
Saalekreis: AfD scheitert erneut hauchdünn an der CDU – und wieder spielen die Briefwahlstimmen die Hauptrolle
Es ist ein Drehbuch, das sich inzwischen mit ermüdender Regelmäßigkeit wiederholt: Ein Kandidat der AfD geht als haushoher Favorit in eine Stichwahl – und verliert dann auf den letzten Metern doch noch. So geschehen am vergangenen Sonntag im Saalekreis in Sachsen-Anhalt, wo der AfD-Bewerber Uwe Arendt nach Auszählung von 198 der 201 Wahlbezirke mit rund 46 Prozent hinter dem CDU-Mann Sven Czekalla landete, der auf etwa 54 Prozent kam.
Ein Vorsprung, der wie Schnee in der Sonne dahinschmolz
Was diesen Wahlgang so bemerkenswert macht, ist die Ausgangslage. Im ersten Durchgang hatte Arendt mit beachtlichen 43,3 Prozent klar vorne gelegen, während Czekalla mit mageren 36,6 Prozent regelrecht abgehängt schien. Die übrigen Bewerber – Kerstin Eisenreich von der Linkspartei mit 13,2 Prozent und der Einzelbewerber Lars Zaruba mit 6,9 Prozent – spielten nur Nebenrollen. Und doch: In der entscheidenden Runde drehte sich das Blatt. Aus dem klaren Favoriten wurde der Zweitplatzierte.
Wer sich nun fragt, wie ein Vorsprung von fast sieben Prozentpunkten binnen weniger Wochen verschwinden kann, dem sei der Blick auf das altbewährte Muster empfohlen: Sobald in der Stichwahl nur noch zwei Kandidaten antreten, schließen sich die Reihen der etablierten Parteien geräuschlos zusammen. Die alte Brandmauer, mal wieder, hält. Arendt wäre der erste AfD-Landrat in Sachsen-Anhalt gewesen und erst der zweite bundesweit. Es sollte nicht sein.
Das Sterben der Chemieindustrie als heißes Eisen
Der Saalekreis ist alles andere als ein beliebiger Landstrich. Geprägt von den traditionsreichen Standorten Leuna, Schkopau und Merseburg, bildet er das Herzstück des mitteldeutschen Chemiedreiecks – einer der industriell stärksten Regionen des Bundeslandes. Doch genau hier nagt der Zahn der wirtschaftlichen Misere besonders heftig. Das schleichende Sterben der Chemieindustrie wurde zu einem der zentralen Wahlkampfthemen.
Wenn ausgerechnet in einer Region, die von der Industrie lebt, die Schlote kalt werden, dann ist das kein Naturereignis – sondern die Quittung für eine Energie- und Wirtschaftspolitik, die Standorte vertreibt statt sie zu sichern.
Dass die Bürger in einer solchen Lage nach Alternativen suchen, überrascht niemanden. Dass ihnen diese Alternative dann doch wieder durch die Lappen geht, schon eher.
Disziplinarverfahren und parallele Schlappe im Norden
Begleitet wurde Arendts Kandidatur von einer Kontroverse: Gegen ihn als Polizeibeamten laufe ein Disziplinarverfahren, hieß es. Medienberichten zufolge soll er trotz Krankschreibung Wahlkampf gemacht und als DJ aufgelegt haben – Vorwürfe, die er bestreitet. Ob solche Geschichten den Ausschlag gaben oder ob sie lediglich willkommene Munition im Wahlkampf darstellten, bleibe dahingestellt.
Parallel kam es auch im brandenburgischen Landkreis Ostprignitz-Ruppin zur Stichwahl. Dort unterlag der AfD-Kandidat Torsten Arndt mit rund 43 Prozent deutlich dem SPD-Amtsinhaber Ralf Reinhardt. Bereits in der Hauptwahl hatte Arndt mit 30,3 Prozent hinter Reinhardts 34,7 Prozent gelegen.
Zwei Lehren aus einem Wahlabend
Die Ergebnisse zeigen zweierlei. Erstens: Die AfD vermag in der ersten Runde erhebliche Erfolge einzufahren. Zweitens: In der Stichwahl greift verlässlich der Reflex des Zusammenrückens aller anderen. Ob das auf Dauer ein tragfähiges Demokratieverständnis darstellt, mag jeder Leser selbst beurteilen. Klar ist: Die wirtschaftlichen Sorgen der Menschen im mitteldeutschen Industrieraum lösen sich durch einen knappen Wahlausgang nicht in Luft auf.
Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine politische Beratung dar. Für die eigene Meinungsbildung empfehlen wir, mehrere Quellen heranzuziehen.

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