
Rechtsruck in Portugal: Chega-Chef Ventura erzwingt Stichwahl um Präsidentenamt

Was sich in ganz Europa abzeichnet, findet nun auch auf der Iberischen Halbinsel seinen Ausdruck: Die rechtskonservative Bewegung gewinnt an Boden. Bei der ersten Runde der portugiesischen Präsidentschaftswahl hat André Ventura, Vorsitzender der Partei Chega, einen bemerkenswerten zweiten Platz errungen und sich damit für die entscheidende Stichwahl qualifiziert.
Ein Erdbeben im politischen Establishment
Mit rund 23,5 Prozent der Stimmen hat Ventura ein Ergebnis erzielt, das vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Die erst 2019 gegründete Partei Chega – was übersetzt so viel wie „Es reicht!" bedeutet – hat sich in atemberaubender Geschwindigkeit zur ernstzunehmenden politischen Kraft entwickelt. Der Kandidat der Sozialistischen Partei, António José Seguro, erreichte zwar mit etwa 31 Prozent den ersten Platz, doch die absolute Mehrheit blieb auch ihm verwehrt.
Am 8. Februar wird sich nun zeigen, ob Portugal bereit ist für einen fundamentalen Wandel. Die Wahlbeteiligung von rund 52 Prozent deutet darauf hin, dass viele Portugiesen noch unentschlossen sind – oder dem politischen System insgesamt skeptisch gegenüberstehen.
Das Ende der Zwei-Parteien-Herrschaft?
Besonders bemerkenswert ist das desaströse Abschneiden der traditionellen Mitte-Rechts-Partei PSD. Deren Kandidat Luís Marques Mendes landete mit mageren 11 Prozent auf einem beschämenden fünften Platz. Ventura selbst sieht darin das Ende des jahrzehntelangen Zwei-Parteien-Systems aus Sozialisten und Sozialdemokraten, das Portugal seit der Nelkenrevolution 1974 dominiert hat.
Die Parallelen zu Deutschland sind unübersehbar. Auch hierzulande bröckelt die Macht der etablierten Parteien, während konservative Alternativen an Zuspruch gewinnen. Chega wird nicht umsonst als portugiesisches Pendant zur AfD bezeichnet – beide Parteien eint die klare Positionierung gegen illegale Migration und für eine Rückbesinnung auf nationale Interessen.
Migrationskritik als Erfolgsrezept
Der Aufstieg der Chega speist sich vor allem aus der wachsenden Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Migrationspolitik. Während die Altparteien die Augen vor den Problemen verschließen, spricht Ventura aus, was viele Bürger denken. Südportugal, so berichten Beobachter, sei von Einwanderern regelrecht überflutet worden – eine Entwicklung, von der offenbar vor allem die Funktionäre der etablierten Parteien profitieren.
Die Stichwahl: David gegen Goliath?
Trotz des beeindruckenden Ergebnisses gilt Seguro als Favorit für die zweite Runde. Umfragen zufolge erklärten rund 60 Prozent der Wähler, unter keinen Umständen für Ventura stimmen zu wollen. Die üblichen Verdächtigen – Mendes und der liberale Kandidat de Figueiredo – haben bereits angekündigt, keine Wahlempfehlung abzugeben. Ein durchsichtiges Manöver, das dem konservativen Kandidaten schaden soll.
Doch selbst wenn Ventura die Stichwahl verlieren sollte: Der Erfolg der Chega ist ein unmissverständliches Signal. Die Menschen in Europa haben genug von einer Politik, die ihre Interessen ignoriert. Sie sehnen sich nach Politikern, die für ihr Land eintreten – nicht gegen es. Portugal könnte der nächste Dominostein sein, der fällt. Und das wäre eine gute Nachricht für alle, die an traditionelle Werte und nationale Souveränität glauben.
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