
Schulden-Alarm in London: Gold trotzt den Zinsen – und sendet ein Signal!

Auf der Jahreskonferenz der London Bullion Market Association (LBMA) haben führende Fondsmanager Anfang Oktober 2026 deutlich gewarnt. Die Staatsverschuldung weltweit gerate außer Kontrolle, und Gold reagiere bereits darauf. Obwohl die Anleiherenditen auf über 5 Prozent gestiegen sind, hält sich das Edelmetall über der Marke von 4.000 US-Dollar je Unze.
Eine alte Faustregel gilt nicht mehr
Lange galt an den Märkten eine einfache Regel: Steigen die Zinsen, fällt der Goldpreis. Wer für Staatsanleihen hohe Zinsen bekommt, braucht kein Metall, das selbst keine Zinsen abwirft. So weit die Lehrbuchmeinung.
Doch diese Regel bröckelt. Vikram Dhawan, Rohstoffchef beim Fondsanbieter Nippon India Mutual Fund, erklärte in der Diskussionsrunde, der kräftige Renditeanstieg hätte Gold eigentlich hart treffen müssen. Kurzfristig bewegten sich beide Größen zwar weiterhin gegenläufig. Über Zeiträume von einem, zwei und drei Jahren seit der Pandemie habe sich dieser Zusammenhang aber deutlich abgeschwächt und sei zeitweise sogar ins Gegenteil gekippt.
Dhawans Deutung: Gold sende womöglich das Signal, dass die globale Verschuldung an einem Wendepunkt angekommen sei. Das Angebot an Papier könnte die Nachfrage danach bald übersteigen.
Mehr Schulden, aber keine Haushaltsdisziplin
Hinter dem Schlagwort „Debasement“, also der schleichenden Entwertung des Geldes, steht für Dhawan ein klarer Befund. Die weltweiten Schulden wüchsen Jahr für Jahr um Billionen Dollar. Den Regierungen bleibe am Ende kaum etwas anderes als finanzielle Repression. Gemeint ist damit, dass sie eine höhere Inflation hinnehmen und gleichzeitig versuchen, die eigenen Zinskosten zu drücken. Steigende Schulden sehe er deutlich, Haushaltsdisziplin dagegen nirgends.
Shayne McGuire, Portfoliomanager beim texanischen Lehrer-Pensionsfonds Teacher Retirement System of Texas, verwies auf die Geschichte. Früher hätten Herrscher ihre Münzen entwertet, indem sie weniger Edelmetall hineinmischten. Heute fürchteten Anleger, dass die Schuldenberge den Wert des Geldes auffressen.
Die Käufer der Staatsanleihen ändern sich
Ein weiterer Punkt erklärt den Bruch mit der alten Regel. Notenbanken und Pensionskassen haben Staatsanleihen früher gekauft, ohne genau auf Preis und Rendite zu schauen. Sie werden nach Dhawans Darstellung zunehmend durch private Investoren ergänzt oder ersetzt. Diese wollen für Laufzeit- und Haushaltsrisiken einen deutlichen Aufschlag. Die hohen Renditen zeigen dann vor allem Misstrauen und kein starkes Wachstum.
Pensionsfonds haben Gold noch nicht entdeckt
McGuire sieht darin einen Grund für Optimismus. Bei den großen US-Pensionsfonds spiele Gold in der strategischen Planung bislang kaum eine Rolle. Das werde sich wegen der Probleme am Anleihemarkt mit der Zeit ändern. Gold werfe zwar keine Rendite ab, habe gegenüber vielen Anleihen aber an Wert gewonnen.
Auch Asien stützt den Preis. Wei Yan vom Vermögensverwalter Dymon Asia sagte, chinesische Sparer hätten bei schwachen Immobilien- und Aktienmärkten kaum Alternativen. Hohe Zinsen im Westen schreckten sie deshalb nicht ab. Sein knapper Kommentar:
„They just keep buying the dip.“
Damit meinte er, dass die Käufer jeden Rücksetzer zum Einstieg nutzen. Nach Dhawans Einschätzung wenden sich auch jüngere Anleger zunehmend Sachwerten zu, weil die Inflation ihre Kaufkraft spürbar schmälert.
Keine Partei will das Problem anpacken
Die Experten erwarten allerdings keinen geradlinigen Anstieg. Mit den hohen Preisen sei die klassische physische Nachfrage, etwa nach Schmuck, deutlich eingebrochen. Kurz- bis mittelfristig sei deshalb mit starken Schwankungen oder einer Seitwärtsbewegung zu rechnen.
Ein Regierungswechsel ändert an der Schuldenfrage nach Ansicht der Runde wenig. McGuire erinnerte daran, dass die US-Defizite unter Demokraten wie Republikanern gewachsen seien. Auch deutsche Sparer kennen das Muster: Die Regierung Merz hat ein Sondervermögen über 500 Milliarden Euro aufgelegt, obwohl im Wahlkampf Haushaltsdisziplin versprochen worden war. Für Anleger, die ihr Vermögen langfristig sichern wollen, können physische Edelmetalle deshalb eine sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio sein.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten oder Edelmetallen. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und trifft seine Anlageentscheidungen in eigener Verantwortung.












