
Strategischer Bumerang: Wie Irans Hormus-Provokation die globale Energieordnung umkrempelt
Es geschehen Dinge in der Weltwirtschaft, die in Berlin offenbar niemand auf dem Radar hat – während die Bundesregierung sich mit Heizungsgesetzen, Genderdebatten und ideologischen Nebenkriegsschauplätzen beschäftigt, vollzieht sich an den entscheidenden Knotenpunkten der globalen Energieversorgung eine tektonische Verschiebung. Die jüngste Eskalation rund um die Straße von Hormus, jenes nadelöhrartige Seestück, durch das ein erheblicher Teil des weltweit gehandelten Rohöls fließt, hat eine Kettenreaktion ausgelöst, deren Folgen die internationale Rohstoffarchitektur auf Jahrzehnte hinaus prägen dürften.
Der historische Fehlgriff Teherans
James Thorne, Chefstratege beim kanadischen Vermögensverwalter WellingtonAltus, bringt es auf den Punkt: Indem das iranische Regime die Straße von Hormus zur Waffe gemacht und Schiffe mit Raketen attackiert habe, habe es einen strategischen Schnitzer historischen Ausmaßes begangen. Teheran wollte Amerika treffen – getroffen hat es jedoch jede Macht, deren Wohlstand auf importierter Energie und verletzlichen Seewegen beruht. China sei verwundbar, Europa sei verwundbar, Großbritannien sei verwundbar. Die naive Vorstellung, die Globalisierung habe die Geographie außer Kraft gesetzt, sei mit einem Schlag pulverisiert worden.
Die Parallele zu 2022 drängt sich auf: Damals hatte die Biden-Administration den US-Dollar als Waffe eingesetzt, Russland aus dem SWIFT-System geworfen – und damit ungewollt die größte Gold- und Bitcoin-Rallye der Geschichte losgetreten, weil der Rest der Welt seine Ersparnisse in Nicht-Dollar-Vermögenswerte umschichtete. Genauso wird die Welt nun den wichtigsten Öl-Engpass der Erde nie wieder mit denselben Augen sehen.
Japan macht den Anfang – und zeigt Berlin, wie es geht
Während deutsche Politiker noch immer glauben, man könne eine Industrienation mit Windrädchen und Wärmepumpen am Laufen halten, handelt Tokio mit kaltem Pragmatismus. Wie Nikkei Asia berichtet, hat Japan zusätzliche 20 Millionen Barrel Rohöl bei den Vereinigten Arabischen Emiraten geordert. Die Vereinbarung wurde am Dienstag finalisiert, nachdem Ryosei Akazawa, Japans Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie, in Abu Dhabi mit seinem emiratischen Amtskollegen zusammengetroffen war.
Japan verbraucht laut Wirtschaftsministerium rund 2,36 Millionen Barrel Rohöl pro Tag – die zusätzliche Lieferung deckt damit den Bedarf von etwa acht bis neun Tagen. Ein Tropfen auf den heißen Stein? Mitnichten – es ist erst der Anfang. Rund 40 Prozent der japanischen Rohölimporte stammen aus den Emiraten, und Japan wird das Öl im Hafen von Fudschaira an der Ostküste der VAE abholen, der direkt am Golf von Oman liegt – die Straße von Hormus wird damit elegant umgangen.
Die VAE verlassen die OPEC – das Kartell bröckelt
Bemerkenswert ist auch der Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus der OPEC, der am vergangenen Freitag vollzogen wurde. Das Land kündigte an, die Ölproduktion künftig nach eigenem Ermessen schrittweise zu steigern. Damit stellt sich das Emirat bewusst außerhalb der Kartelldisziplin und positioniert sich als verlässlicher Lieferant für jene Nationen, die nicht länger russisches Roulette mit ihrer Energieversorgung spielen wollen. Bereits im vergangenen Monat hatte Tokio einen Deal über eine Million Barrel Rohöl aus Mexiko geschlossen. Etwa 60 Prozent des in diesem Monat benötigten Öls könne Japan inzwischen über Wege beschaffen, die nicht durch die Straße von Hormus führen.
