
Ryanair flieht vom BER: Hauptstadt verliert die Hälfte ihrer Billigflüge!

Der nächste Schlag für den ohnehin gebeutelten Hauptstadtflughafen. Ryanair schließt am 24. Oktober seine Basis am BER, zieht alle sieben dort stationierten Jets ab und halbiert das Angebot in Berlin. Bundesweit streicht Europas größter Billigflieger im Winterflugplan rund 700.000 Sitzplätze. Als Grund nennt die Airline die aus ihrer Sicht zu hohen Steuern und Gebühren in Deutschland.
Zwölf Ziele einfach weg
Wer im Winter von Berlin aus in die Sonne wollte, muss umplanen. Zwölf Verbindungen fallen laut Ryanair komplett weg: Bologna, Fuerteventura, Gran Canaria, Lanzarote, Marseille, Palermo, Pisa, Reggio Calabria, Tallinn, Thessaloniki, Triest und Vilnius. Auf den Strecken, die übrig bleiben, wird seltener geflogen.
Ryanair-Chef Eddie Wilson warnt deshalb vor höheren Ticketpreisen und einer schlechteren Anbindung der Hauptstadt an Europa. Das klingt logisch. Weniger Wettbewerb bedeutet fast immer: Der Kunde zahlt drauf.
Der BER schrumpft, bevor er richtig gewachsen ist
Die Folgen bekommt der Flughafen schon jetzt zu spüren. Für 2026 rechnet die Betreibergesellschaft nur noch mit 25,7 Millionen Passagieren, nach 26,1 Millionen im Vorjahr. Für 2027 erwartet sie sogar nur noch 25 bis 25,2 Millionen. Ursprünglich waren bis zu 27 Millionen eingeplant.
Flughafenchefin Aletta von Massenbach will deshalb alle Ausgaben auf den Prüfstand stellen. Personal- und Sachkosten sollen sinken, einzelne Investitionen werden verschoben. Das ist bitter für ein Projekt, das jahrelang als Symbol deutschen Planungsversagens herhalten musste. Zum Vergleich: 2019 zählten Tegel und Schönefeld zusammen noch rund 35,7 Millionen Fluggäste. Davon ist der BER auch sieben Jahre später meilenweit entfernt.
Ein Teufelskreis aus Kosten und Gebühren
Weniger Passagiere bedeuten weniger Einnahmen, beim Fliegen genauso wie in Shops und Restaurants. Die teure Infrastruktur muss trotzdem bezahlt werden. Wer die Lücke mit höheren Gebühren stopfen will, vertreibt womöglich die nächste Airline. Eine Abwärtsspirale also, die kaum jemand bremsen will.
Ryanair rechnet mit dem Standort Deutschland ab
Nach Angaben des Unternehmens sind die Berliner Flughafenentgelte seit 2019 um mehr als 50 Prozent gestiegen. Bis 2029 sollen weitere zehn Prozent dazukommen. Hinzu kommen Kosten für Sicherheitskontrollen und Flugsicherung. Die Bundesregierung hat die Luftverkehrsteuer zwar bereits gesenkt. Ryanair verlangt aber, sie ganz abzuschaffen.
Wilson hält Deutschland für einen der unattraktivsten Märkte Europas. Während die Iren in vielen anderen Ländern wachsen, holen sie hier Flugzeuge ab. Die sieben Berliner Maschinen sollen künftig an günstigeren Standorten in der EU starten. Damit gehen nicht nur Verbindungen verloren, sondern auch Arbeitsplätze und Wertschöpfung.
Hamburg und Bremen trifft es auch, Memmingen jubelt
In Hamburg kürzt Ryanair die Winterkapazität um fünf Prozent. Für Bremen kommt es Berichten zufolge noch härter: Ab April 2027 will die Airline dort gar nicht mehr fliegen. Woanders sieht es besser aus. Memmingen bekommt zwölf Prozent mehr Angebot, Köln/Bonn zehn Prozent mehr. Friedrichshafen und Saarbrücken sind erstmals im Winterflugplan dabei. Laut Ryanair bemühen sich diese Flughäfen aktiv um niedrigere Kosten.
Ein Einzelfall ist Berlin nicht. Die Basen in Frankfurt, Düsseldorf und Stuttgart hat Ryanair schon früher geschlossen. Dresden, Leipzig und Dortmund haben ihre Ryanair-Verbindungen komplett verloren.
Fazit: Hausgemachtes Problem
Airlines können ihre Flugzeuge innerhalb Europas schnell verlegen. Flughäfen dagegen kommen nicht vom Fleck. Solange Deutschland beim Fliegen zu den teuersten Standorten gehört, ziehen die Jets einfach weiter. Für viele Beobachter ist das kein Problem des Marktes, sondern eines der Politik. Steuern, Abgaben und Gebühren haben das Fliegen hierzulande über Jahre teurer gemacht. Die schwarz-rote Koalition unter Kanzler Friedrich Merz hat einen Wirtschaftsaufbruch versprochen. Am BER ist der Effekt bislang offenbar ausgeblieben.
Die Live-Pakete zum Webinar vom 21. OktoberLive-Pakete zum Webinar vom 21.10.
Der digitale Euro kommt.Ihre Antwort in Gold und Silber.
Nur bis Donnerstag, 22.10., 23:59 UhrNur bis Donnerstag, 22. Oktober, 23:59 Uhr
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik













