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27.02.2026
18:02 Uhr

Wasserstoff-Träume im Havelland geplatzt: Wenn der Staat plant, aber nicht zahlt

Wasserstoff-Träume im Havelland geplatzt: Wenn der Staat plant, aber nicht zahlt

Es ist eine Geschichte, wie sie in Deutschland mittlerweile fast schon zum Alltag gehört: Große Visionen, teure Studien, vollmundige Versprechen – und am Ende ein Aktenvermerk in der Schublade. Im brandenburgischen Landkreis Havelland hat Landrat Roger Lewandowski (CDU) das ambitionierte Zukunftsprojekt „H2VL-Wasserstoffregion Havelland" endgültig beerdigt. Der Grund? Weder Bund noch Land wollten die nötige Förderung bereitstellen. Ein Paradebeispiel dafür, wie die deutsche Energiepolitik zwischen Wunschdenken und Realität zerrieben wird.

400.000 Euro für eine Studie – und dann Funkstille

Das Projekt klang auf dem Papier vielversprechend. Der Kreistag hatte eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die stolze 400.000 Euro verschlang – finanziert mit Mitteln des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr. Man prüfte Einsatzpfade für Wasserstoff im öffentlichen Nahverkehr, in der Fernwärme und sogar bei Abfallsammelfahrzeugen. Im Osthavelland suchte man bereits nach Standorten für eine Wasserstoff-Tankstelle, in Ketzin/Havel und Premnitz waren Elektrolyseure geplant. Bis 2030 sollten zwischen 300 und 1.500 Tonnen grüner Wasserstoff pro Jahr produziert werden können.

Doch dann kam die ernüchternde Realität. Lewandowski berichtet, man habe ihm unmissverständlich signalisiert, dass Fördergelder ausschließlich für die Schwerindustrie vorgesehen seien. Kommunale Anwendungen? Fehlanzeige. Ein regionaler Wasserstoff-Kreislauf für Busse und Wärmeversorgung habe schlicht kein politisches Gewicht gehabt. So blieb dem Landkreis nichts anderes übrig, als das Vorhaben zu den Akten zu legen.

Die absurde Förderlogik des Bundes

Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Der Bund finanziert bereitwillig eine 400.000-Euro-Studie, die interessante Prognosen und konkrete Umsetzungspfade aufzeigt – nur um dann bei der eigentlichen Realisierung den Geldhahn zuzudrehen. Es ist, als würde man einem Architekten ein Traumhaus entwerfen lassen, um anschließend festzustellen, dass man sich nicht einmal das Fundament leisten kann. Oder besser gesagt: dass man das Geld lieber woanders ausgibt.

Landrat Lewandowski bringt seine Frustration deutlich zum Ausdruck. Er habe sich vorgestellt, die Busse im Westhavelland mit Wasserstoff zu betreiben und im Osthavelland auf Elektroantrieb zu setzen. Ein pragmatischer, regional angepasster Ansatz – genau das, was man von einer vernünftigen Kommunalpolitik erwarten würde. Doch die Berliner Förderbürokratie hatte andere Prioritäten.

Windkraft und Fernwärme: Das westliche Standbein bricht weg

Besonders bitter ist das Scheitern für das Westhavelland. Dort sollte überschüssiger Windstrom mittels Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt und gespeichert werden – eine Systemlösung, die gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen hätte. Die bei der Elektrolyse entstehende Abwärme hätte in ein Fernwärmenetz eingespeist werden können, was die Effizienz der gesamten Anlage erheblich verbessert hätte. Doch ohne investive Perspektive blieb auch die Standortsuche für die Windkraftanlagen stecken. Aus der Technikskizze wurde ein Aktenvermerk. Punkt.

Ein Symptom der deutschen Energiewende-Misere

Das Havelland steht mit seinem gescheiterten Wasserstoff-Projekt keineswegs allein. Auch Salzgitter hat sein Zukunftsprojekt für grünen Stahl auf Eis gelegt, und bundesweit kippen Wasserstoff-Vorhaben reihenweise, weil Anwender fehlen und Förderungen ausbleiben. Es offenbart sich ein fundamentales Problem der deutschen Energiepolitik: Man verkündet auf internationalen Klimagipfeln ambitionierte Ziele, lässt aber die Kommunen, die diese Ziele vor Ort umsetzen sollen, im Regen stehen.

Während Deutschland seine eigenen Wasserstoff-Projekte beerdigt, bringt China derweil 52 neue Kohlekraftwerke ans Netz – der größte Zubau seit einem Jahrzehnt. Man fragt sich unweigerlich, ob die deutsche Energiewende nicht längst zu einer teuren Selbstkasteiung verkommen ist, die dem Weltklima keinen messbaren Nutzen bringt, aber den eigenen Kommunen die finanzielle Luft abschnürt.

Kommunen am Limit – und Berlin schaut weg

Lewandowski verweist zu Recht auf die prekäre finanzielle Lage vieler Kommunen. Der Landkreis Havelland kann die ehrgeizigen Klimaziele schlicht nicht allein stemmen. Doch statt den Kommunen unter die Arme zu greifen, setzt die Bundespolitik andere Schwerpunkte. Das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen der neuen Bundesregierung unter Friedrich Merz klingt zwar gewaltig, doch ob davon tatsächlich etwas bei den Kommunen ankommt, die konkrete Projekte umsetzen wollen, darf bezweifelt werden. Die Erfahrung des Havellands lehrt jedenfalls das Gegenteil.

Der Kreistag hat zwar ein Klimaschutzkonzept verabschiedet und will die Treibhausgasemissionen weiterhin senken. Doch ohne Wasserstoff-Projekt muss der Kreis nun Alternativen suchen – und die Frage nach realistischen Etappenplänen rückt in den Vordergrund. Was bleibt, ist ein Netzwerk engagierter Akteure, die 2023 in Nauen zusammenkamen, ihre Expertise einbrachten und nun vor dem Nichts stehen. Zeit, Erwartungen und Vertrauen – alles investiert, nichts gewonnen.

Die unbequeme Wahrheit

Das Scheitern des Wasserstoff-Projekts im Havelland ist mehr als eine regionale Randnotiz. Es ist ein Symptom einer Politik, die seit Jahren große Transformationsversprechen macht, aber bei der konkreten Umsetzung versagt. Man gönnt sich teure Machbarkeitsstudien, Beraterhonorare und Abschlusskonferenzen – doch wenn es ans Eingemachte geht, fehlt das Geld. Oder der politische Wille. Oder beides.

In Zeiten, in denen die Bürger ohnehin unter steigenden Energiepreisen, wachsender Inflation und einer zunehmend maroden Infrastruktur ächzen, wirkt dieses Versagen besonders bitter. Die Wasserstoff-Region Havelland bleibt vorerst Geschichte. Und mit ihr stirbt ein weiteres Stück Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des deutschen Staates.

„Es ist auch ärgerlich, weil die Machbarkeitsstudie interessante Prognosen aufgezeigt hat", so Landrat Lewandowski. Ein Satz, der die ganze Tragik der deutschen Energiepolitik in einem einzigen Nebensatz zusammenfasst.

Vielleicht wäre es an der Zeit, dass die politisch Verantwortlichen in Berlin und Potsdam weniger über Visionen reden und stattdessen anfangen, die Grundlagen für deren Verwirklichung zu schaffen. Denn eines ist sicher: Mit Studien allein lässt sich kein einziger Bus betanken – und kein einziges Haus beheizen.

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