ADNOC investiert 55 Milliarden Dollar – Pipelines statt Tanker
Die staatliche Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) hat bereits am 3. Mai angekündigt, zwischen 2026 und 2028 Aufträge im Wert von 200 Milliarden Dirham – umgerechnet rund 55 Milliarden US-Dollar – zu vergeben. Omar Al Nuaimi, kommissarischer Konzernchef von ADNOC, erklärte gegenüber der emiratischen Nachrichtenagentur WAM, das Unternehmen trete in eine neue Phase beschleunigter Umsetzung im Weltmaßstab ein, um der steigenden globalen Energienachfrage gerecht zu werden.
Die Projekte umfassen die gesamte Wertschöpfungskette vom Upstream bis zum Downstream: Ausbau der Förderkapazitäten von Rohöl und Gas, tiefere Integration in nachgelagerte Bereiche sowie Lokalisierung kritischer Lieferketten, um globale Verwerfungen und Kostenrisiken zu mindern. Goldman Sachs sieht in der Ankündigung den ersten Anteil eines bereits zuvor kommunizierten 150-Milliarden-Dollar-Investitionsprogramms bis 2030 und erwartet positive Impulse für Tochterunternehmen wie ADNOC Drilling und ADNOC L&S.
Was bedeutet das für Deutschland?
Die deutsche Politik hat sich in eine energiepolitische Sackgasse manövriert, deren Tragweite den meisten Bürgern noch gar nicht bewusst ist. Während Japan handelt, Diversifizierung betreibt und sich mit chirurgischer Präzision von verwundbaren Lieferrouten unabhängig macht, ergeht sich Berlin in moralisierenden Debatten über die Klimaneutralität bis 2045 – inzwischen sogar im Grundgesetz verankert – und einem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen, das künftige Generationen mit Zinsen belasten wird, ohne auch nur ein einziges strukturelles Problem zu lösen.
Die alte Energieordnung, so prognostiziert Thorne, zerbreche. Bypass-Korridore, eine Wiederbelebung der Pipelinepolitik, dringende Planungen für Routen zwischen Aqaba und mediterranen Häfen sowie die seit Jahrzehnten auf Eis liegende Pipeline von Basra nach Aqaba – all das werde nun mit neuer Dringlichkeit vorangetrieben. Wer in dieser neuen Welt nicht über harte Ressourcenmacht verfüge oder zumindest verlässliche Lieferanten sichere, werde zum Spielball geopolitischer Kräfte.
Gold und Silber: Der stille Gewinner geopolitischer Verwerfungen
In Zeiten, in denen ganze Lieferketten neu sortiert werden müssen, in denen Kartelle zerbrechen und souveräne Staaten ihre Reserven von Dollar-Assets in physische Werte umschichten, zeigt sich einmal mehr, weshalb physische Edelmetalle seit Jahrtausenden als ultimativer Vermögensanker gelten. Wenn Tanker plötzlich nicht mehr fahren können, wenn Pipelines neu verlegt werden müssen, wenn Währungen als Waffen missbraucht werden – dann bleibt am Ende immer der greifbare, unmanipulierbare Wert von Gold und Silber. Eine kluge Beimischung physischer Edelmetalle in ein breit gestreutes Vermögen ist in diesen Zeiten keine spekulative Wette, sondern schlicht solides Risikomanagement.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die geäußerten Einschätzungen geben ausschließlich die Meinung unserer Redaktion auf Basis der vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist verpflichtet, vor einer Investitionsentscheidung eigenständig zu recherchieren beziehungsweise einen unabhängigen Finanzberater zu konsultieren. Eine Haftung für Anlageentscheidungen, die auf Grundlage dieses Artikels getroffen werden, ist ausgeschlossen.

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