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Kettner Edelmetalle
07.09.2026
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Windkraft-Erbe: 75.000 Tonnen Rotorblatt-Müll pro Jahr

Windkraft-Erbe: 75.000 Tonnen Rotorblatt-Müll pro Jahr
Symbolbild: KI-generiert

Berlin. Deutschlands Windräder aus den Boomjahren nach 2000 erreichen reihenweise ihr Lebensende — und hinterlassen ein Problem, das niemand rechtzeitig gelöst hat. Nach Angaben der Bundesregierung fallen bis 2040 kumuliert zwischen 326.000 und 430.000 Tonnen Abfall aus reinen GFK-Rotorblättern an. In einzelnen Spitzenjahren können es bis zu 75.000 Tonnen sein.

Hinzu kommen laut den Zahlen bis zu 212.000 Tonnen aus Blättern, die Glas- und Carbonfasern enthalten. Genau diese älteren Verbundbauteile gelten als besonders sperrig in der Verwertung.

Warum ausgerechnet die Flügel zum Problem werden

Die gern zitierten hohen Recyclingquoten kompletter Windkraftanlagen verdecken den heikelsten Teil des Rückbaus. Stahl, Kupfer und Gusseisen lassen sich gut verwerten — die Branche verweist darauf, dass 80 bis 90 Prozent des Materials einer Anlage bereits heute im Kreislauf landen.

Die Rotorblätter aber bestehen aus Glas- oder Carbonfasern, die dauerhaft in duroplastischen Harzen eingebettet sind. Diese Matrix lässt sich nach dem Aushärten nicht wieder aufschmelzen. Was einmal verbacken ist, bleibt verbacken.

Das Fraunhofer IWES weist darauf hin, dass bestehende Faserverbundstoffe teilweise gar nicht recyclingfähig seien oder nur mit hohem Energieeinsatz behandelt werden könnten. Neue Ansätze mit lösbaren Harzen, Thermoplasten und modularen Blättern kommen für den Altbestand schlicht zu spät — und selbst für die neuen Harzsysteme existiert bislang kein etablierter Industrieprozess.

Schreddern und Verbrennen ist kein Kreislauf

Mechanisch zerkleinerte Blätter werden zu Flocken, Granulat oder Pulver — die wertvolle Faser überlebt das nicht in hochwertiger Form. Zementwerke nehmen das Material als Brennstoff und mineralischen Rohstoffersatz ab. Das verkleinert den Müllberg, erzeugt aber keine einzige neue gleichwertige Glasfaser. Eine einfache Deponierung ist in Deutschland weitgehend ausgeschlossen; in Europa gilt Medienberichten zufolge seit Anfang 2026 zudem ein freiwilliges Deponierungsverbot der Branche.

Wie teuer echtes Recycling ist, zeigt eine Untersuchung der University of Strathclyde an einer Pilotanlage mit 1.000 Kilogramm Blattmaterial pro Tag. Aus 365.000 Kilogramm Jahresinput entstehen rechnerisch rund 247.100 Kilogramm recycelte Glasfaser — zu Bruttokosten von etwa 5,30 Euro je Kilogramm. Neuware wird mit rund 1,98 Euro angesetzt. Auch die CO₂-Bilanz kippt: 2,24 Kilogramm CO₂ je Kilogramm Recyclingfaser gegenüber 1,90 Kilogramm bei Neufaser.

Der Rückbau läuft schon längst

Erst im industriellen Maßstab rechnet sich das Ganze. TNO geht von 40.000 bis 50.000 Tonnen Verbundmaterial pro Jahr aus, die eine Anlage verarbeiten müsste. Solche Mengen liefern Rotorblätter regional nicht verlässlich — Betreiber müssten Verbundabfälle anderer Branchen dazuholen.

Die Uhr tickt trotzdem: Seit 2020 wurden in Deutschland mehr als 2.300 zurückgebaute Onshore-Windräder registriert, allein 2024 waren es 627, bis November 2025 weitere 415. Das Fraunhofer IWES erwartet rund 90.000 zu verwertende Rotorblätter in den kommenden 20 Jahren. Eine vielzitierte Prognose nennt weltweit 43 Millionen Tonnen bis 2050.

Neue EU-Regeln greifen zu spät

Seit dem 30. Juni 2026 verlangen bestimmte öffentliche Beschaffungen in der EU mindestens 70 Prozent Recyclingfähigkeit — für neue Blätter. Rückwirkend gilt das nicht. Ausgerechnet die Altanlagen dominieren aber den Rückbau der nächsten Jahre.

Aus Sicht unserer Redaktion offenbart das ein Muster deutscher Energiepolitik: Erst wird ausgebaut und gefördert, die Entsorgungsfrage klärt man später. Wer zahlt am Ende? Vermutlich wieder der Steuer- und Stromzahler.

Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er spiegelt unsere Einschätzung auf Basis der uns vorliegenden Informationen. Jeder Leser ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.

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