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25.10.2026
16:05 Uhr
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Silber-Schock oder Fehlalarm? Großbanken rufen den Überschuss aus

Silber-Schock oder Fehlalarm? Großbanken rufen den Überschuss aus
Symbolbild: KI-generiert

Die Deutsche Bank und der Edelmetallhändler StoneX haben Anfang Oktober einen Kurswechsel vollzogen: Statt eines Silberdefizits sagen beide nun einen möglichen Überschuss voraus. Diese Botschaft verunsichert den Markt. Wer genauer nachrechnet, stößt allerdings auf erstaunlich dünne Zahlen.

Plötzlich Überschuss statt Mangel

Laut Medienberichten hält die Deutsche Bank einen physischen Überschuss am Silbermarkt schon ab 2027 für möglich. Als wichtigsten Treiber nennt das Institut die Solarindustrie. Der weltweite Silberverbrauch in der Photovoltaik werde in diesem Jahr um mehr als 20 Prozent sinken, der Bedarf pro Solarzelle um 17 Prozent. Für das zweite Quartal 2027 halten die Analysten einen Durchschnittspreis von 70 Dollar je Unze für denkbar.

StoneX geht noch weiter. Der Händler rechnet bereits für 2026 mit einem Überschuss, der rund fünf Wochen physischer Nachfrage entsprechen soll. Eine konkrete Mengenangabe in Unzen? Fehlanzeige.

Die Rechnung hat Lücken

Genau hier setzt die Kritik an. In einer viel beachteten Marktanalyse heißt es, keine der beiden Prognosen sei bislang mit belastbaren Mengenangaben untermauert worden. Ihr Einfluss beschränke sich daher vor allem auf die Stimmung.

Der Solar-Einbruch ist nämlich kein Geheimnis. Das Silver Institute und das Londoner Analysehaus Metals Focus haben bereits einen Rückgang der Photovoltaik-Nachfrage um 19 Prozent auf 151 Millionen Unzen eingepreist. Trotzdem erwarten sie für 2026 ein Defizit von 46,3 Millionen Unzen, das sechste in Folge. Wer den Prozentwert der Bank einfach obendrauf rechnet, zählt denselben Rückgang also doppelt.

Der Trick mit den Anlegern

Noch heikler ist ein zweiter Baustein. Ein Teil der Überschussthese stützt sich auf die Annahme, dass Investoren künftig physisches Silber auf den Markt werfen. Die Deutsche Bank erwartet Berichten zufolge, dass Fonds bis Ende 2027 rund 40 Millionen Unzen verkaufen könnten, sofern sich frühere Zinserhöhungszyklen wiederholen.

Das ist allerdings ein Szenario über die Stimmung der Anleger und keine Messung. Verkaufen Investoren, wechselt das Metall lediglich den Besitzer. Am Missverhältnis zwischen Minenförderung und industriellem Verbrauch ändert sich dadurch zunächst nichts.

Ein nervöser Markt nach dem Rekordrausch

Die Debatte trifft das Silber in einer angespannten Phase. 2025 durchbrach das Metall erstmals seit 1980 die Marke von 50 Dollar, im Januar 2026 kletterte es sogar über 100 Dollar. Seitdem hat es kräftig Luft abgelassen. Am 14. Oktober stürzte Silber nach überraschend hohen US-Inflationsdaten um rund sechs Prozent ab und notiert zuletzt deutlich unter 60 Dollar.

Fundamental bleibt das Bild solide. Rechenzentren, künstliche Intelligenz und die Autoindustrie stützen laut Silver Institute die industrielle Nachfrage. In den USA gilt Silber inzwischen offiziell als kritisches Mineral. Dass ausgerechnet jetzt Überschussprognosen auftauchen, die nicht in Unzen beziffert werden, ist zumindest bemerkenswert.

Die Stunde der Wahrheit kommt im November

Für Anleger beginnt damit eine Phase erhöhter Unsicherheit. Kurzfristig dürfte das Gerede vom Überschuss auf die Stimmung drücken. Ob sich die Prognosen bestätigen, ist jedoch völlig offen.

Mehr Klarheit bringt voraussichtlich der November. Dann wollen Metals Focus und das Silver Institute ihre aktualisierte Zwischenbilanz vorlegen. Bis dahin gilt: Die Defizitprognose steht, der Überschuss ist bislang nur eine Behauptung. Wer langfristig denkt, sieht in physischem Silber deshalb weiterhin einen sinnvollen Baustein zur Vermögenssicherung in einem breit gestreuten Portfolio.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Edelmetallen oder anderen Anlageprodukten. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger sollte eigenständig recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen selbst die Verantwortung.

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