronisch unterfinanziert.
Diplomatie als Fremdwort
Parallel zur Mobilmachung an der Heimatfront verliert Diplomatie zunehmend an Bedeutung. Dass es aus Deutschland in fast vier Jahren Ukraine-Krieg keinen einzigen ernsthaften, realistischen diplomatischen Vorstoß gegeben hat, spricht Bände. Außenpolitik verschiebt sich sichtbar in Richtung Militärlogik. Zivile Konfliktlösung, Diplomatie und Prävention werden an den Rand gedrängt.
Besonders problematisch erscheint, dass sich die Bundeswehr-Werbung gezielt an Minderjährige und Heranwachsende richtet. Dabei stellt sich doch die Frage: Wofür sollen junge Menschen überhaupt kämpfen? Für einen Staat, der Bürgerrechte beschneidet und Sozialleistungen kürzt? Für sogenannte westliche Werte, deren Glaubwürdigkeit durch völkerrechtswidrige Interventionen wie den jüngsten US-Angriff auf Venezuela erschüttert wird?
Ein Staat auf Rekrutierungskurs
Die riesige Bundeswehr-Werbung am Alexanderplatz ist symptomatisch für die aktuelle Zeit. In Deutschland werden Sicherheit und gesellschaftlicher Zusammenhalt zunehmend durch das Militärische definiert – nicht durch funktionierende Krankenhäuser, stabile Stromnetze, einen gut ausgestatteten Katastrophenschutz oder ausreichende Notunterkünfte für obdachlose Menschen.
Man sollte sich nicht täuschen lassen: Bei der Rekrutierung, die die Bundesregierung mit solchen Werbekampagnen vorantreibt, geht es letztlich um den staatlichen Zugriff auf Menschen. Die Frage, ob diese Politik im Interesse der deutschen Bürger liegt oder ob hier andere Interessen bedient werden, muss erlaubt sein. Denn während die Werbung von Freiheit spricht, schränkt die Politik diese zunehmend ein. Während sie von Frieden redet, investiert sie in Krieg.
Silber-Explosion 2026:Das unterschätzte Edelmetall
Keine Kreditkarte erforderlich • Keine versteckten Kosten
Ihre Experten im Webinar:

Dominik Kettner
CEO Kettner Edelmetalle

Ernst Wolff
Der Systemkritiker

Jochen Staiger
Der Rohstoff-Realist
Top-Experten
Dominik Kettner & Star-Gäste
Live Q&A
Ihre Fragen
15.000€ Gold
zu gewinnen
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik














