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Kettner Edelmetalle
21.07.2026
05:47 Uhr

Trumps Zollhammer trifft Kanada: 50 Prozent Aufschlag und das Ende der Freihandels-Illusion

Der Handelskrieg zwischen den beiden nordamerikanischen Nachbarn hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Washington greift zum ganz großen Kaliber: Zusatzzölle in Höhe von satten 50 Prozent auf kanadische Waren. Was auf den ersten Blick wie eine willkürliche Machtdemonstration wirkt, ist in Wahrheit Teil einer knallharten Strategie, mit der US-Präsident Donald Trump seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus die internationale Handelsordnung Stück für Stück umschreibt.

30 Tage bis zum Preisschock

Die neuen Abgaben, die in 30 Tagen greifen sollen, betreffen laut Weißem Haus eine breite Palette an Gütern. Vom Hockeyschläger über Wein bis hin zu Zement – nichts scheint mehr sicher vor dem Zollstift des Präsidenten. Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer bezifferte das betroffene Importvolumen auf rund 20 Milliarden US-Dollar. Als Begründung führte er eine angeblich "diskriminierende Behandlung" amerikanischer Alkohol-, Automobil- und Molkereiprodukte durch die kanadische Regierung an. Ottawa wies diese Vorwürfe umgehend und entschieden zurück.

Ein Gesetz aus dem Jahr 1930 als Waffe

Bemerkenswert ist der juristische Kunstgriff, mit dem Trump seine Zollpolitik diesmal untermauert. Er bedient sich einer weitgehend in Vergessenheit geratenen Rechtsvorschrift aus dem Jahr 1930, die es amerikanischen Behörden erlaubt, gegen Länder vorzugehen, denen "diskriminierende" Handelspraktiken vorgeworfen werden. Wer die Wirtschaftsgeschichte kennt, dem läuft es bei diesem Datum kalt den Rücken herunter: 1930 war das Jahr des berüchtigten Smoot-Hawley-Zollgesetzes, das die Weltwirtschaftskrise seinerzeit dramatisch verschärfte. Ein historisches Echo, das nachdenklich stimmen sollte.

Der Freihandel als leere Hülle

Besonders brisant: Die neuen Zölle treffen auch jene Produkte, die eigentlich unter das USMCA-Freihandelsabkommen zwischen den USA, Mexiko und Kanada fallen. Dieses im Juli 2020 – noch in Trumps erster Amtszeit – geschlossene Abkommen sollte den Warenverkehr zollfrei halten. Bislang waren USMCA-Güter von Trumps Zollwelle verschont geblieben. Damit ist nun Schluss.

Was ist ein Freihandelsabkommen noch wert, wenn eine einzige Unterschrift genügt, um es faktisch außer Kraft zu setzen?

Diese Frage sollten sich auch die Verhandler in Brüssel stellen. Denn die Europäische Union steht auf derselben Liste jener rund 60 Handelspartner, denen Washington bereits mit neuen Abgaben gedroht hat. Wer glaubt, vertragliche Zusagen böten Schutz vor dem präsidialen Zugriff, der irrt gewaltig.

Rauch, Waldbrände und ein absurder Nebenschauplatz

Fast schon grotesk mutet ein zweiter Streitpunkt an. Trump machte kürzlich die durch kanadische Waldbrände verursachte Luftverschmutzung zum Zoll-Thema. Auf seiner Plattform Truth Social erklärte er, den USA entstünden durch den Rauch aus dem Nachbarland erhebliche Kosten, die man "zwangsläufig" den bestehenden Zöllen hinzurechnen müsse. Tatsächlich zogen Rauchschwaden über den Nordosten der Vereinigten Staaten, in Washington wurde zeitweise vor schlechter Luftqualität gewarnt, und sogar das WM-Finale in der Nähe von New York geriet in die Diskussion. Ob sich ein Waldbrand allerdings mit Strafzöllen löschen lässt, darf getrost bezweifelt werden.

Kanada gibt sich gesprächsbereit – vorerst

Der kanadische Premierminister Mark Carney signalisierte in einer ersten Reaktion Verhandlungsbereitschaft. Sein Land sei bereit, sich mit Nachdruck an Gesprächen zu beteiligen, um die offenen Streitpunkte zu klären, ließ er verlauten. Zugleich betonte er, man wolle die wirtschaftliche Stärke Kanadas gezielt ausbauen. Diplomatische Töne – doch der Handlungsspielraum des kleineren Partners gegenüber dem übermächtigen Nachbarn bleibt begrenzt.

Was bedeutet das für Deutschland und den Anleger?

Für den deutschen Bürger ist diese Entwicklung ein Warnsignal, das man nicht überhören sollte. Wenn selbst enge Verbündete und vertraglich abgesicherte Handelspartner über Nacht zur Zielscheibe werden, dann steht die gesamte exportorientierte deutsche Wirtschaft auf tönernen Füßen. Eine Bundesregierung, die sich lieber mit ideologischen Nebenkriegsschauplätzen beschäftigt, statt handfeste Antworten auf die Verwerfungen im Welthandel zu liefern, tut dem Standort Deutschland keinen Gefallen. Die Zeiten planbarer Globalisierung neigen sich dem Ende zu.

Gerade in einem solchen Umfeld voller Unwägbarkeiten, in dem Handelskriege, Inflation und politische Alleingänge die Märkte durcheinanderwirbeln, zeigt sich der zeitlose Wert physischer Edelmetalle. Gold und Silber kennen keine Zollschranken, keine gebrochenen Freihandelsversprechen und keine präsidialen Wutausbrüche via Social Media. Wer sein Vermögen krisenfest aufstellen möchte, tut gut daran, physisches Edelmetall als soliden Anker in ein breit gestreutes Portfolio zu integrieren.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er gibt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser ist verpflichtet, sich eigenständig zu informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Im Zweifel sollte ein unabhängiger Fach-, Rechts- oder Steuerberater hinzugezogen werden.

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