
Südafrika dankt Putin: 17 Bürger aus ukrainischem Kriegsgebiet befreit – eine diplomatische Farce mit bitterem Beigeschmack
Was klingt wie der Plot eines zweitklassigen Spionagethrillers, ist bittere Realität: 17 südafrikanische Männer wurden offenbar unter Vorspiegelung falscher Tatsachen nach Russland gelockt, fanden sich plötzlich in den Schützengräben des Donbass wieder – und mussten nun durch diplomatische Intervention ihrer Regierung gerettet werden. Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa sprach seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin daraufhin seinen „herzlichen Dank" aus. Man reibt sich die Augen.
Rekrutierung unter falschen Versprechungen
Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatte eine Recherche von Reuters aufgedeckt, dass junge Südafrikaner systematisch für die russischen Streitkräfte angeworben wurden – allerdings nicht als Soldaten, sondern unter dem Deckmantel lukrativer Jobangebote. Hochbezahlte Positionen im Personenschutz, elitäre Ausbildungsprogramme – so lauteten die Versprechen. Die Realität sah freilich anders aus: Statt Karrierechancen warteten Schützengräben, Munitionstransporte und lebensgefährliche Logistikaufgaben unter Beschuss.
Die südafrikanische Regierung hatte im November erstmals bestätigt, dass sie Hilferufe von 17 Männern erhalten habe, die an der Front in der Ostukraine festsaßen. Manche von ihnen seien versehentlich Söldnergruppen beigetreten, nachdem sie in ihrer finanziellen Verzweiflung hastig Dokumente unterschrieben hätten, deren Tragweite sie nicht ansatzweise begriffen.
Diplomatisches Tauziehen mit Happy End?
Nun scheint die Angelegenheit zumindest oberflächlich gelöst. Vier der Männer sind bereits nach Südafrika zurückgekehrt, elf weitere sollen in Kürze folgen. Zwei befinden sich noch in Russland – einer wird in einem Moskauer Krankenhaus behandelt, der andere durchläuft letzte bürokratische Prozeduren vor der Ausreise.
Ramaphosa ließ über sein Präsidialamt verlauten:
„Präsident Ramaphosa hat Präsident Wladimir Putin seinen herzlichen Dank ausgesprochen, der positiv auf seinen Aufruf reagiert hat, den Prozess der Rückführung der Männer in ihre Heimat zu unterstützen."
Man muss sich diese Formulierung auf der Zunge zergehen lassen. Da bedankt sich ein Staatsoberhaupt bei einem anderen dafür, dass dieser Bürger zurückgibt, die unter dubiosen Umständen in dessen Kriegsmaschinerie geraten sind. Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Rekrutierung dauerten derweil an, hieß es lapidar.
Die Angst vor dem eigenen Verbündeten
Besonders erschütternd sind die Schilderungen der Angehörigen. Thulani Mahlangu, ein Sprecher der betroffenen Familien, erklärte gegenüber Sky News, die Männer hätten Todesangst gehabt – nicht vor ukrainischen Soldaten, sondern vor den eigenen russischen Kameraden. Wer desertieren wollte, dem drohte offenbar Schlimmstes. Ein Entkommen aus eigener Kraft sei schlicht unmöglich gewesen.
Die südafrikanische Regierung räumte zudem ein, dass auch Landsleute auf ukrainischer Seite kämpften. Dies werde jedoch als weniger problematisch betrachtet, da diese Männer sich bewusst und transparent als Freiwillige oder bezahlte Kämpfer gemeldet hätten – ein feiner, aber entscheidender Unterschied.
BRICS-Solidarität mit Rissen
Der Vorfall wirft ein grelles Schlaglicht auf die Spannungen innerhalb des BRICS-Bündnisses. Russland und Südafrika gelten als Verbündete in dieser Staatengruppe, die sich als Gegengewicht zum westlichen Einfluss versteht. Doch wenn ein BRICS-Partner die Bürger des anderen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in einen Krieg schickt, dann offenbart das die brüchige Fassade dieser vermeintlichen Allianz der Gleichgesinnten.
Der Ukraine-Krieg, der nun schon seit über drei Jahren tobt, zieht immer weitere Kreise. Er destabilisiert nicht nur Europa, sondern reicht mittlerweile bis auf den afrikanischen Kontinent. Dass verzweifelte junge Männer aus wirtschaftlich prekären Verhältnissen als Kanonenfutter missbraucht werden, ist dabei nur die jüngste und vielleicht zynischste Facette dieses Konflikts. Die „herzliche Dankbarkeit" Ramaphosas gegenüber Putin mag diplomatisch klug sein – moralisch hinterlässt sie einen äußerst schalen Nachgeschmack.
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