
Schienenmaut-Schock: Berlin lÀsst Pendler am Bahnsteig stehen!

Weniger ZĂŒge, lĂ€ngere Wartezeiten, womöglich teurere Tickets: Dem Regionalverkehr in Deutschland drohen spĂŒrbare FahrplankĂŒrzungen. Auf der Verkehrsministerkonferenz im bayerischen Hohenschwangau hat der Bund Ende Oktober die Forderung der LĂ€nder nach einem Ausgleich der steigenden SchienengebĂŒhren abgelehnt. Leidtragende wĂ€ren Millionen Pendler, vor allem auf dem Land.
Die Maut fĂŒrs Gleis steigt und steigt
Wer in Deutschland einen Zug fahren lĂ€sst, zahlt an die Bahn-Infrastrukturtochter DB InfraGO eine Art Schienenmaut, die sogenannten Trassenpreise. Damit werden Betrieb und Instandhaltung von Gleisen, Weichen und Oberleitungen finanziert. FĂŒr 2027 hat die DB InfraGO im Schnitt 7,9 Prozent mehr beantragt. Im Regionalverkehr sollen es 7,7 Prozent sein.
Auch fĂŒr 2028 zeichnet sich bereits die nĂ€chste Erhöhung ab. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) rechnet fĂŒr die LĂ€nder 2027 mit Kostensteigerungen von rund acht Prozent. Dazu kĂ€men teurere ZĂŒge, höhere Energiepreise und steigende Löhne.
Luxemburg kippt die Preisbremse
VerschĂ€rft hat sich die Lage durch ein Urteil des EuropĂ€ischen Gerichtshofs vom MĂ€rz 2026. Die Richter erklĂ€rten die deutsche Trassenpreisbremse fĂŒr den Nahverkehr fĂŒr unvereinbar mit EU-Recht. Die Bundesnetzagentur musste die Entgelte fĂŒr 2026 daraufhin neu festsetzen. FĂŒr RegionalzĂŒge stiegen sie um rund neun Prozent ĂŒber die ursprĂŒngliche Genehmigung, die Mehrbelastung liegt bei etwa 400 Millionen Euro. Fern- und GĂŒterverkehr wurden dagegen entlastet.
Es ist ein bekanntes Muster: Ein europÀisches Gericht entscheidet, und bezahlen muss am Ende der Pendler aus Husum oder Passau.
Der Norden streicht bereits
Schleswig-Holstein hat sein Zugangebot schon um 1,5 Prozent gekĂŒrzt. Landesverkehrsminister Claus Ruhe Madsen verlangt eine grundlegende Reform. Investitionsbedingte Infrastrukturkosten sollten direkt aus dem Bundeshaushalt bezahlt werden, statt ĂŒber die Trassenpreise bei den LĂ€ndern zu landen.
Bernreiter warnt, dass nach 2028 auch Bayern in ernste Schwierigkeiten geraten könnte. Am hÀrtesten trÀfe es lÀndliche Regionen ohne Alternative zur Schiene. FÀllt der Regionalzug weg, werden Wege zur Arbeit, zur Schule und zum Arzt lÀnger.
Bilger: Kein Geld im Topf
In Hohenschwangau wurde es dann eindeutig. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) lehnte den von den LĂ€ndern geforderten Ausgleich Medienberichten zufolge ab. Im Verkehrsetat seien die Möglichkeiten begrenzt. Man teile zwar das Ziel, Abbestellungen von ZĂŒgen zu verhindern. Entscheidend sei aber ein effizienter Einsatz der Mittel vor Ort. Der Bund unterstĂŒtze den Nahverkehr schon jetzt mit mehr als 15 Milliarden Euro, das Deutschlandticket eingerechnet.
Bernreiter, derzeit Vorsitzender der Konferenz, wollte nach eigenen Worten kein âSchwarzer-Peter-Spielâ. Die LĂ€nder brĂ€uchten aber Planungssicherheit.
14 Milliarden Euro LĂŒcke
Seit der Bahnreform der 1990er-Jahre sind die LĂ€nder fĂŒr den Nahverkehr zustĂ€ndig. Bezahlt wird er ĂŒber die Regionalisierungsmittel des Bundes. Diese steigen jĂ€hrlich um drei Prozent, fĂŒr 2027 sind rund 13,7 Milliarden Euro eingeplant. Eine Bund-LĂ€nder-Kommission bezifferte den Mehrbedarf bis 2031 auf etwa 14 Milliarden Euro, die Folgen des EuGH-Urteils noch nicht mitgerechnet. VerkehrsverbĂŒnde und der Bundesverband SchienenNahverkehr gehen inzwischen juristisch gegen die TrassengebĂŒhren vor.
Milliarden fĂŒr Beton, nichts fĂŒr den Fahrplan?
Der Widerspruch ist schwer zu ĂŒbersehen. Die Bundesregierung will mehr Verkehr auf die Schiene bringen. Sie schuldet ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro fĂŒr Infrastruktur auf. Gleichzeitig verteuert ihr eigenes Finanzierungssystem den tĂ€glichen Zugbetrieb. Was nĂŒtzt ein frisch saniertes Gleis, wenn kein Zug mehr darauf fĂ€hrt?
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt sich hier eine Schieflage in der Verkehrspolitik. FĂŒr Prestigeprojekte gibt es Geld. Bei der einfachen Frage, ob der Bus oder der Zug am Morgen pĂŒnktlich fĂ€hrt, wird dagegen gespart. Eine Reform der Trassenpreise soll im Bundesverkehrsministerium zwar in Arbeit sein, einen Termin gibt es aber nicht. Bis dahin zahlen die BĂŒrger die Rechnung, mit ihrer Zeit, ihren Nerven und womöglich bald auch mit höheren Ticketpreisen.
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Prof. Dr.Polleit
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Dr.Brandenburg
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