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22.07.2026
05:27 Uhr

Von Putins Gasabhängigkeit in die nächste Umklammerung: Merz umgarnt den Autokraten von Baku

Von Putins Gasabhängigkeit in die nächste Umklammerung: Merz umgarnt den Autokraten von Baku

Man reibt sich die Augen. Da hat Deutschland jahrzehntelang alle Eier in den russischen Gaskorb gelegt, ist nach dem 24. Februar 2022 böse erwacht – und was ist die große strategische Lehre der neuen Bundesregierung? Statt endlich auf verlässliche Eigenversorgung und ideologiefreie Energiepolitik zu setzen, tauscht man einen autoritären Gaslieferanten einfach gegen den nächsten. Willkommen in Aserbaidschan.

Bei einem Treffen im Bundeskanzleramt haben Bundeskanzler Friedrich Merz und der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew eine „Gemeinsame Erklärung über die strategische Agenda der bilateralen Partnerschaft“ unterschrieben, dazu die Gründung eines deutsch-aserbaidschanischen Wirtschaftsrates. Klingt nach großer Diplomatie. Ist aber in Wahrheit das Eingeständnis eines historischen Versagens.

Vom Regen in die Traufe – energiepolitische Geisterfahrt

Merz lobte die Kaukasusrepublik als „eines der wenigen Länder in der Region mit einem Energieüberschuss“ und damit als „interessantes Partnerland“. Seit Anfang des Jahres fließt aserbaidschanisches Erdgas nach Deutschland, ein Zehnjahresvertrag sieht jährlich 1,5 Milliarden Kubikmeter vor. Eine Kleinigkeit im Vergleich zu dem, was einst durch Nord Stream strömte – aber immerhin der Beweis, dass Berlin weiter am Tropf fremder Mächte hängt.

Die eigentliche Ironie liegt woanders: Hätte Deutschland seine Kernkraftwerke nicht aus grün-ideologischem Furor abgeschaltet, hätte es die heimische Gasförderung nicht verteufelt und LNG-Infrastruktur nicht jahrelang blockiert, dann müsste unser Land heute nicht in Baku betteln gehen. Doch statt Souveränität wählt man die nächste Abhängigkeit.

Alijew stellt Bedingungen – und Berlin nickt

Der aserbaidschanische Präsident zeigte sich grundsätzlich bereit, mehr zu liefern – aber nicht ohne Gegenleistung. Auf der Pressekonferenz führte er aus, was Deutschland dafür zu tun habe.

„Wir können dieses Volumen erhöhen, aber dafür müssen mehrere Bedingungen erfüllt werden. Erstens muss eine entsprechende Anfrage an uns gestellt werden. Zweitens muss die bestehende Gasinfrastruktur ausgebaut werden. Und natürlich muss die Frage der Investitionen gelöst werden, denn europäische Banken wollen solche Projekte derzeit nicht finanzieren.“

Bemerkenswert ist dieser letzte Halbsatz. Europäische Banken zieren sich, fossile Projekte zu finanzieren – Ergebnis derselben grünen Umerziehung, die uns erst in die Bredouille gebracht hat. So blockiert sich der Kontinent selbst und liefert einem Autokraten die perfekte Steilvorlage.

Beim Erdöl gab sich Alijew noch selbstbewusster. Sein Land könne Deutschland bei Bedarf deutlich größere Mengen liefern, sowohl aus eigenen Quellen als auch über den Handelsbereich des Staatskonzerns SOCAR. „Hier gibt es keinerlei Probleme“, verkündete er. Im vergangenen Jahr habe Aserbaidschan rund 25 Milliarden Kubikmeter Erdgas exportiert, etwa die Hälfte davon in die EU.

Menschenrechte? Ein lästiges Detail

Und die vielbeschworenen westlichen Werte, die deutsche Politiker sonst bei jeder Gelegenheit wie eine Monstranz vor sich hertragen? Sie verstummen bemerkenswert schnell, wenn es um Gas geht. Kaukasus-Kenner werten die Vereinbarung als deutliches Zeichen, dass die Bundesregierung ihre energiepolitische Zusammenarbeit mit Baku trotz anhaltender Kritik an der Menschenrechtslage weiter ausbauen wolle.

Man stelle sich vor, ein anderes Land würde sich derart geschmeidig geben – der Aufschrei wäre gewaltig. Doch wenn der eigene Wohlstand auf dem Spiel steht, wird aus dem moralischen Zeigefinger plötzlich eine ausgestreckte Hand. Auch Bundespräsident Steinmeier empfing Alijew und bezeichnete Aserbaidschan als wichtigen Faktor der europäischen Energiesicherheit.

Ein neuer geopolitischer Spieler – auf unsere Kosten

Baku weiß um seinen gestiegenen Wert. Mit seiner Lage zwischen Europa und Asien und seiner Schlüsselrolle im sogenannten Mittleren Korridor – jener Handelsroute, die Russland umgeht – tritt Aserbaidschan zunehmend selbstbewusst auf. Das bilaterale Handelsvolumen erreichte 2025 rund 1,5 Milliarden US-Dollar. Ein Land, das sich längst nicht mehr als bloßer Rohstofflieferant versteht, sondern als geopolitischer Akteur – und Deutschland begibt sich freiwillig in dessen Abhängigkeit.

Die Lehre bleibt ungelernt

Was bleibt, ist ein bitteres Fazit. Deutschland hat aus dem Debakel mit Russland offenbar nichts gelernt. Statt echte energetische Unabhängigkeit anzustreben, wird nur der Absender der Rechnung ausgetauscht. Die Verwundbarkeit bleibt, die politische Erpressbarkeit ebenso. Und der deutsche Bürger zahlt am Ende die Zeche – über explodierende Energiepreise und eine Inflation, die durch die gigantischen neuen Schuldenberge der Merz-Regierung weiter angeheizt wird.

Wer sich in Zeiten solcher energiepolitischen und finanziellen Blindflüge nach Stabilität sehnt, dem sei ein Blick auf das gerichtet, was seit Jahrtausenden unabhängig von Pipelines, Bankenlaunen und politischen Kehrtwenden seinen Wert bewahrt: physische Edelmetalle wie Gold und Silber. Als solides Fundament eines breit gestreuten Vermögens sind sie eine sinnvolle Ergänzung – gerade dann, wenn die Politik einmal mehr beweist, dass auf sie kein Verlass ist.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion wieder und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren oder fachkundigen Rat einholen. Eine Haftung für getroffene Anlageentscheidungen wird ausdrücklich ausgeschlossen.

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