
Uran aus Assads Erbe: Wie ein Geheimdepot Nahost fast zum Kippen brachte

Ein verstecktes Uranlager mitten in Syrien hat die Region nach Angaben israelischer und amerikanischer Regierungsvertreter monatelang an den Rand einer neuen Eskalation geführt. Nun soll die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) das Material abtransportieren. Vermittelt wurde der Deal Berichten zufolge von der US-Regierung – hinter verschlossenen Türen, über mehr als ein Jahr hinweg.
„Site 99“: Der Rest eines Programms, das offiziell nicht existierte
Im Zentrum steht eine Anlage mit dem Codenamen „Site 99“. Dort habe das gestürzte Regime von Baschar al-Assad Rückstände aus dem Al-Kibar-Reaktorprojekt gelagert, erklärten zwei israelische Regierungsvertreter gegenüber dem US-Portal Axios, das den Fall zuerst öffentlich machte.
Ein US-Vertreter bestätigte dem Bericht zufolge, dass sich darunter Yellowcake befinde – ein Uranerz-Konzentrat in Pulverform. Für eine Atombombe reiche die Menge nicht aus. Wohl aber, so die Einschätzung, für eine sogenannte schmutzige Bombe: eine konventionelle Sprengladung, die radioaktives Material in die Umgebung schleudert.
Israel hatte die Zugänge zur Al-Kibar-Anlage kurz nach dem Sturz Assads Ende 2024 bombardiert, um einen Zugriff zu verhindern. Seither habe der Geheimdienst den Standort überwacht.
Drohung mit dem Luftschlag – und ein Anruf aus Washington
Israel und die USA hätten laut Axios über ein Jahr lang über den Umgang mit dem Material verhandelt, eng eingebunden waren führende Vertreter des Weißen Hauses und des israelischen Regierungschefs. Die Botschaft aus Jerusalem sei unmissverständlich gewesen: Kein Nuklearmaterial auf syrischem Boden.
Man habe sogar mit einem erneuten Luftschlag gedroht, sollte das Material bleiben oder Damaskus danach greifen, zitiert der Bericht einen israelischen Vertreter. Ein US-Vertreter relativierte: Ein Angriff habe nie unmittelbar bevorgestanden.
Vor einigen Wochen registrierten israelische Aufklärer dem Bericht zufolge Bewegungen an der Anlage. Der Verdacht: Die neue Führung in Damaskus könnte versuchen, an das Uran zu kommen – womöglich mit türkischer Unterstützung. Washington habe daraufhin einen Alleingang verhindert und die IAEA eingeschaltet.
Damaskus will nichts gewusst haben
Die neue syrische Führung um Präsident Ahmed al-Sharaa habe selbst nicht gewusst, dass dort noch Nuklearmaterial lagere, sagte der US-Vertreter. Nur sehr wenige Menschen in den USA, Israel und Syrien hätten davon gewusst. Die Zusammenarbeit funktioniere insgesamt gut.
Vor drei Wochen unterzeichneten IAEA und syrische Regierung eine Räumungsvereinbarung. Die syrische Atombehörde bestätigte den Vorgang offiziell; Inspekteure sollen in den kommenden Tagen anreisen. Das Außenministerium in Damaskus nennt einen Zeitrahmen von bis zu drei Monaten. Weißes Haus, IAEA und das Büro des israelischen Regierungschefs äußerten sich nicht.
Eine Geschichte, die 2007 begann
Der Al-Kibar-Reaktor bei Deir Ezzor galt als Herzstück eines geheimen syrischen Nuklearprogramms, das mutmaßlich mit nordkoreanischer Hilfe entstand. Israelische Kampfjets zerstörten die Anlage im September 2007 – offiziell bestätigt wurde der Einsatz erst 2018. Die IAEA wies 2025 erneut Uranspuren in der Region nach; IAEA-Chef Rafael Grossi hatte im Juni 2025 mitgeteilt, Syrien gewähre Inspektoren Zugang.
Bemerkenswert bleibt: Fast zwei Jahrzehnte lang lagerte spaltbares Material offenbar unbemerkt in einem Land, das im Bürgerkrieg versank. Für viele Beobachter ist das eine unbequeme Lehre über die Grenzen internationaler Kontrollregime – und ein Erinnerungsposten dafür, wie dünn die Decke der Stabilität in dieser Region ist. Solche geopolitischen Bruchlinien schlagen erfahrungsgemäß auch auf Energiepreise und Edelmetallmärkte durch, wo physisches Gold seit Jahrhunderten als Krisenanker gilt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte sich eigenständig informieren.
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