
Schneeleopard für die Truppe: Berlin will Kiews Billig-Marschflugkörper!

Die Rollen haben sich umgekehrt: Die Bundeswehr will offenbar erstmals eine in der Ukraine entwickelte Angriffswaffe für das eigene Arsenal kaufen. Medienberichten zufolge bereiten deutsche Behörden einen Vertrag über eine erste Charge des Marschflugkörpers „Bars“ vor, der je nach Variante bis zu 1000 Kilometer weit fliegt. Unterschrieben werden könnte schon in den kommenden Wochen.
Erst testen, dann vielleicht Hunderte
Laut einem Bericht der Financial Times soll die Truppe zunächst nur eine kleine Stückzahl erhalten. Anfang 2027 stehen die technischen Tests an. Verlaufen sie erfolgreich, könnten mehrere Hundert Exemplare bestellt werden.
Ein deutscher Regierungsvertreter soll dem Kyiv Independent bereits am Samstag bestätigt haben, dass Berlin und Kiew über den Kauf verhandeln. Ein fertiger Kaufvertrag ist bislang allerdings nicht bekannt.
Was der „Schneeleopard“ kann
„Bars“ heißt auf Ukrainisch Schneeleopard. Das System fliegt mit Strahlantrieb und trägt dem Bericht zufolge bis zu 105 Kilogramm Nutzlast. In der Ukraine spricht man gern von einer „Drohnenrakete“, Berlin stuft die Waffe als kostengünstigen Marschflugkörper ein.
Im Krieg hat sie sich längst bewährt. Präsident Wolodymyr Selenskyj zählt Bars zu den Systemen, mit denen russische Militärbasen und Energieanlagen angegriffen werden. Der Rüstungsexperte Fabian Hoffmann vom norwegischen Institut für Verteidigungsstudien verweist der FT gegenüber auf die vielen Einsätze. Dadurch lägen beiden Seiten umfangreiche Daten zur Leistungsfähigkeit vor.
Pikant ist dabei: Die Waffe kommt inzwischen teils aus Deutschland. Schon im Juli vereinbarten beide Länder eine gemeinsame Produktion. Ein ukrainisch-deutsches Gemeinschaftsunternehmen fertigt Bars mittlerweile hierzulande, eine erste von Berlin bezahlte Charge ging im Oktober an Kiew. Künftig soll auch die Bundeswehr beliefert werden.
Masse statt Klasse? Die neue Raketen-Rechnung
Hinter dem Deal steht ein Strategiewechsel. Die Bundeswehr soll weitreichende Waffen in großer Zahl bekommen. Viele günstige Flugkörper sollen im Ernstfall die gegnerische Luftabwehr überfordern, teure Systeme blieben strategisch wichtigen Zielen vorbehalten. So erläuterte es Heeresinspekteur Christian Freuding laut FT.
Die Preise sprechen eine deutliche Sprache:
- Tomahawk (USA): vier bis sechs Millionen Dollar pro Stück, Lieferungen wegen Produktionsengpässen kaum vor den 2030er-Jahren
- Anthem (Covenant, USA): etwa ein Zehntel davon; laut Bloomberg verhandelt Berlin über Tausende Exemplare für mehr als eine Milliarde Euro
- Bars (Ukraine): nach Angaben eines Insiders noch günstiger, ein konkreter Stückpreis wurde nicht genannt
Den Kauf des größeren ukrainischen Marschflugkörpers Flamingo soll Deutschland vorerst zurückgestellt haben.
Die Rechnung zahlt am Ende der Steuerzahler
Der Raketenkauf ist nur ein Baustein einer gewaltigen Aufrüstung. Nach der Finanzplanung der Regierung Merz soll der reguläre Verteidigungsetat von 82,7 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf 183,7 Milliarden Euro im Jahr 2030 steigen. Mehr als eine Verdopplung in vier Jahren. Hinzu kommen in diesem Jahr 25,5 Milliarden Euro aus dem Bundeswehr-Sondervermögen.
Die Bundesregierung begründet das mit der Abschreckung. Doch wer glaubt, Panzer und Raketen würden nebenbei einen Wirtschaftsboom auslösen, dürfte enttäuscht werden. Der Ökonom Gunther Schnabl, Direktor des Flossbach von Storch Research Institute, äußerte sich auf eine frühere Medienanfrage skeptisch:
„Ich sehe keine nachhaltigen Wachstumseffekte durch schuldenfinanzierte Rüstungsausgaben.“
Zusätzliche Staatsschulden trieben die Zinsen nach oben und bremsten private Investitionen, so Schnabl. Steigende Rüstungspreise könnten zudem die Kaufkraft der Budgets auffressen: „Für das gleiche Geld gibt es weniger Verteidigung.“
Aus Sicht unserer Redaktion ist genau das der wunde Punkt. Dass die Bundeswehr auf bewährte und günstige Systeme setzt, ist vernünftig. Doch eine Regierung, die einst versprach, keine neuen Schulden zu machen, häuft nun Milliarden auf Milliarden. Am Ende zahlen Bürger und künftige Generationen, über Steuern, Abgaben und eine schleichende Geldentwertung. Wer sein Erspartes dagegen absichern will, findet in physischem Gold und Silber seit Jahrhunderten eine sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen allein.
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