
Umarmung nur mit Zustimmung? Irland stoppt bizarres Oma-Opa-Video

Ein steuerfinanzierter Werbespot hat in Irland einen Proteststurm ausgelöst: Darin wird die Umarmung durch Großeltern als Frage der „Zustimmung“ dargestellt. Am Donnerstag zog Justizminister Jim O’Callaghan die Notbremse. Auf Betreiben seines Ministeriums verschwand das Video aus dem Netz.
Oma breitet die Arme aus – und dann kommt die Warnung
Die Szene ist alltäglich. Es klingelt, zwei Kinder öffnen die Tür, Oma und Opa sind zu Besuch. Der Junge fällt den beiden freudig um den Hals. Das Mädchen dagegen bleibt im Hintergrund, lächelt verlegen und wirkt wenig begeistert, als sich die Großeltern ihr zuwenden.
Dann erscheint die Botschaft: „Nicht jeder will eine Umarmung. Nicht einmal von den Menschen, die einen lieben.“ Und dazu: „Komisch? Vielleicht. Wichtig? Absolut.“
Pikant ist, wer hinter dem Spot steht. Er gehört zur Kampagne „We-Consent“ des Dublin Rape Crisis Centre (DRCC), einer Organisation, die sich mit sexueller Gewalt befasst. Gefördert wird das Projekt Medienberichten zufolge vom Justizministerium, vom Kinder- und Gleichstellungsministerium sowie von der staatlichen Agentur gegen häusliche, sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt. Ausgerechnet im Umfeld der Prävention sexueller Gewalt taucht also die Großmutter auf, die ihre Enkelin drücken will. Kritiker halten genau diese Verbindung für den eigentlichen Skandal.
Spott im Netz, Ärger in der Regierung
In den sozialen Medien hagelte es Kritik. Nutzer nannten das Video „finster“. Einer warf die Frage auf, warum irische Steuerzahler eine Kampagne bezahlen sollten, die ganz normale Großelternliebe verdächtig erscheinen lasse. Das sei Verschwendung öffentlicher Gelder. Laut irischen Medien griffen sogar die „New York Post“ und das Magazin „Hungarian Conservative“ den Fall auf.
Auch in der Regierungskoalition rumorte es. Gareth Scahill, Senator der mitregierenden Fine Gael, sprach in einer Mitteilung seiner Partei von einer völligen Verschwendung von Ressourcen. Mit beißender Ironie fragte er, ob man sich zu Weihnachten bald an den Flughäfen per Formular die Erlaubnis holen müsse, die eigene Familie zu begrüßen. Außerdem wollte er wissen, was der Spot gekostet habe. Viele Großeltern seien das Fundament moderner Familien und kümmerten sich täglich um die Enkel.
Minister: „Herabwürdigend gegenüber Großeltern“
Am Ende sah sich Minister O’Callaghan zum Eingreifen gezwungen, dessen Ressort die Kampagne mitfinanziert. Das Video gebe nicht die Haltung der Regierung wieder, erklärte der Fianna-Fáil-Politiker:
„Es war sowohl unangemessen als auch herabwürdigend gegenüber Großeltern und wurde vom DRCC nach dem Eingreifen eines meiner Mitarbeiter entfernt.“
Liebevolle Großeltern seien für ihre Enkel etwas sehr Wertvolles, so der Minister. Gegen sie solle man keine Kampagne führen. Zwar sei es unerlässlich, dass die Menschen das Prinzip der Einwilligung bei sexuellen Beziehungen verstünden. Dieses Video habe aber nicht zu diesem Ziel beigetragen und sei in vielerlei Hinsicht kontraproduktiv gewesen.
Das DRCC rudert zurück
Die Organisation nahm laut irischem Rundfunk gleich drei Videos aus dem Netz. Die Spots hätten auf der Idee beruht, dass man schon früh lernen solle, Grenzen zu achten, teilte das DRCC mit. Nun wolle man prüfen, ob sie die gewünschte positive Wirkung entfalteten. Nach dem Verständnis der Kampagne muss Zustimmung zu Nähe jedes Mal neu und freiwillig erteilt werden, verbal oder nonverbal.
Wenn der Staat ins Wohnzimmer regiert
Niemand bestreitet, dass Kinder Nein sagen dürfen. Das bringen Eltern ihnen seit Generationen bei, ganz ohne Staatskampagne. Heikel wird es, wenn mit Steuergeld ein Begriff aus dem Strafrecht über das Sexualleben auf den Familienbesuch am Sonntag übertragen wird. Viele Beobachter sehen darin ein Musterbeispiel dafür, wie staatlich geförderte Organisationen sich immer tiefer in private Lebensbereiche einmischen.
Das Thema dürfte auch deutschen Lesern bekannt vorkommen. Hierzulande wird seit Langem darüber gestritten, wie transparent die Förderung von Nichtregierungsorganisationen mit Steuergeld ist und wer dabei eigentlich kontrolliert, was am Ende produziert wird. Irland zeigt: Manchmal braucht es erst einen Aufschrei der Bürger, bevor die Politik merkt, was sie da eigentlich bezahlt.
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