
Sprachverfall bei Polizeibewerbern: Fast jeder fünfte scheitert am Deutschtest
Was einst als selbstverständlich galt, wird zunehmend zur unüberwindbaren Hürde: die Beherrschung der deutschen Sprache. In Bayern scheitern immer mehr Bewerber für den Polizeidienst bereits am Deutschtest des Auswahlverfahrens – ein Symptom, das tief blicken lässt und unbequeme Fragen über den Zustand unseres Bildungssystems und unserer Gesellschaft aufwirft.
Von neun auf achtzehn Prozent in nur fünf Jahren
Die Zahlen, die das bayerische Innenministerium auf Anfrage preisgab, sind alarmierend. Lag die Durchfallquote beim Sprachtest für die zweite Qualifikationsebene der bayerischen Polizei – also den früheren mittleren Dienst – im Jahr 2020 noch bei rund neun Prozent, so sei dieser Wert bis 2023 auf 15 Prozent gestiegen. Für das Jahr 2025 werde bereits eine Quote von 18 Prozent genannt. Das bedeutet: Nahezu jeder fünfte Bewerber ist nicht in der Lage, die sprachlichen Mindestanforderungen zu erfüllen, die für den Polizeivollzugsdienst vorausgesetzt werden. Wohlgemerkt: Wir sprechen hier nicht von einer Doktorarbeit in Germanistik, sondern von Lückendiktaten, Multiple-Choice-Aufgaben und grundlegenden Grammatikübungen.
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Wer sich bei der bayerischen Polizei bewirbt, benötigt in der Regel einen Hauptschulabschluss mit abgeschlossener Berufsausbildung. Das heißt, diese Menschen haben das deutsche Schulsystem durchlaufen, einen Abschluss erworben – und können dennoch nicht ausreichend Deutsch, um einen Polizeibericht zu verfassen oder eine Zeugenaussage korrekt aufzunehmen.
Berlin als abschreckendes Beispiel
So besorgniserregend die bayerischen Zahlen auch sein mögen – im Vergleich zur Hauptstadt wirkt der Freistaat noch geradezu vorbildlich. In Berlin scheiterten in den Jahren 2024 und 2025 sage und schreibe 39,3 Prozent der Teilnehmer am Deutschtest des Polizeibewerbungsverfahrens. Von 10.874 registrierten Bewerbungen seien 4.271 Bewerber wegen unzureichender Deutschkenntnisse abgelehnt worden. Fast vier von zehn Bewerbern können also nicht ausreichend Deutsch. In der Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland. Man könnte lachen, wenn es nicht so tragisch wäre.
Die Konsequenzen dieser Misere sind handfest und gefährlich. Für den Einstellungstermin 2025 hätten in Berlin von 1.224 geplanten Ausbildungsplätzen nur 936 besetzt werden können. Das sind fast 300 Polizisten, die der ohnehin schon personell ausgebluteten Berliner Polizei fehlen – in einer Stadt, die mit explodierender Kriminalität, Clan-Strukturen und einer zunehmend überforderten Justiz zu kämpfen hat. Die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik habe bereits von einem „ganz erheblichen Problem der Deutschkenntnisse" gesprochen, das unabhängig von der Nationalität der Bewerber auftrete.
Ein Bildungssystem, das seine Kernaufgabe verfehlt
Unabhängig von der Nationalität – diese Formulierung ist bemerkenswert diplomatisch. Denn natürlich stellt sich die Frage, woher dieser dramatische Sprachverfall rührt. Die Antwort ist unbequem, aber offensichtlich: Ein Bildungssystem, das seit Jahren mehr Wert auf Inklusion, Diversitätsprojekte und ideologische Erziehung legt als auf solide Grundkenntnisse in Lesen, Schreiben und Rechnen, produziert zwangsläufig Absolventen, die an elementaren Sprachprüfungen scheitern. Hinzu kommt eine Migrationspolitik, die über Jahre hinweg Hunderttausende Menschen ins Land geholt hat, ohne für eine adäquate sprachliche Integration zu sorgen.
Die bayerische Polizei selbst betone auf ihrem Karriereportal die Bedeutung sprachlicher Kompetenzen im Dienst. Es sei wichtig, sich schriftlich und mündlich präzise ausdrücken zu können, um Missverständnisse im Kontakt mit Bürgern und Behörden zu vermeiden. Eine Selbstverständlichkeit, möchte man meinen. Doch offenbar ist selbst diese Selbstverständlichkeit längst keine mehr.
Nordrhein-Westfalen als Lichtblick – oder Mogelpackung?
Interessanterweise zeige sich in Nordrhein-Westfalen ein anderes Bild. Dort sei die Durchfallquote beim Sprachtest in den vergangenen Jahren weitgehend stabil geblieben – von 10,6 Prozent im Jahr 2020 auf 9,8 Prozent im Jahr 2025. Ob dies an einem besseren Bildungsniveau liegt oder an niedrigeren Teststandards, darüber lässt sich trefflich spekulieren. In Niedersachsen und Baden-Württemberg würden hingegen gar keine gesonderten Durchfallquoten für Deutschtests erfasst. Was man nicht misst, kann einen schließlich auch nicht beunruhigen – eine Strategie, die in der deutschen Politik durchaus Tradition hat.
Die eigentliche Gefahr: Absenkung der Standards
Die größte Sorge, die diese Entwicklung hervorruft, ist nicht allein der Sprachverfall an sich. Es ist die naheliegende Versuchung der Politik, auf den Personalmangel bei der Polizei mit einer Absenkung der Anforderungen zu reagieren. Wer die Hürden senkt, statt die Bewerber zu befähigen, sie zu überspringen, gefährdet langfristig die Qualität und Professionalität der gesamten Polizeiarbeit. Ein Polizist, der keinen korrekten Bericht verfassen kann, ist vor Gericht ein Sicherheitsrisiko – für die Strafverfolgung ebenso wie für die Rechte der Bürger.
Deutschland leistet sich seit Jahren eine Politik, die traditionelle Bildungswerte systematisch entwertet. Rechtschreibung gilt als elitär, korrektes Deutsch als nebensächlich, solange die „Haltung" stimmt. Die Quittung dafür liegt nun schwarz auf weiß vor – in den Durchfallquoten bayerischer Polizeibewerber. Es wäre an der Zeit, dass die Verantwortlichen in den Kultusministerien und Innenressorts endlich die Konsequenzen ziehen. Nicht durch Absenkung der Standards, sondern durch eine Rückbesinnung auf das, was Schule eigentlich leisten sollte: jungen Menschen die Grundlagen beizubringen, die sie für ein erfolgreiches Berufsleben brauchen. Dazu gehört zuallererst die sichere Beherrschung der deutschen Sprache.

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