
Spanien kassiert Abschalttermin: AKW Almaraz läuft bis 2030!

Madrid hat den ersten Dominostein des eigenen Atomausstiegs wieder aufgestellt. Am 14. August 2026 genehmigte die spanische Regierung den Weiterbetrieb beider Reaktoren des Kernkraftwerks Almaraz in der Region Extremadura – bis zum 8. Juni 2030. Ursprünglich sollten die Blöcke bereits 2027 und 2028 vom Netz.
Mehr als zwei Gigawatt planbare Leistung bleiben damit im spanischen Stromsystem. Als Begründung nennt die Regierung die verschärfte Unsicherheit auf den internationalen Energiemärkten – konkret den Ukrainekrieg und den Konflikt im Nahen Osten, die Gaspreise und Lieferwege unberechenbar machten.
7 Prozent des Stromverbrauchs – und 4.000 Arbeitsplätze
Die Zahlen erklären, warum der Abschalttermin politisch heikel war. Almaraz liefert netto rund 2.017 Megawatt und deckt damit mehr als sieben Prozent des spanischen Stromverbrauchs. Rund 4.000 Menschen arbeiten direkt oder indirekt für die Anlage.
Für Extremadura, eine der wirtschaftlich schwächeren Regionen des Landes, wäre die Abschaltung ein harter Schlag gewesen. Technisch war der Weiterbetrieb ohnehin nie das Problem: Die Atomaufsicht CSN hielt einen Betrieb bis 2030 bereits 2020 für machbar. Die Grenze zog die Politik, nicht die Physik.
Die Betreiber Iberdrola, Endesa und Naturgy beantragten im Oktober 2025 die Verlängerung. Im Juli 2026 bescheinigte die CSN der Anlage die Voraussetzungen für einen sicheren Weiterbetrieb.
Der Blackout, über den offiziell nicht gesprochen wird
Die Entscheidung fällt gut ein Jahr nach dem historischen Zusammenbruch der Stromversorgung auf der Iberischen Halbinsel. Am 28. April 2025 fiel in Spanien und Portugal nahezu flächendeckend der Strom aus. Der europäische Netzverbund ENTSO-E stufte das Ereignis später als schwersten Stromausfall Europas seit über 20 Jahren ein.
Die Untersuchung dokumentierte Probleme bei Spannungsregelung und Blindleistung, rasante Leistungseinbrüche und kaskadenartige Abschaltungen von Erzeugungsanlagen. ENTSO-E fordert seither robustere Betriebsverfahren – und dass Energiepolitik und Marktregeln zu den physikalischen Grenzen des Systems passen müssten.
Offiziell, so heißt es aus Madrid, sei der Blackout kein Grund für die Verlängerung. Beobachter sehen das anders: Der Stromausfall hat die spanische Atomdebatte schlagartig wiederbelebt.
Kernkraft verdrängt Gas – nicht die Erneuerbaren
Interessant ist die Rechnung der Regierung selbst. Die erneuerbare Erzeugung falle 2030 gegenüber dem bisherigen Klimaplan nur um rund 1,4 Prozent niedriger aus. Die Stromproduktion aus Gaskraftwerken dagegen sinke um etwa sieben Prozent.
Im Klartext: Der Reaktor ersetzt vor allem fossile Kraftwerke. Zusätzliche Kosten für Steuerzahler oder Vergünstigungen für die Betreiber seien nicht vorgesehen.
Offiziell hält Spanien am kompletten Atomausstieg bis 2035 fest. Nur: Almaraz war das erste Kraftwerk auf der Liste – und genau dieser Termin ist nun gefallen. Analysten erwarten bereits Diskussionen über weitere Verlängerungen.
Eine unbequeme Frage für Berlin
Während Madrid pragmatisch nachjustiert, hat Deutschland seine letzten Meiler 2023 abgeschaltet und die Anlagen dem Rückbau überlassen. Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der spanische Kurswechsel, wie schnell ideologisch gesetzte Ausstiegsdaten an der Realität zerbrechen, sobald Versorgungssicherheit und Strompreise unter Druck geraten.
Verlässliche Energie ist kein Detail, sondern das Fundament einer Industrienation. Wer dieses Fundament schwächt, riskiert Wohlstand – und wie bei jeder Form von Absicherung gilt: Wer erst reagiert, wenn das Licht ausgeht, reagiert zu spät.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Genannte Unternehmen sind keine Empfehlung. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.

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