
Volksbank-Beben: 600 Millionen Euro für die Rettung einer Genossenschaftsbank?

Die Volksbank BRAWO aus Braunschweig und Wolfsburg ist zum Sanierungsfall geworden. Ihr langjähriger Vorstandschef Jürgen Brinkmann wurde bereits im Mai 2026 mit sofortiger Wirkung freigestellt. Nun rückt der gesamte deutsche Genossenschaftssektor in den Fokus — internationale Wirtschaftsmedien berichten über die Vorgänge, und Brancheninsidern zufolge könnte die Stützung zur teuersten Rettung seit Jahren werden.
Vom Regionalinstitut zum Beteiligungs-Dickicht
Anderthalb Jahrzehnte lang formte Brinkmann aus einer bodenständigen Regionalbank einen weitverzweigten Finanz-, Immobilien- und Beteiligungskonzern. Am Ende umfasste die Gruppe Berichten zufolge über 400 Tochtergesellschaften und Beteiligungen — darunter eine Fitnessstudio-Kette, Restaurants und eine inzwischen insolvente Brauerei.
Eine Genossenschaftsbank, die Bierbrauen und Gastronomie betreibt? Für ein Institut, dessen Kerngeschäft eigentlich Sparbücher und Mittelstandskredite sind, war das ein bemerkenswerter Kurs. Die Bilanzsumme lag zuletzt bei rund 6,4 Milliarden Euro, gut 54.000 Mitglieder gehören der Genossenschaft an.
Der Absturz: Prüfungsfall, fehlende Bilanz, Ermittlungen
Bereits im November 2025 stufte der Bundesverband der Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) das Haus Medienberichten zufolge als Problemfall ein. Ein testierter Konzernabschluss für 2024 fehlte selbst im März 2026 noch — die Bank verwies auf die bilanzielle Behandlung einer Beteiligung am Logistik-Factoring-Anbieter Jitpay, dessen Geschäftsbetrieb 2025 eingestellt wurde.
Im April 2026 berichtete das Handelsblatt zudem, die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittle wegen des Verdachts der Untreue gegen Brinkmann und ein weiteres Vorstandsmitglied. Die Bank wies die Vorwürfe zurück. Es gilt die Unschuldsvermutung.
„Deckungsmaßnahmen“ — das freundliche Wort für Rettung
Am 5. Mai zog der Aufsichtsrat die Reißleine. Offizieller Grund: unterschiedliche Auffassungen über die künftige Ausrichtung. Gleichzeitig kündigte der Vorstand an, vorsorglich einen Antrag auf Deckungsmaßnahmen bei der BVR-Sicherungseinrichtung zu stellen.
„Die Volksbank BRAWO erfüllt die erforderlichen harten Kapitalanforderungen (TSCR) sowie Liquiditätsanforderungen“, erklärte der interimistische Vorstandssprecher Lars Berkefeld. Auf Mitglieder, Kunden und Mitarbeitende habe der Schritt keine Auswirkungen.
Branchendienste berichten inzwischen, die Stützungssumme könnte sich auf rund 600 Millionen Euro belaufen — mehr als bei der Rettung der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden. Medienberichten zufolge mussten allein in den vergangenen zwei Jahren fünf Volksbanken mit etwa 1,5 Milliarden Euro aus dem gemeinsamen Sicherungstopf aufgefangen werden.
Aufräumen unter neuer Führung
Seit Mitte August führt Jürgen Wache, zuvor Chef der Hannoverschen Volksbank, das Institut. Mit Heiner Arnoldi holte man einen ausgewiesenen Sanierer in den Vorstand. Erste Beteiligungen werden abgestoßen, drei Restaurants gingen an den früheren Eigentümer zurück. Die Vertreterversammlung wurde derweil zweimal verschoben — zuletzt in den Herbst.
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall vor allem eines: Selbst im als grundsolide geltenden Genossenschaftssektor können Expansionsträume teuer werden — und am Ende zahlen alle angeschlossenen Institute mit, also mittelbar deren Mitglieder. Wer sein Vermögen breit absichern will, sollte deshalb nicht alles einem einzigen System anvertrauen. Physisches Gold und Silber sind seit Jahrhunderten das Gegenmodell zu Bilanzrisiken, Beteiligungsgeflechten und Rettungsfonds: Sachwerte ohne Gegenparteirisiko.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Empfehlungen zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren beziehungsweise fachkundigen Rat einholen.
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