
Schwerste Krise der britischen Monarchie seit 90 Jahren: Andrews Epstein-Verstrickungen erschüttern das Königshaus
Es sind Bilder, die um die Welt gehen und das britische Königshaus in seinen Grundfesten erschüttern: Andrew Mountbatten-Windsor, der jüngere Bruder von König Charles, verlässt eine Polizeistation in Norfolk – verhaftet auf Verdacht des Amtsmissbrauchs. Was sich wie das Drehbuch einer düsteren Netflix-Serie liest, ist bittere Realität für eine Institution, die sich seit einem Jahrtausend an der Spitze des Vereinigten Königreichs hält.
Eine Verhaftung ohne Präzedenz
Die Festnahme des ehemaligen Prinzen markiert einen historischen Tiefpunkt. Nie zuvor in der Geschichte der Windsors wurde ein hochrangiges Mitglied der königlichen Familie von der Polizei abgeführt. Die Vorwürfe wiegen schwer: Andrew soll in seiner damaligen Funktion als britischer Handelsgesandter vertrauliche Regierungsdokumente an den inzwischen verstorbenen und verurteilten US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein weitergegeben haben. Mountbatten-Windsor selbst bestreitet jegliches Fehlverhalten und bedauere lediglich die Freundschaft zu Epstein – eine Erklärung, die angesichts der Schwere der Anschuldigungen geradezu grotesk dünn wirkt.
Die schlimmste Krise seit der Abdankung Edwards VIII.
Historiker und königliche Insider sind sich einig: Was die Monarchie derzeit durchlebt, übertrifft an Dramatik alles, was seit der Abdankung König Edwards VIII. im Jahr 1936 geschehen ist. Damals gab der König den Thron auf, um die geschiedene Amerikanerin Wallis Simpson zu heiraten – ein Skandal, der das Empire erschütterte. Doch während Edward freiwillig ging, wird Andrew von den Ereignissen überrollt.
Ein ehemaliger hochrangiger Berater des Königs, der Charles gut kenne, brachte es gegenüber Reuters auf den Punkt: Die Krone befinde sich in einer Krise, über die sie keinerlei Kontrolle ausüben könne. Man sei durchgehend in der Defensive gewesen und wisse noch immer nicht, was in den restlichen Epstein-Akten stehe. Diese Ungewissheit dürfte in den Gemächern des Buckingham Palace für schlaflose Nächte sorgen.
Schadensbegrenzung um jeden Preis
Das Königshaus hat bereits im Vorfeld alles unternommen, um sich von Andrew zu distanzieren. Sämtliche Titel wurden ihm aberkannt, sein Landsitz wurde ihm entzogen, jede öffentliche Verbindung zur arbeitenden königlichen Familie gekappt. König Charles selbst – der übrigens weiterhin wegen einer nicht näher spezifizierten Krebserkrankung behandelt wird – reagierte mit einer unmissverständlichen Stellungnahme auf die Verhaftung seines Bruders: „Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen." Deutlicher kann ein König seinen eigenen Bruder kaum fallenlassen.
Königin Camilla schloss sich an und betonte, ihre Gedanken und ihr Mitgefühl gälten den Opfern jeglichen Missbrauchs. Auch Thronfolger William und seine Frau Kate zeigten sich „zutiefst besorgt" über die Enthüllungen aus den Epstein-Akten. Julian Payne, der ehemalige Kommunikationschef von Charles, erklärte, die Institution habe jeden erdenklichen Schritt unternommen, um eine klare Trennlinie zwischen den arbeitenden Mitgliedern der Familie und dieser Person zu ziehen.
Die entscheidende Frage: Wussten Charles und William mehr?
Graham Smith, Vorsitzender der republikanischen Kampagnengruppe „Republic", die mit ihren Beschwerden bei der Polizei die Ermittlungen überhaupt erst ins Rollen gebracht hatte, nutzte die Verhaftung, um einmal mehr das Ende der Monarchie zu fordern. Es wäre „Game over" für die Royals, sollte die polizeiliche Untersuchung Hinweise darauf zutage fördern, dass Charles oder William mehr über Andrews enge Verbindungen zu Epstein gewusst und nicht gehandelt hätten. Bislang gibt es dafür allerdings keinerlei Anhaltspunkte.
Der bereits zitierte ehemalige königliche Berater gab sich vorsichtig optimistisch: Es sei unwahrscheinlich, dass die Epstein-Akten die Schlüsselfiguren Charles und William belasten würden. Charles habe seinerzeit sogar davor gewarnt, seinem jüngeren Bruder den Posten als Handelsgesandter zu übertragen – genau jene Rolle, die nun Gegenstand der Ermittlungen sei. William wiederum habe für seinen Onkel schlicht nichts übrig.
Die Monarchie wankt – aber fällt sie?
Die Umfragewerte zeichnen ein differenziertes Bild. Laut dem Meinungsforschungsinstitut YouGov betrachteten im Januar – noch vor der Veröffentlichung der Millionen Epstein-Dokumente durch die US-Regierung – gerade einmal drei Prozent der Briten Andrew positiv. Satte 90 Prozent hatten eine negative Meinung von ihm. Die übrige königliche Familie hingegen genießt weiterhin breite Unterstützung: William kommt auf 77 Prozent Zustimmung, der König selbst auf 60 Prozent.
Doch diese Zahlen sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Monarchie insbesondere bei jüngeren Generationen an Rückhalt verliert. Die endlose Abfolge von Skandalen – von Dianas tragischem Tod 1997 über den spektakulären Bruch von Harry und Meghan mit dem Königshaus bis hin zur aktuellen Epstein-Affäre – hinterlässt Spuren im kollektiven Bewusstsein einer Nation, die sich zunehmend fragt, welchen Zweck eine erbliche Monarchie im 21. Jahrhundert noch erfüllt.
„Es ist herausfordernd und wirft kein gutes Licht auf die Familie als Ganzes, aber ich denke, sie werden es überstehen", sagte der 59-jährige Londoner Buchhalter Jeremy Paul gegenüber Reuters – eine Einschätzung, die wohl die pragmatische Gelassenheit vieler Briten widerspiegelt. Der ehemalige königliche Berater formulierte es nüchterner: Die Krise sei nicht existenziell, werde aber erheblichen und dauerhaften Schaden anrichten. In Charles und William seien jedoch die richtigen Personen vorhanden, um ausreichend Vertrauen und Respekt wiederherzustellen.
Ein Lehrstück über Macht und Verantwortung
Was bleibt, ist die bittere Erkenntnis, dass Privilegien und Immunität keine Einbahnstraße sind. Andrew genoss jahrzehntelang die Vorzüge seiner königlichen Geburt – Paläste, Diener, diplomatische Missionen und ein Leben in unvorstellbarem Luxus. Dass er diese Position möglicherweise missbraucht hat, um einem verurteilten Sexualstraftäter vertrauliche Staatsdokumente zuzuspielen, ist ein Vertrauensbruch, der weit über die Grenzen des Königshauses hinausreicht. Es ist ein Vertrauensbruch gegenüber dem britischen Volk.
Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, ob die britische Monarchie diese Krise tatsächlich übersteht – oder ob die tausendjährige Institution langsam, aber sicher ihrem Ende entgegentaumelt. Eines steht fest: Die Epstein-Akten haben noch längst nicht alle ihre Geheimnisse preisgegeben.

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