
Staatsehren für einen Völkermörder: Belgrads Bruch mit Brüssel

In Belgrad ist am Montag der wegen Völkermords verurteilte Ratko Mladić beigesetzt worden – mit militärischen und staatlichen Ehren. Tausende säumten die Wege, mehrere Minister erschienen persönlich. In Brüssel schrillen die Alarmglocken.
Der frühere Armeechef der bosnischen Serben war am 27. August im Alter von 84 Jahren in einem Gefängniskrankenhaus in Den Haag gestorben. Dort verbüßte er eine lebenslange Haftstrafe. Das Jugoslawien-Tribunal hatte ihn 2017 verurteilt, 2021 bestätigte die Berufungsinstanz das Urteil letztinstanzlich.
Srebrenica – das dunkelste Kapitel Nachkriegseuropas
Sein Name bleibt untrennbar mit dem Massaker von Srebrenica im Juli 1995 verbunden. Von ihm kommandierte Einheiten überrannten die UN-Schutzzone und töteten rund 8000 bosniakische Männer und Jungen. Sowohl das Kriegsverbrechertribunal als auch der Internationale Gerichtshof stuften die Tat als Genozid ein.
Umso verstörender wirkten die Bilder des Wochenendes: Beim Belgrader Derby zwischen Roter Stern und Partizan legten beide sonst verfeindeten Fankurven eine gemeinsame Schweigeminute ein und skandierten Mladićs Namen. Eine Choreografie zeigte sein Konterfei in den serbischen Nationalfarben – samt Verweis auf Potočari, jenen Ort nahe Srebrenica, an dem 1995 die Selektion der Opfer begann.
Brüssel sagt Besuche ab – und wirkt hilflos
Ein Sprecher des Europäischen Auswärtigen Dienstes erklärte, jede Verherrlichung von Kriegsverbrechern, jede Genozid-Leugnung und jeder Revisionismus widerspreche europäischen Grundwerten und habe weder in der EU noch in Beitrittskandidaten einen Platz. EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos sagte ihren für diese Woche geplanten Serbien-Besuch kurzerhand ab.
Präsident Aleksandar Vučić wies die Kritik zurück und ließ mitteilen, ein länger geplanter Empfang des usbekischen Präsidenten Schawkat Mirsijojew halte ihn ohnehin fern. An der Trauerfeier nahmen dem Bericht zufolge Justizminister Nenad Vujić, Kulturminister Nikola Selaković, Investitionsminister Darko Glišić, der russische Botschafter Alexander Bozan-Kartschenko sowie Vučićs ältester Sohn Danilo teil. Patriarch Porfirije führte durch den Gottesdienst.
Ein Beitrittsprozess, der seit Jahren nicht vom Fleck kommt
Serbien ist seit März 2012 offiziell Beitrittskandidat, verhandelt wird seit 2014. Von 35 Verhandlungskapiteln sind Angaben von Bildungsträgern zufolge bislang erst 22 eröffnet. Belgrad peilt offiziell 2030 an – realistisch wirkt das kaum noch.
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Vorgang vor allem eines: Die EU verteilt seit Jahren Kandidatenstatus und Fördergelder, ohne durchsetzen zu können, was sie einfordert. Wer Werte predigt, aber keine Konsequenzen zieht, verliert Glaubwürdigkeit – in Belgrad wie in den Mitgliedstaaten.
Serbien selbst ist gespalten. Die Belgrader Jugendinitiative für Menschenrechte zählte landesweit über 250 Mladić-Graffiti, verweist zugleich auf eine drei Jahre alte eigene Umfrage, wonach die Mehrheit junger Serben ihn gerade nicht als Vorbild sehe. Die Aktivistin Aida Ćorović kritisierte, man biete der Jugend „falsche Helden“, um von realen Problemen abzulenken.
Was das für Anleger bedeutet
Der Westbalkan bleibt Europas offene Flanke – zwischen Brüssel, Moskau und Peking. Geopolitische Bruchlinien dieser Art haben Gold historisch immer wieder Rückenwind gegeben, weil physische Edelmetalle keiner Regierung und keinem Vertrag unterworfen sind.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung der Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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