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Pulverfass Frankreich: Wie die Schuldenkrise die Straße entflammt

Pulverfass Frankreich: Wie die Schuldenkrise die Straße entflammt
Symbolbild: KI-generiert

Feuer auf der Place de la République, Tränengas, fast 1.000 Festnahmen: Seit Mitte Oktober 2026 erlebt Frankreich die heftigsten Unruhen seit Jahren. Hunderttausende protestieren gegen die explodierenden Lebenshaltungskosten. Hinter den brennenden Barrikaden steckt aber eine Krise, die sich über Jahre aufgebaut hat und längst auch Europas Finanzmärkte erschüttert.

Linke Militante und leere Geldbeutel

Innenminister Laurent Nuñez schiebt die Verantwortung für die Gewalt Militanten der extremen Linken zu. Die Polizei habe es mit einem „extrem erhöhten Maß an Gewalt“ zu tun gehabt, so der Minister. Das mag für die Krawallmacher stimmen. Es erklärt aber nicht, warum neben Gelbwesten auch Schüler, Studenten und ganz normale Arbeitnehmer auf die Straße gehen.

Die Antwort liefert ein Blick auf die Zahlen. Wegen des Iran-Krieges sind die Kraftstoffpreise kräftig gestiegen, und im September kletterte die Inflation auf 3,1 Prozent. So hoch war sie zuletzt im Januar 2024. Noch schwerer wiegt die Bilanz der Ära Macron: Seit dessen Amtsantritt 2017 sind die Verbraucherpreise um mehr als 23 Prozent gestiegen. Die Löhne halten nicht mit. Nach einem Höchststand von 4,7 Prozent Anfang 2023 wuchsen sie im zweiten Quartal nur noch um magere 1,7 Prozent.

Stillstand und Jugend ohne Perspektive

Die Arbeitslosenquote ist auf 8,3 Prozent gestiegen, den höchsten Wert seit Ende 2020. Bei den jungen Franzosen liegt sie bei fast 22 Prozent. Mehr als jeder fünfte junge Mensch ohne Job: Wundert sich da noch jemand über die Wut auf der Straße?

Die Wirtschaft kommt ebenfalls nicht voran. Im ersten Quartal schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt um 0,2 Prozent, im zweiten stagnierte es. Die Ökonomen der ING rechnen für 2026 mit gerade einmal 0,3 Prozent Wachstum und warnen, die Risiken zeigten eher nach unten. Adam Turnquist, Chefstratege bei LPL Financial, nennt Frankreich einen „bemerkenswerten Schwachpunkt“.

Schuldenberg ohne Ende

Am meisten Sorgen macht allerdings der Staatshaushalt. Die Schuldenquote liegt bei 119 Prozent, und die Regierung selbst hält im kommenden Jahr fast 122 Prozent für möglich. Das Defizit erreicht 5,5 Prozent und liegt damit weit über der Drei-Prozent-Grenze, die einst im Maastricht-Vertrag festgelegt wurde. Bis 2030 werden Schulden von umgerechnet rund 900 Milliarden Euro fällig.

Am 23. Oktober beließ die Ratingagentur Moody’s die Bonität zwar bei Aa3. Den negativen Ausblick hat sie aber bestätigt und warnt ausdrücklich vor den Folgen der politischen Zersplitterung:

„Diese politische Instabilität, die sich auch in den aktuellen sozialen Spannungen zeigt, birgt das Risiko, die Fähigkeit der französischen Regierung zu beeinträchtigen, zentrale politische Herausforderungen wie ein hohes Haushaltsdefizit, eine steigende Schuldenlast und einen anhaltenden Anstieg der Kreditkosten anzugehen.“

Anleihemärkte schlagen Alarm

An den Märkten zeigt sich die Nervosität deutlich. Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen ist erstmals seit 2002 über fünf Prozent gestiegen und liegt zum ersten Mal seit 13 Jahren über der vergleichbarer US-Anleihen. Die Absicherung gegen einen Zahlungsausfall Frankreichs über Credit Default Swaps ist so teuer wie seit mehr als zehn Jahren nicht. Der Leitindex CAC 40 hat seit Jahresbeginn fast fünf Prozent verloren. ING-Ökonomin Charlotte de Montpellier spricht von einem Teufelskreis: Steigende Zinsen machen die ohnehin schwachen Wachstumsaussichten noch schlechter.

Ein Lehrstück, auch für Berlin

Paris steckt in der Klemme. Die Demonstranten wollen Entlastung, die Investoren wollen Sparsamkeit, und beides gleichzeitig ist kaum zu haben. Mit dem Haushalt 2027 und der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr bleibt die Lage gefährlich offen.

Deutschland sollte genau hinschauen. Auch hierzulande wachsen die Schulden: Die Regierung Merz hat ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro beschlossen, obwohl solide Finanzen versprochen waren. Frankreich zeigt, wie schnell das Vertrauen der Märkte kippen kann und wie teuer das für die Bürger wird. Wer sein Erspartes schützen will, sollte über physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen nachdenken. Diese Werte hängen nicht von der Haushaltsdisziplin einzelner Regierungen ab.

Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Edelmetallen. Jeder Leser muss selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.

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