
Putin-Trump-Tunnel: Aus 8 werden 205 Milliarden Dollar!

Ein Tunnel unter dem Beringmeer, der Russland und die USA verbinden soll, wäre deutlich teurer als bisher behauptet. Die Beratungsgesellschaft Kept kommt in einer neuen Berechnung auf Gesamtkosten von 205,4 Milliarden Dollar. Der Kreml-Unterhändler Kirill Dmitrijew hatte das Projekt noch für weniger als acht Milliarden Dollar angepriesen.
Über die Zahlen berichtet die russische Wirtschaftszeitung RBC. Zwischen der Werbebotschaft und der Kalkulation liegt also mehr als das 25-Fache. Das sagt einiges über die Qualität der ersten Schätzung.
Drei Röhren durch das Eismeer
Kept rechnet nicht nur den Tunnel selbst durch. Hinzu kommen Bahnstrecken, Energieanlagen und ein Puffer für Risiken. Allein der 103 bis 120 Kilometer lange Tunnel zwischen der russischen Region Tschukotka und Alaska soll inflationsbereinigt 73,2 Milliarden Dollar kosten.
Geplant wären drei Röhren. Durch zwei davon sollen Züge fahren, je eine pro Richtung. Die dritte wäre für Wartung und Rettung gedacht. Zum Vergleich: Der Eurotunnel unter dem Ärmelkanal ist rund 50 Kilometer lang. Schon dieses Projekt wurde deutlich teurer als geplant.
Einen Vorteil sehen die Analysten in den beiden Diomede-Inseln in der Beringstraße. Die größere gehört zu Russland, die kleinere zu den USA. Mit ihrer Hilfe ließe sich die rund 85 Kilometer lange Strecke unter Wasser in drei Abschnitte von je 30 bis 40 Kilometern teilen. So könnte man aus vier Richtungen gleichzeitig bohren.
Ein Tunnel ins Nichts?
Das größte Problem liegt aber nicht unter dem Meeresboden, sondern an Land. Auf beiden Seiten des Tunnels leben kaum Menschen, und es gibt dort keine Anbindung an internationale Bahnnetze. Für Verkehrswege und Energieversorgung setzt Kept deshalb weitere rund 64 Milliarden Dollar an.
Allein Russland müsste laut der Berechnung etwa 3500 Kilometer neue Gleise bauen und 1500 Kilometer bestehende Strecke modernisieren. Auch in Alaska wären große Anschlüsse nötig. Ohne sie würde der Tunnel in der Wildnis enden.
Auch beim Zeitplan braucht man Geduld. Kept hält eine Eröffnung erst um 2041 für realistisch. Zuerst müssten von 2026 bis 2028 ein Staatsvertrag geschlossen, der Meeresboden untersucht und die Wirtschaftlichkeit geprüft werden. Gebaut würde dann von 2030 bis 2038. Dafür müsste die Finanzierung dauerhaft gesichert sein, und staatliche wie private Investoren müssten sich abstimmen. Bisher ist beides nicht geklärt.
Große Worte aus Moskau, Zurückhaltung in Washington
Dmitrijew leitet den Russischen Direktinvestitionsfonds. Im Oktober 2025 brachte er die Idee neu ins Gespräch und lud Elon Musk mit dessen Firma The Boring Company zur Mitarbeit ein. Mit herkömmlicher Technik koste das Projekt mindestens 65 Milliarden Dollar, sagte er damals. Mit Musks Technik sei es für weniger als acht Milliarden Dollar und in unter acht Jahren zu schaffen.
Donald Trump nannte die Idee lediglich „interessant“. Eine Beteiligung der US-Regierung, Geld oder einen gemeinsamen Baubeschluss sagte er nicht zu. Dmitrijew blieb trotzdem optimistisch. Beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg im Juni 2026 sagte er laut Interfax:
„Der Tunnel wird kommen.“
Viel Symbolik, kein Vertrag
Laut der Wirtschaftszeitung Kommersant hat der russische Staatsfonds mit einem Unternehmen eine Vereinbarung zur weiteren Planung unterschrieben. Welches Unternehmen das ist, sagte Dmitrijew nicht. Eine Beteiligung Washingtons geht aus den bekannten Angaben nicht hervor.
Die Kept-Rechnung ist also weder ein Bauplan noch eine gemeinsam beauftragte Machbarkeitsstudie. Sie zeigt nur, was nötig wäre, wenn aus der russischen Idee ein echtes Projekt würde. Nach dem Zeitplan von Kept müssten Moskau und Washington spätestens 2028 einen Staatsvertrag schließen. Bekannt ist bisher keiner.
Beobachter dürften im „Putin-Trump-Tunnel“ deshalb vor allem politische Symbolik sehen. Ein Bauvorhaben wird daraus erst, wenn Washington mitmacht. Die Lektion gilt nicht nur für Moskau: Bei staatlichen Großprojekten ist die erste Kostenschätzung oft die günstigste.
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