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09.06.2026
09:54 Uhr

Wenn Politik den Fußball kapert: Iran wird Tage vor der WM das Ticketkontingent entzogen

Wenn Politik den Fußball kapert: Iran wird Tage vor der WM das Ticketkontingent entzogen

Es sollte das größte Fußballfest aller Zeiten werden. Eine aufgeblähte Weltmeisterschaft mit mehr Spielen, mehr Mannschaften, mehr Pomp. Doch noch bevor am Donnerstag der erste Ball rollt, zeigt sich, wie tief die Politik längst ihre Finger in das vermeintlich neutrale Spiel auf dem Rasen gesteckt hat. Der iranische Fußballverband FFIRI erhob am Dienstag schwere Vorwürfe: Man habe dem Land das offiziell zugesicherte Ticketkontingent kurzerhand wieder entzogen – wenige Tage vor Turnierbeginn.

Fans im Regen stehen gelassen

Die Brisanz liegt im Detail. Zahlreiche iranische Anhänger hätten sich, so der Verband, auf den ordnungsgemäß angekündigten Verkaufsprozess verlassen und bereits Reisepläne geschmiedet. Flüge gebucht, Unterkünfte reserviert, Vorfreude aufgebaut. Und nun? Sollen sie vor verschlossenen Stadiontoren stehen.

Iranischen Anhängern den Zugang zu ihrem rechtmäßigen und offiziellen Ticketkontingent zu verwehren, widerspreche dem Geist internationaler Wettbewerbe und dem Grundsatz der Gleichheit unter den teilnehmenden Nationen, so der iranische Verband.

Jeder teilnehmende Verband erhält üblicherweise acht Prozent der Tickets jedes seiner Spiele, um sie nach eigenen Kriterien an die Fans zu verteilen. Ein etabliertes Verfahren, das bislang als selbstverständlich galt. Bis jetzt.

Ein Spiel, das längst kein Spiel mehr ist

Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um die offenkundige Frage zu stellen, die der iranische Verband selbst formuliert: Mischt sich hier Politik in das größte Sportereignis der Welt ein? Der FFIRI ließ offen, wer konkret hinter der Entscheidung steckt, appellierte aber unmissverständlich an die FIFA, sich an die "Prinzipien der Neutralität, Fairness und an die geltenden Regeln" zu halten.

Der Hintergrund ist explosiv. Seit die USA und Israel Ende Februar Luftangriffe auf die Islamische Republik flogen und damit einen regionalen Konflikt entfachten, steht die iranische Teilnahme unter keinem guten Stern. Der Verband musste das Basislager kurzerhand von Arizona nach Mexiko verlegen – aus Sorge, ob die Spieler überhaupt US-Visa erhalten würden.

Visa-Hängepartie als Vorgeschmack

Tatsächlich erhielten die Spieler ihre Einreisepapiere erst zehn Tage vor dem ersten Anpfiff. Mehrere Mitglieder des Betreuerstabs gingen leer aus. Ein US-Regierungsvertreter erklärte, man habe "die notwendigen Visa ausgestellt, damit der Iran an der WM teilnehmen kann". Welch großzügige Geste – wenn man bedenkt, dass es um ein Fußballturnier geht und nicht um eine diplomatische Gnadenfrist.

Die FIFA hüllte sich zunächst in Schweigen. Immerhin bemühte sich Generalsekretär Mattias Grafström um eine "positive Diskussion" mit dem iranischen Verbandspräsidenten und versprach weitere Zusammenarbeit. Schöne Worte, die jedoch die Tickets nicht in die Hände der Fans zurückbringen.

Wenn Werte zur leeren Hülle werden

Was bleibt, ist ein bitterer Beigeschmack. Der Fußball, der sich gern als völkerverbindende Kraft feiert, die über Grenzen und Konflikte hinweg eint, offenbart hier seine eigene Heuchelei. Wer von Gleichheit, Fairness und Neutralität predigt, sollte sich an diesen Maßstäben auch messen lassen. Stattdessen werden geopolitische Spannungen auf dem Rücken einfacher Fans ausgetragen, die nichts weiter wollten, als ihre Mannschaft anzufeuern.

Die kommende Weltmeisterschaft steht ohnehin schon wegen ihres gigantischen ökologischen Fußabdrucks in der Kritik – die erwarteten Emissionen sollen jene der WM in Katar 2022 mehr als verdoppeln. Doch während sich die Funktionäre über Klimabilanzen ergehen, zeigt der Fall Iran, dass die wahren Bruchlinien anderswo verlaufen: dort, wo Politik den Sport instrumentalisiert und Prinzipien nur so lange gelten, wie sie genehm sind.

Es bleibt abzuwarten, ob die FIFA Rückgrat zeigt oder ob sie sich, wie so oft, dem politischen Druck beugt. Eines aber steht fest: Ein Fest der Völkerverständigung sieht anders aus.

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