
Tschechiens letzte Steinkohlemine schließt: Das Ende einer 250-jährigen Ära

Ein Kapitel europäischer Industriegeschichte geht unwiderruflich zu Ende. Die letzte tschechische Tiefbau-Steinkohlemine CSM im Dorf Stonava nahe der polnischen Grenze wird Ende Januar ihre Pforten für immer schließen. Mehr als zweieinhalb Jahrhunderte Bergbautradition finden damit ihren Abschluss – eine Entwicklung, die symptomatisch für den industriellen Wandel in ganz Europa steht.
Der letzte Abstieg in die Tiefe
Noch rattern die Grubenbahnen durch die kilometertiefen Schächte, noch flackern die Helmlampen der Bergleute über stählerne Stützpfeiler, noch dröhnen die Schneidemaschinen durch das Gestein. Doch diese Geräusche werden bald verstummen. Die letzten Tonnen Steinkohle werden in diesen Tagen aus der Erde geholt, bevor die Maschinen endgültig zum Schweigen kommen.
Grzegorz Sobolewski, ein polnischer Bergmann, der in der Mine arbeitet, bringt die Stimmung auf den Punkt: Es sei traurig, dass der Schacht ende, harte Arbeit, aber gute Arbeit. Er erwägt nun, in Polen weiterzuarbeiten, wo noch Schächte in Betrieb sind. Die Schneidemaschine, die Kohle aus dem Flöz schneidet, werde ihm fehlen, gesteht er.
Wirtschaftliche Realitäten gegen romantische Verklärung
Die Schließung ist keine politische Entscheidung grüner Ideologen, sondern schlicht wirtschaftliche Notwendigkeit. Roman Sikora, Direktor des staatlichen Bergbauunternehmens OKD, erklärt die Situation nüchtern: Die globalen Kohlepreise seien niedrig, während die Förderkosten mit zunehmender Tiefe immer weiter stiegen. Die Tiefe, einst Garant für reiche Vorkommen, sei zur Achillesferse geworden.
Dabei hatte der Krieg in der Ukraine dem Bergwerk noch eine kurze Gnadenfrist verschafft. Als Russland 2022 seinen Angriffskrieg begann und die Energiemärkte explodierten, schien die Kohle plötzlich wieder gefragt. Doch diese Blüte war nur von kurzer Dauer.
Von der Blütezeit zum Niedergang
Die Geschichte des Bergbaus in der Region Ostrava reicht bis ins späte 18. Jahrhundert zurück. Was einst eine ländliche Ecke des Habsburgerreiches war, verwandelte sich in ein industrielles Zentrum. Investoren wie die Familie Rothschild finanzierten Eisenbahnen, Stahlwerke und die nötige Infrastruktur. Zehntausende Arbeiter strömten in die Region.
Nach der kommunistischen Verstaatlichung 1948 erlebte die Industrie einen weiteren Aufschwung. In den 1980er Jahren arbeiteten mehr als 100.000 Bergleute im Revier, OKD förderte bis zu 25 Millionen Tonnen jährlich. Doch nach 1989 brach diese Welt zusammen. Die kommunistische Schwerindustrie zerfiel, Zechen schlossen eine nach der anderen, Zehntausende verloren ihre Existenzgrundlage.
Die Region erfindet sich neu
Der Ökonom Jan Belardi von der Technischen Universität Ostrava betont, dass die härtesten Jahre bereits hinter der Region lägen. Die 1990er und frühen 2000er Jahre seien geprägt gewesen von Massenentlassungen und dem langsamen Aufbau neuer Industrien. Heute liegt die Arbeitslosigkeit bei 6,6 Prozent – noch über dem Landesdurchschnitt, aber weit entfernt von den Tiefpunkten der postkommunistischen Krise.
Der EU-Beitritt Tschechiens 2004 brachte ausländische Investoren in die Grenzregion zu Polen und der Slowakei. Der südkoreanische Automobilhersteller Hyundai etwa siedelte sich hier an. Die Region erhält zudem 19 Milliarden Kronen aus dem EU-Fonds für einen gerechten Übergang, um den Strukturwandel zu bewältigen.
„Wir haben ziemlich große Pläne mit OKD für die Zukunft", erklärt Direktor Sikora. Das Unternehmen wolle im Kohlehandel aktiv bleiben und neue Geschäftsfelder erschließen – darunter einen Batteriepark, ein Rechenzentrum und ein kleines Kraftwerk, das Methan aus den alten Schächten nutzt.
Ein europäisches Phänomen
Während Tschechien seine Steinkohleförderung beendet, beschäftigt der polnische Bergbau noch immer 70.000 Menschen. Gewerkschaften haben dort Zusagen erkämpft, den Abbau bis 2049 fortzusetzen. Im westlichen Tschechien wird der Tagebau von Braunkohle noch einige Jahre weitergehen.
Die Schließung der letzten tschechischen Steinkohlemine ist mehr als nur das Ende eines Wirtschaftszweiges. Sie markiert den Abschluss einer Epoche, in der Kohle das schwarze Gold war, das Europas industriellen Aufstieg befeuerte. Was bleibt, sind Erinnerungen, Umweltschäden wie verschmutzte Lagunen und abgesunkene Böden – und die Hoffnung auf einen erfolgreichen Neuanfang.
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