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15.09.2026
16:22 Uhr
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Ungarn nach Orbán: Neue Regierung greift nach den Medien

Ungarn nach Orbán: Neue Regierung greift nach den Medien
Symbolbild: KI-generiert

In Budapest regiert seit dem Frühjahr Péter Magyar – und der neue Ministerpräsident räumt in der Medienlandschaft auf, die sein Vorgänger Viktor Orbán in 16 Jahren geformt hatte. Staatliche Werbegelder wurden gekappt, Redaktionen umgebaut, ein bekanntes konservatives Portal landete unter staatlicher Kontrolle und stellte seinen Betrieb ein. Der Umbau läuft in einem Tempo, das Beobachter staunen lässt.

Vom Fidesz-Mann zum Orbán-Bezwinger

Magyar war einst selbst Teil des Systems: hochrangiger Fidesz-Funktionär, heute dessen schärfster Gegner. Bei der Parlamentswahl im April 2026 gewann seine TISZA-Partei – und zwar Medienberichten zufolge mit einer verfassungsändernden Zweidrittelmehrheit.

Genau diese Mehrheit macht den Unterschied. Wo Polens Regierung nach dem Machtwechsel 2023 juristische Umwege gehen musste, um den öffentlichen Rundfunk neu aufzustellen, kann Magyar per Gesetz durchgreifen. Macht, die Orbán einst genauso nutzte.

476 Medienangebote unter einem Dach

Das Erbe, das Magyar abträgt, ist gewaltig. 2018 bündelten Unternehmer aus dem Umfeld der Fidesz ihre zuvor aufgekauften Zeitungen, Portale und Fernsehsender in der Stiftung KESMA – insgesamt rund 476 Medienangebote, geführt von Orbáns langjährigem Vertrauten Gábor Liszkay.

Formal war das Konstrukt privat, politisch war es eng mit der Regierungspartei verwoben – finanziert nicht zuletzt über staatliche Werbebudgets. Die neue Regierung drehte diesen Geldhahn zu. Die Folge laut Berichten: Stellenabbau, eingestellte Titel, zusammengestrichene Angebote.

Ein Satz, der aufhorchen lässt

Besonders heikel ist der Fall des konservativen Portals Mandiner. Es gehörte lange zu KESMA und wurde Anfang 2025 auf das Mathias Corvinus Collegium übertragen, dessen Trägerstiftung mit erheblichem Staatsvermögen ausgestattet war. Mit der Auflösung dieser Stiftungsstruktur fiel der Verlag an den Staat – die Regierung wurde damit selbst Herausgeber.

Bereits im Juni erklärte Magyar im Parlament dazu:

Wir werden bestimmen mĂĽssen, welche Inhalte dort erscheinen.

Auf Anweisung des Finanzministers wurde der Geschäftsführer und Online-Chefredakteur Gergő Kereki abberufen. Kurz darauf stellte Mandiner den redaktionellen Betrieb ein; die Seite ist inzwischen nur noch als Archiv erreichbar.

Schwarzer Bildschirm beim Staatsfunk

Auch der öffentlich-rechtliche Apparat wurde durchgeschüttelt. Am 7. Juli verschwanden die Nachrichten von M1, Kossuth Rádió und hirado.hu zunächst komplett vom Sender, eine von der Regierung eingesetzte Übergangsführung übernahm, zahlreiche Mitarbeiter mussten gehen. Erst am ungarischen Nationalfeiertag im August lief wieder eine Nachrichtensendung – ausgewogener als früher, wie unabhängige Beobachter berichteten.

Doch es gibt Kritik aus dem Haus selbst: Mehrere Mitarbeiter hätten erklärt, die Belegschaft sei im Kern dieselbe geblieben. Und als die Geschäftsführung Anfang September einen neuen Nachrichtenchef aus dem Orbán-nahen Umfeld installierte, wurde die Personalie nach Protesten – auch von Magyar – binnen eines Tages zurückgenommen. Für Kritiker war das ein Musterbeispiel staatlicher Einmischung.

Wo bleibt der Aufschrei aus BrĂĽssel?

Jahrelang war Orbáns Medienpolitik das Lieblingsthema europäischer Rechtsstaatsdebatten – zu Recht, wie viele Beobachter sagen. Nun aber übernimmt eine als proeuropäisch gefeierte Regierung ein Privatmedium, entlässt Chefredakteure und spricht offen davon, Inhalte bestimmen zu müssen.

Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall Ungarn vor allem eines: Ein Mediensystem, das am politischen Tropf hängt, bleibt auch nach dem Machtwechsel eine Beute. Wer Staatsgeld und Redaktionsmacht verknüpft, verlagert bei jeder Wahl nur die Kontrolle – und nie die Unabhängigkeit. Eine Lektion, die man auch in Deutschland aufmerksam lesen sollte.

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