
Wahl-Beben in Washington: Gold springt über 4.100 Dollar!
Nach den US-Zwischenwahlen kontrollieren die Demokraten beide Kammern des Kongresses, und die Edelmetallmärkte haben das als Startsignal verstanden. Am Mittwoch, dem 4. November 2026, stieg Gold im New Yorker Handel um rund drei Prozent und zeitweise über 4.100 US-Dollar je Unze. Silber lag wieder über 52 Dollar, Platin und Palladium legten noch stärker zu.
Der Dollar wackelt, die Zinsen geben nach
Die Wahl selbst hat das Feuer nicht entfacht. Gezündet haben die Devisen- und Anleihemärkte. Während der Auszählung fiel der US-Dollar-Index auf ein Fünf-Wochen-Tief nahe 101,2 Punkten. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen gab um knapp fünf Basispunkte auf 4,902 Prozent nach.
An der Wall Street rechnet man jetzt mit einer Blockade. Ein demokratisch geführter Kongress könne die Steuersenkungen, die Zölle und die Deregulierung des Weißen Hauses ausbremsen, heißt es. Damit fiele ein wichtiger Grund für die Dollarstärke der vergangenen Wochen weg. Medienberichten zufolge werten viele Beobachter das Ergebnis als klare Abrechnung der Wähler mit Donald Trump.
Öl-Absturz als Brandbeschleuniger
Rückenwind kam auch vom Energiemarkt. Laut dem Bericht verlor US-Rohöl mehr als acht Prozent. Die Nordseesorte Brent schloss bei 94,62 Dollar je Barrel. Billigeres Öl drückt die Inflationserwartungen, und damit verliert die US-Notenbank Fed ein wichtiges Argument für dauerhaft hohe Zinsen. Davon profitieren Gold und Silber, die selbst keine Zinsen abwerfen, besonders stark.
Der Markt setzt also auf Entspannung bei den Zinsen. Das zeigte sich auch bei den Konjunkturdaten: Der ADP-Bericht meldete für Oktober solide 86.000 neue Stellen in der Privatwirtschaft. Unter 4.000 Dollar fiel Gold trotzdem nicht mehr.
Die Bilanz des Mittwochs im Überblick
- Gold: Vom Tagestief bei 3.919 Dollar stieg Spotgold auf 4.068,20 Dollar, später sogar über 4.100 Dollar. Der COMEX-Dezemberkontrakt legte um 3,37 Prozent auf 4.073 Dollar zu. Das war der größte Tagesgewinn seit Mitte August.
- Silber: Die Dezember-Futures stiegen um 5,08 Prozent auf 52,28 Dollar. Am Tiefpunkt hatte der Spotkurs noch bei 48,85 Dollar gelegen.
- Platin: plus 5,9 Prozent auf 1.496 Dollar. Experten zufolge verstärkten Eindeckungen von Leerverkaufspositionen den Anstieg.
- Palladium: Spitzenreiter mit rund 6,5 Prozent Plus auf etwa 995 Dollar.
Erleichterung, aber noch keine Entwarnung
Die Freude hat Grenzen. Gold liegt im Jahr 2026 immer noch sechs bis sieben Prozent im Minus. Am 28. Januar hatte es ein Rekordhoch von über 5.300 Dollar erreicht und war danach um mehr als 26 Prozent gefallen. Silber liegt auf Jahressicht rund 28 Prozent zurück. Das Gold-Silber-Verhältnis sank auf 77,81. Im Jahr 2011 lag es bei rund 50, Silber ist im Vergleich also weiterhin auffallend günstig.
Hamad Hussain, Ökonom bei Capital Economics, sieht in den wachsenden Sorgen um die US-Staatsfinanzen eine Stütze für den ganzen Metallsektor. Zugleich warnt er vor zu großen Erwartungen: Solange die Fed restriktiv bleibe, deckle das nachhaltige Kursgewinne.
Historische Lektion: Am Ende entscheidet der Dollar
Ein Blick auf frühere Zwischenwahlen zeigt: Welche Partei im Kongress die Mehrheit hat, war für den Goldpreis kaum entscheidend. Nach den Midterms 2010 verharrte Gold zunächst bei 1.358 Dollar. Erst das Anleihekaufprogramm der Fed (QE2) löste danach eine Rallye von 29 Prozent aus. 2014 stieg der Dollar-Index nach der Wahl auf ein Vierjahreshoch von 87,60 Punkten, und Gold fiel um zwei Prozent auf 1.144 Dollar.
Diesmal läuft es andersherum. Der Dollar war in den vergangenen Wochen von 95,55 auf 102,94 Punkte gestiegen. Genau an dieser charttechnischen Widerstandszone ist er jetzt abgeprallt.
Freitag wird zum Showdown
Schon morgen, am Freitag, dem 6. November, kommt der offizielle US-Arbeitsmarktbericht. Er dürfte maßgeblich mitbestimmen, wie die Fed als Nächstes bei den Zinsen vorgeht. Fällt der Dollar-Index unter die Unterstützung bei 101,25 Punkten und schließt die Woche unter 100, wäre aus charttechnischer Sicht der Weg für Gold frei. Bei Silber fordern viele Analysten einen Wochenschluss über dem alten Rekord von 49,83 Dollar aus dem Jahr 2011, damit der Ausbruch hält.
Der Wahlabend hat vor allem eines gezeigt: Schon eine politische Pattsituation reicht, um den Dollar ins Wanken zu bringen. Physisches Gold und Silber stehen dagegen nicht unter der Kontrolle von Wahlergebnissen oder Notenbanken. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen bleiben sie deshalb eine bewährte Absicherung.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Edelmetallen dar. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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