
Teheran schaltet um: „Voll offensiv“ – Weltmarkt hält den Atem an

Der Iran verlässt die Verteidigungslinie. Ein hoher iranischer Regierungsvertreter erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, das Land stelle seine Politik im Konflikt mit den USA von defensiv auf „voll offensiv“ um. Teheran setze Washington eine Frist von wenigen Wochen für die vollständige Umsetzung der Absichtserklärung vom Juni – danach seien alle iranischen Stellen bereit, die Lage in der Straße von Hormus und in der Region zu eskalieren.
Man werde nicht ewig zusehen, wie die amerikanische Seeblockade weiterlaufe, warnte der Vertreter laut dem Bericht. Bemerkenswert: Aktien und Anleihen reagierten, der Ölpreis blieb dagegen fast unbeeindruckt – offenbar hatte Teheran seinen Kurswechsel tagelang vorher angekündigt.
Frist verstrichen, Vertrauen zerstört
Am Montag lief das 60-Tage-Fenster des im Juni geschlossenen Memorandums aus. Irans Außenamtssprecher Esmaeil Baqaei nannte die Frist „irrelevant“, weil Gespräche nie begonnen hätten; er beschuldigte die USA, die Bedingungen gebrochen und damit jede Chance auf Verhandlungen über Atomprogramm und Sanktionen zerstört zu haben.
Zur Erinnerung: Seit den amerikanisch-israelischen Angriffen Ende Februar liegt die wichtigste Energieschlagader der Welt am Boden. Vor dem Krieg passierten Medienberichten und EIA-Daten zufolge rund 21,6 Millionen Barrel Öl täglich die Meerenge – im zweiten Quartal waren es nur noch 4,9 Millionen. Seit April blockieren die USA zusätzlich iranische Häfen.
Trump droht Oman – und dem Rest der Welt
Präsident Trump legte im Gespräch mit einem Fox-News-Reporter nach. Auf die parallelen Gespräche zwischen Iran und Oman über die Kontrolle der Meerenge angesprochen, kündigte er an, man werde Oman bombardieren, falls das Sultanat sich „in den Weg stelle“ – in derben Worten.
Der Hintergrund ist brisant: Oman und Iran sollen eine Hormus-Vereinbarung nahezu ausgehandelt haben, die Washington schlicht aussortiert. Beobachter lesen darin ein faktisches Zugeständnis der Kontrolle an Teheran – ein Hebel, der jeden Tanker der Welt betrifft.
Der Geheimkanal, den es angeblich nicht gibt
Trump behauptete zudem, es existiere ein Rückkanal zu den Revolutionsgarden. Ein Sprecher der IRGC nannte das gegenüber der Agentur Tasnim laut dem Bericht Wahnvorstellungen einer Niederlage; Gespräche gebe es nicht. Dem Bericht des Portals Axios zufolge hatten US-Unterhändler im Mai über Nechirvan Barzani, Präsident der Autonomieregion Kurdistan, Kontakt zur IRGC-Führung gesucht.
Kurz darauf schlugen nach Angaben von Masrour Barzani iranische Drohnen in Erbil ein – getroffen worden seien sein persönliches Büro und das Wohnhaus des Geheimdienstchefs. Verletzte gab es demnach nicht. Zufall? Die Botschaft dürfte angekommen sein.
Rechnung zahlt der deutsche Verbraucher
Trump forderte die „weiße Fahne der Kapitulation“, betonte gleichzeitig, er habe keinen Zeitplan und keine Eile. Die Iraner seien „gute Pokerspieler, aber sie sterben“, sagte er. Zum gemeldeten Munitionsmangel des Pentagons erklärte er, der Verbrauch gegen Iran sei „Peanuts“ – hochwertige Systeme habe sein Vorgänger Joe Biden an die Ukraine „verschenkt“.
Joey Hood, früher kommissarischer Leiter des Iran-Referats im US-Außenministerium, hält die Ziele laut dem Bericht für nicht erreicht: Die Regierung habe schlicht Glück gehabt, dass die Ölpreise nicht explodiert seien. Manche Schiffe passierten die Meerenge offenbar mit abgeschalteten Transpondern.
Für Deutschland ist das keine ferne Geschichte. Ein Land, das seine Kernkraft abgeschaltet hat und am LNG-Tropfen hängt, ist bei jedem Hormus-Beben Preisnehmer. Die Weltbank senkte ihre Wachstumsprognose für 2026 laut Berichten auf 2,5 Prozent und erwartet vier Prozent Inflation. Der Goldpreis notiert derweil über 4.400 Dollar – Anleger suchen Schutz, während Berlin über CO2-Preise diskutiert.
Hinweis: Dieser Beitrag ist journalistische Information und keine Anlageberatung. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst gründlich informieren.

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