
Vertrauen am Ende: Warum die Welt jetzt Gold statt Versprechen kauft

Regierungen, Statistiken, Handelspartner: Vertrauen ist knapp geworden. Josh Phair, Chef und Eigentümer der US-Prägeanstalt Scottsdale Mint, sagt, genau deshalb flüchteten Anleger, Unternehmen und Notenbanken ins Gold. In einem Interview mit der Branchenplattform MINING.COM Ende September 2026 nannte er das gelbe Metall einen Vermögenswert, der ohne jedes Vertrauen in Dritte auskommt.
Wenn niemand mehr den Zahlen glaubt
Phairs Befund fällt deutlich aus. Die Menschen misstrauten den offiziellen Daten jeder Regierung, egal welcher Nation. Und im Welthandel misstraue man sich gegenseitig. Deshalb griffen sie zu einem Vermögenswert, der kein Vertrauen voraussetzt. So etwas habe er noch nie erlebt, sagte der Unternehmer.
„They're going to a trustless asset and I don't think we've seen this before.“
Wer in Deutschland auf die Schuldenberge des 500-Milliarden-Sondervermögens schaut, versteht, was er meint. Wie viel ist ein Versprechen wert, wenn schon das Versprechen „keine neuen Schulden“ nicht lange gehalten hat? Gold braucht keinen Finanzminister, der es garantiert. Genau das macht es so attraktiv.
Notenbanken kaufen, als gäbe es kein Morgen
Laut Phair verändert sich gerade das Kaufverhalten. Sehr wohlhabende Anleger und sogar Firmen nähmen Gold in ihre Bilanzen auf und würden es danach als Sicherheit für Kredite nutzen. Den stärksten Schub sieht er aber bei den Zentralbanken. Die hätten bisher kaum Gold und strebten nun einen Anteil von 1 bis 3 Prozent an. Und wer schon 1 bis 3 Prozent halte, peile 5 bis 7 Prozent an.
Die offiziellen Zahlen stützen das. Nach Angaben der chinesischen Devisenbehörde kaufte die People's Bank of China im August 650.000 Unzen Gold dazu. Das ist der 22. Monat in Folge und damit die längste Kaufserie seit Beginn der Aufzeichnungen. Chinas offizieller Bestand liegt jetzt bei rund 2.387 Tonnen. Peking hat die Kurseinbrüche gezielt für Zukäufe genutzt.
Polen zeigt Europa, wie es geht
Ganz vorne dabei ist Polen. Die Nationalbank hatte ihr Ziel im September 2025 auf 30 Prozent Goldanteil an den Reserven angehoben. Laut Phair will Warschau sogar in den oberen Bereich der 30 Prozent kommen. Allein bis Juli 2026 hat die Notenbank nach eigenen Angaben 82 Tonnen gekauft, ihr Bestand liegt auf dem Rekordwert von rund 632 Tonnen. Und die Bundesbank? Sie lässt ihre Reserven weitgehend unverändert.
Achterbahnfahrt im Stundentakt
Ruhig geht es dabei nicht zu. Phair beobachtet eine wachsende Volatilität bei Gold und Silber. Früher habe sich das Metall jahrzehntelang kaum bewegt. Heute passiere so etwas in einer Stunde. Das Jahr 2026 bestätigt das: Laut Marktdaten stieg Gold Ende Januar auf ein Rekordhoch von fast 5.600 Dollar je Unze. Bis zum Sommer fiel der Preis um knapp 30 Prozent. Die großen Käufer blieben trotzdem am Markt.
Das Nadelöhr liegt in der Raffinerie
Beim Angebot sieht Phair ein Problem, das viele übersehen. Der Bergbau sei seit über 20 Jahren unterfinanziert, zu wenig entwickelt und zu wenig erkundet, trotz ordentlicher Einnahmen. Den größten Engpass sieht er heute in der Raffinierung. Deshalb verteilten sich die Investitionen zunehmend über den ganzen Globus.
Selbst in den USA sei Bergbau schwierig. Je nach Regierung würden Genehmigungen und Sicherheitsleistungen für die Renaturierung zur Hürde, die Verfahren könnten 10 bis 20 Jahre dauern. Die Branche weiche deshalb nach Südamerika und Afrika aus und handle sich dort geopolitische Risiken ein. Überregulierung verteuert also nicht nur Rohstoffe, sie verlagert auch die Förderung in unsichere Weltregionen. Das kennt man aus Europa zur Genüge.
Fazit: Die Profis haben längst entschieden
Notenbanken, Konzerne und Großvermögen kaufen weiter, selbst nach heftigen Kurseinbrüchen. Für Privatanleger kann das ein Signal sein: Physisches Gold und Silber eignen sich als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio und als Schutz vor Vertrauensverlust in Staaten und Währungen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und ist keine Anlageberatung. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich. Frühere Wertentwicklungen sagen nichts über künftige Erträge aus.
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