
Wenn der Staatsfunk zur Verschwörungstheorie greift: ARD-Mann sieht hinter Ceuta-Ansturm ein US-israelisches Komplott
Man reibt sich die Augen. Da stürmen bis zu 100.000 Menschen die spanische Exklave Ceuta, rund einhundert Menschen verlieren dabei ihr Leben, eine Stadt kollabiert unter der schieren Masse – und ein prominenter Journalist des öffentlich-rechtlichen Rundfunks findet die Erklärung nicht etwa in offenen Grenzen, versagender Sicherheitspolitik oder marokkanischem Kalkül, sondern in einem angeblichen Geflecht aus Washington, Jerusalem und Rabat. Willkommen im Jahr 2026, in dem die Grenze zwischen Qualitätsjournalismus und Wirtshaus-Spekulation offenbar ähnlich durchlässig geworden ist wie jene bei Ceuta.
Der frühere „Monitor“-Chef und sein Fund auf X
Georg Restle, bis vor wenigen Monaten Leiter des ARD-Magazins „Monitor“ und seit dem 1. Juni Chef des ARD-Studios in Nairobi, teilte auf der Plattform X einen Beitrag der linken US-Zeitschrift The Nation. Besonders hervorgehoben: der Schlusssatz. Der Ansturm auf Ceuta sei demnach weder eine echte humanitäre Krise noch Teil eines antikolonialen Kampfes gewesen, sondern Teil der Bemühungen eines wachsenden „US-Israeli-Moroccan nexus“. Ziel dieses angeblichen Dreierbundes: die spanische Regierung schwächen, Europa spalten, das Völkerrecht unterminieren.
Ein amerikanisch-israelisch-marokkanisches Geflecht als Drahtzieher einer Massenmigration – Belege dafür? Fehlanzeige.
Ein Politikprofessor, viel Andeutung, null Beweis
Verfasst wurde der Text von Stephen Zunes, Politikprofessor an der Universität von San Francisco. Er argumentiert, das marokkanische Regime habe den Ansturm gezielt eingesetzt, um den sozialistischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez unter Druck zu setzen. Für eine Absprache zwischen Rabat, Washington und Jerusalem liefert Zunes allerdings nichts als Indizienzauber: enge marokkanische Beziehungen zu den USA und Israel, Trumps Konflikt mit Sánchez, Spaniens israelkritischer Kurs. Aus dieser Gemengelage wird flugs eine konzertierte geopolitische Operation konstruiert. Wer so arbeitet, könnte auch aus einem gemeinsamen Kaffeekränzchen einen Geheimpakt destillieren.
Was tatsächlich belegt ist
Interessant ist, dass die reale Faktenlage keineswegs harmlos ist – sie ist nur eben nicht spektakulär genug für eine Weltverschwörung. Nach Berichten von Reuters, El País und Cadena SER kamen die spanischen Nachrichtendienste zu dem Schluss, dass Rabat den Ansturm nicht geplant habe. Sehr wohl aber hätten die marokkanischen Behörden die Menschen nicht aufgehalten, die Grenzkontrollen zeitweise faktisch eingestellt und die entstandene Krise anschließend politisch ausgeschlachtet. Migration als Druckmittel – ein Instrument, das man in Europa spätestens seit 2016 kennen sollte und dennoch stur ignoriert.
Hinzu kam eine Falschmeldung über ein Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs. In den sozialen Netzwerken kursierte die Behauptung, wer Ceuta schwimmend erreiche, könne nicht mehr abgeschoben werden. Tatsächlich hatte das Gericht lediglich unmittelbare Zurückweisungen ohne reguläres Verfahren untersagt. Doch Videos gelungener Grenzübertritte entfalteten eine Sogwirkung – der klassische Schneeballeffekt, der immer dann entsteht, wenn das Signal lautet: Es funktioniert.
Die eigentliche Frage, die niemand stellen will
Rund einhundert Tote. Zwischen 3.000 und 5.000 Migranten, die nach Angaben des Regierungschefs von Ceuta, Juan Jesús Vivas, weiterhin in der überlasteten Stadt ausharren. Das sind die Konsequenzen einer europäischen Grenzpolitik, die seit Jahren zwischen moralischer Selbstbeweihräucherung und operativer Hilflosigkeit pendelt. Statt darüber zu sprechen, wie ein Kontinent seine Außengrenzen wirksam schützt, wird in bestimmten Milieus lieber nach fernen Schuldigen gesucht. Am liebsten solchen, die ins eigene Weltbild passen.
Für den gebührenfinanzierten Rundfunk in Deutschland – finanziert vom Bürger, ob er will oder nicht – ist das ein Armutszeugnis. Wer Steuerzahler und Beitragszahler zur Kasse bittet, sollte zumindest den Unterschied zwischen belegter Recherche und ideologischer Deutung beherrschen. Es dürfte kaum überraschen, dass das Vertrauen in die etablierten Medienhäuser in Deutschland seit Jahren erodiert. Solche Episoden beschleunigen diesen Prozess.
Was das für Europa bedeutet
Ceuta ist kein spanisches Randthema, sondern ein Menetekel. Ein Nachbarstaat öffnet für einige Stunden das Ventil – und ein europäischer Grenzabschnitt bricht zusammen. Wer glaubt, dass sich Vergleichbares nicht an anderen Stellen des Kontinents wiederholen ließe, unterschätzt sowohl die geopolitische Erpressbarkeit Europas als auch die Entschlossenheit derer, die sie auszunutzen wissen. Deutschland, das seine Binnengrenzen jahrelang als Gesinnungsfrage behandelte, sollte hier besonders genau hinsehen.
Instabilität dieser Art bleibt selten ohne wirtschaftliche Folgen. Politische Erpressbarkeit, brüchige Bündnisse und ein Vertrauensverlust in staatliche Institutionen sind historisch stets Begleiterscheinungen von Währungs- und Vermögensrisiken gewesen. Wer sein Vermögen langfristig absichern möchte, tut gut daran, physische Edelmetalle wie Gold und Silber als stabilisierenden Baustein eines breit gestreuten Portfolios in Betracht zu ziehen – Sachwerte, die keiner politischen Erzählung bedürfen, um ihren Wert zu behalten.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und begründet keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten oder Sachwerten. Die dargestellten Einschätzungen geben ausschließlich die Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Eine Haftung für Vermögensschäden ist ausgeschlossen.

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