
Rohstoff-Wende in Brüssel: EU kopiert plötzlich Trumps China-Strategie!

Ausgerechnet Brüssel schaut sich bei Donald Trump etwas ab. Das Europäische Parlament hat am 20. Oktober in Straßburg vorgeschlagen, eine eigene EU-Agentur für kritische Rohstoffe zu gründen. Sie soll mit zwei Milliarden Euro ausgestattet werden und sich notfalls direkt an Bergbaufirmen beteiligen dürfen. Das Ziel: Europa soll sich aus dem Würgegriff Chinas bei Seltenen Erden befreien.
Zwei Milliarden gegen Pekings Monopol
Das geplante „Critical Raw Materials Centre“ soll nach Medienberichten in Förderung, Verarbeitung und Raffination innerhalb Europas investieren. Mit 470 Ja-Stimmen, 83 Gegenstimmen und 108 Enthaltungen fiel das Votum deutlich aus. Fertig ist damit aber noch nichts. Die Mitgliedstaaten müssen zustimmen, und erst danach beginnt das Feilschen um den endgültigen Gesetzestext.
Das Geld soll aus dem nächsten langfristigen EU-Haushalt kommen, also aus dem Finanzrahmen 2028 bis 2034. Bis tatsächlich Geld fließt, dürften demnach noch Jahre vergehen. Für Peking dürfte das kaum ein Grund zur Sorge sein.
Die Abgeordneten verlangen außerdem eine Exportkontrolle für Schrott und Abfälle, die Permanentmagnete enthalten. Das wertvolle Material soll in der EU recycelt werden. Hinzu kommen Preisstabilisierungsmechanismen wie Differenzverträge sowie gemeinsame strategische Lagerbestände. Berichterstatter Mohammed Chahim (S&D) sagte sinngemäß, kritische Rohstoffe seien zur Währung geopolitischer Macht geworden. Wer sie kontrolliere, kontrolliere Europas industrielle Zukunft.
Das Vorbild aus Washington
Die Vorlage für den Vorstoß liefert Washington. Die Trump-Regierung hat in den vergangenen rund anderthalb Jahren eine ganze Reihe von Rohstoff-Deals abgeschlossen. Am bekanntesten ist die Vereinbarung mit dem Seltene-Erden-Produzenten MP Materials:
- Das Pentagon investierte 400 Millionen Dollar und erhielt dafür einen Anteil von 15 Prozent.
- Dazu kam ein Kredit über 150 Millionen Dollar.
- Für Neodym-Praseodym, einen Schlüsselstoff für Permanentmagnete, gilt zehn Jahre lang ein Mindestpreis von 110 Dollar pro Kilogramm.
Amerika setzt also auf Beteiligungen, Kredite und Preisgarantien und handelt schnell. Brüssel hat bisher vor allem Zielmarken, Förderaufrufe und Gremien zu bieten.
Große Ziele, magere Bilanz
Mit dem Critical Raw Materials Act hatte sich die EU bereits vorgenommen, bis 2030 zehn Prozent ihres Bedarfs an strategischen Rohstoffen selbst zu fördern, 40 Prozent selbst zu verarbeiten und 25 Prozent zu recyceln. Höchstens 65 Prozent sollten aus einem einzigen Drittland stammen. Medienberichten zufolge liegt aber die Mehrheit der europäischen Bergbau-, Verarbeitungs- und Recyclingprojekte hinter dem Zeitplan.
Der Industrieverband BDI hatte schon 2023 gewarnt: Die Abhängigkeit von chinesischen Rohstoffen wie Seltenen Erden sei größer, als es die Abhängigkeit von russischem Gas je gewesen sei. Was das für Deutschland bedeutet, hat die Energiekrise gezeigt. Beobachter erwarten, dass China seine Vormachtstellung mindestens bis 2030 behält.
Wird Brüssel endlich klüger?
Für die Anleger ist die Lage widersprüchlich. Laut Marktberichten sind die Preise für Seltene Erden zuletzt um rund 23 Prozent gestiegen, weil das Angebot knapp bleibt. Die Aktien der Minenbetreiber haben dagegen etwa 28 Prozent verloren. Einige Papiere fielen auf ein 52-Wochen-Tief. Staatliche Milliarden machen aus einem riskanten Sektor eben noch keinen sicheren Hafen.
Dass die EU ihre Abhängigkeit endlich ernst nimmt, ist überfällig. Ob ausgerechnet eine weitere Behörde mit langen Entscheidungswegen das Problem löst, ist eine andere Frage. Wer sein Vermögen vor solchen geopolitischen Machtspielen schützen will, kann sich eine alte Erfahrung zunutze machen: Physisches Gold und Silber kennen kein Exportverbot aus Peking. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio sorgen sie für Stabilität in unruhigen Zeiten.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen allein.
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