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27.08.2026
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Stasi-Offizier auf AfD-Liste: Opferbeauftragte fordern Rückzug

Stasi-Offizier auf AfD-Liste: Opferbeauftragte fordern Rückzug
Symbolbild: KI-generiert

Zehn Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sorgt ein Kandidat für Empörung: Frank-Ronald Bischoff (78) tritt für die AfD im Wahlkreis 16 in Wernigerode an – und war nach Unterlagen des Stasi-Unterlagen-Archivs zwölf Jahre lang hauptamtlicher Offizier des DDR-Staatssicherheitsdienstes. Über Listenplatz 33 gilt sein Einzug ins Parlament als sehr wahrscheinlich.

Zwölf Jahre im Dienst der Staatssicherheit

Von November 1977 bis Ende 1989 war Bischoff den Akten zufolge als „Offizier im besonderen Einsatz" tätig – ein verdeckter Posten. Sein Einsatzort: die Abteilung Inneres beim Rat des Kreises beziehungsweise der Stadt Halberstadt.

Dort hatte er Berichten zufolge mit Bürgern zu tun, die einen Ausreiseantrag gestellt hatten. Also mit Menschen, deren einziges Vergehen der Wunsch war, das Land verlassen zu dürfen.

Der Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Sachsen-Anhalt, Johannes Beleites, forderte die AfD gegenüber der „Bild" auf, Bischoff öffentlich zum Verzicht zu bewegen. Es sei „nur schwer erträglich", wenn ein früherer hauptamtlicher Stasi-Mitarbeiter künftig das Land im Landtag repräsentiere. Bischoff habe vielen Menschen schweren Schaden zugefügt, so Beleites – Ausreisewillige hätten ihren Arbeitsplatz verloren, seien überwacht, zersetzt oder inhaftiert worden.

„Treu und gewissenhaft" – ein Satz, der bis heute nachhallt

Neu ist der Fall nicht. Schon 2017, bei Bischoffs Bundestagskandidatur, wurde seine Vergangenheit öffentlich. Damals sagte er der „Bild", er kommentiere Fragen zur Stasi nicht – er habe seine Aufgaben „treu und gewissenhaft" nach Recht und Gesetz der DDR erfüllt.

Auf der Website des AfD-Landesverbandes taucht dieses Kapitel bis heute nicht auf. Aufgeführt werden Elektromonteur, Ingenieur, Diplomjurist, Unternehmensberater, Geschäftsführer. Eine Anfrage an den Kreisverband Harz blieb dem Bericht zufolge unbeantwortet.

Auch die Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur, Evelyn Zupke, äußerte scharfe Kritik. Sie vermisse bei Bischoff einen kritischen Umgang mit der eigenen Biografie und aufrichtiges Bedauern.

Er sei „Teil des Systems" gewesen, „das das Leben von Tausenden Bürgern zerstörte, die nichts anderes wollten als nur ihre Freiheit", sagte Zupke der „Bild".

Kein Einzelfall – und weitere Vorwürfe im Raum

Der DDR-Historiker Hubertus Knabe spricht von einem „Stasi-Problem der AfD". Er verweist auf Mandatsträger mit Verbindungen zum DDR-Sicherheitsapparat – etwa in Thüringen und Sachsen – und auf eine Brandenburger Überprüfungskommission, die bei fünf Abgeordneten eine frühere Stasi-Tätigkeit feststellte; vier davon aus der AfD. Eine verbindliche Unvereinbarkeitsregel oder Offenlegungspflicht gebe es in der Partei nicht.

Hinzu kommt: Nach Recherchen des MDR steht Bischoffs Nominierung im November 2025 unter dem Verdacht der Beeinflussung. Er soll einem Mitbewerber einen bezahlten Job angeboten haben – der habe abgelehnt und sei angetreten. Bischoff äußerte sich dazu nicht; es gilt die Unschuldsvermutung. Der Landesverband verwies auf den Kreisverband.

Warum das mehr ist als eine Personalie

Aus Sicht unserer Redaktion ist die Sache klar: Wer 40 Jahre Unrecht, Bespitzelung und Mauertote kleinredet, hat in einem deutschen Parlament nichts verloren – ganz gleich, welches Parteibuch er trägt. Die Aufarbeitung der SED-Diktatur ist kein Ritual für Gedenktage, sondern eine Bringschuld gegenüber den Opfern.

Gewählt wird am 6. September. Laut dem jüngsten Sachsen-Anhalt-Trend liegt die AfD klar vorn, die CDU fällt auf 22 Prozent zurück. Die Wähler entscheiden – gut informiert sollten sie dabei sein.

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