
Schüsse vor dem Uhrengeschäft: Kölns Innenstadt kommt nicht zur Ruhe!

In der Nacht zu Freitag, dem 30. Oktober 2026, ist in der Kölner Innenstadt erneut geschossen worden. Unbekannte feuerten nach ersten Erkenntnissen der Polizei auf ein Uhrengeschäft in der Apostelnstraße, ganz in der Nähe des Neumarkts. Verletzt wurde nach bisherigem Stand niemand. Die Täter sind aber weiter auf freiem Fuß.
Ein Knall um 4 Uhr morgens
Gegen 4 Uhr hörte ein Zeuge Knallgeräusche und rief die Polizei. Medienberichten zufolge waren es zwei Bauarbeiter, die den Schuss mitbekommen hatten. Die Beamten fanden ein Einschussloch in der Fensterfront des Ladens an der Ecke Apostelnstraße und Große Brinkgasse.
Am Morgen sicherten Ermittler Spuren, auch ein Spürhund war im Einsatz. Laut Berichten wertet die Polizei inzwischen Videoaufnahmen aus. Gefahndet wird nach einem oder mehreren Tätern.
Serie ohne Ende: 34 Angriffe seit Pfingsten
Ein Einzelfall ist das nicht. Seit Monaten trifft es in Köln immer wieder Geschäfte, Lokale und sogar Wohnhäuser. Seit Pfingsten 2026 zählt die Polizei bereits 34 solcher Angriffe. Je nachdem, ob man das Umland, Brandsätze und Explosionen mitzählt, nennen andere Berichte abweichende Zahlen. Allein im Kölner Stadtgebiet soll es seit Mai rund 20 Schussvorfälle gegeben haben.
Die Liste der vergangenen Tage liest sich wie ein Polizeibericht aus einer Großstadt, die die Lage nicht mehr im Griff hat. Erst vor gut einer Woche wurde auf ein Uhrengeschäft in der Breite Straße geschossen, und zwar zum dritten Mal. Kurz zuvor bekam ein Restaurant am Maternusplatz in Rodenkirchen mehrere Einschüsse ab. Wenig später traf es nach Medienberichten auch ein Haus in Brühl.
Eine Meldung aus der Altstadt sorgte zuletzt für zusätzliche Unruhe: Dort gingen mehrere Schaufensterscheiben zu Bruch. Nach Angaben der Polizei wurde in diesem Fall aber nicht geschossen. Es habe sich um Sachbeschädigung mit Steinen gehandelt.
Erpressung als Geschäftsmodell?
Die Ermittler prüfen, ob die Taten zusammenhängen. Die Staatsanwaltschaft Köln untersucht unter anderem, ob es Verbindungen zu weiteren Taten gibt und ob Erpressungsversuche hinter den Angriffen stecken. Ein Verdacht, der sich aufdrängt: Wer nachts auf Schaufenster schießt, will in der Regel keine Beute machen. Er will eine Botschaft senden.
Der Bund Deutscher Kriminalbeamter sieht ein Muster, das es nicht nur in Köln gibt, sondern in ganz Europa. Ein Vertreter des Verbands sagte kürzlich in einem Interview, viele Akteure aus dem kriminellen Milieu setzten derzeit auf Erpressung und Schusswaffen. In diesem Zusammenhang fallen in Berichten immer wieder Namen wie die „Daltons“ oder die „Gen-Z-Mafia“.
Auftraggeber im Ausland, Schützen vor Ort
Warum die Fälle so schwer aufzuklären sind, erklärte der Kriminalbeamte ebenfalls: Die Täter seien oft maskiert, und der Auftraggeber sitze häufig im Ausland. Digitale Spuren würden über VPN-Telefonie und wechselnde Rufnummern verschleiert. Dazu komme die schwierige Rechtshilfe mit anderen Staaten. Er regte an zu prüfen, ob bei Menschen ohne Aufenthaltsrecht eine sofortige Inhaftierung und Abschiebung möglich und geboten sei.
Déjà-vu am Rhein
Für Köln ist das alles nicht neu. Schon im Sommer 2024 erschütterte eine Serie von Explosionen die Stadt. Nach Angaben der Ermittler ging es damals um einen Konflikt im Drogenmilieu mit Verbindungen in die Niederlande. Zwei Jahre später knallt es wieder, diesmal mit scharfer Munition.
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt die Serie, wie weit der Staat bei der Durchsetzung seines Gewaltmonopols zurückgefallen ist. Für viele Bürger ist es kaum zu begreifen, dass mitten in einer deutschen Millionenstadt mehr als 30-mal geschossen werden kann, ohne dass die Hintermänner gefasst werden. Konsequente Grenzkontrollen, eine schlagkräftige Polizei und eine Justiz, die schnell und hart durchgreift, wären keine Härte. Sie wären das Mindeste, was Händler, Wirte und Anwohner von ihrem Staat erwarten dürfen.
Die Kölner Geschäftsleute können vorerst nur hoffen, dass ihr Laden nicht als nächster getroffen wird.
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