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Windkraft-Flaute auf See: 23.000 Jobs an der Küste in Gefahr!

Windkraft-Flaute auf See: 23.000 Jobs an der Küste in Gefahr!
Symbolbild: KI-generiert

Der deutschen Offshore-Industrie gehen die Aufträge aus. Ende Oktober schlugen Unternehmen an der Nordseeküste Alarm: Ab 2028 drohten große Auftragslücken. Der Branchenverband BWO sieht bis zu 23.000 der rund 49.000 Arbeitsplätze in Gefahr. Die ersten Firmen bauen schon Stellen ab.

Große Ziele, leere Auftragsbücher

Auf dem Papier klingt alles nach Aufbruch. Bis 2045 will die Bundesregierung 70 Gigawatt Windleistung auf See installiert haben. Nur fehlt der Industrie, die diese Anlagen bauen soll, der Nachschub an Bestellungen.

Seit Juni 2025 ist keine Offshore-Ausschreibung mehr erfolgreich abgeschlossen worden. Medienberichten zufolge ging bei einer Auktion im August 2025 nicht ein einziges Gebot ein. Für Hersteller ist das bitter, denn Fundamente, Kabel und Konverterplattformen werden Jahre im Voraus bestellt. Wer heute keine Aufträge hat, steht morgen mit leeren Hallen da.

Ein Beispiel ist Steelwind Nordenham in Niedersachsen. Dort werden riesige Stahlfundamente für Windräder auf See gefertigt. Bis Ende 2027 sei das Werk vor allem durch Aufträge aus Großbritannien ausgelastet. Für die Zeit ab 2028 rechne Geschäftsführer Korbinian Ott aber mit einem deutlichen Einbruch. Deutsche Werke leben damit von britischen Projekten, während die Projekte im eigenen Land feststecken.

Rostock: Die ersten 100 Jobs sind weg

In Mecklenburg-Vorpommern ist die Krise schon da. EEW Special Pipe Constructions in Rostock beschäftigt rund 1.000 Menschen. Anfang Oktober kündigte das Unternehmen an, bis Jahresende etwa 100 Stellen zu streichen. Die Geschäftsführung erwarte zudem, dass die Auslastung bis einschließlich 2028 niedrig bleibe.

Dazu kommt Druck aus China. Chinesische Anbieter verkaufen Stahlfundamente zu sehr günstigen Preisen. Laut Berichten hilft ihnen dabei auch, wie bestimmte vorgefertigte Stahlprodukte beim Zoll eingestuft werden. Die heimischen Werke haben also zwei Probleme gleichzeitig: Es fehlen Aufträge, und die Konkurrenz aus Fernost wird stärker.

Teure Flächen, aber keine Windparks

Ein Grund für den Stillstand liegt im Jahr 2023. Damals sicherten sich die Ölkonzerne BP und TotalEnergies in Auktionen Meeresflächen für Windparks und verpflichteten sich zu Zahlungen in Milliardenhöhe. Seitdem sind Stahl und Kredite deutlich teurer geworden, und die Rechnung geht nicht mehr auf.

Zurückgeben können die Investoren die Flächen nach den geltenden Regeln aber nicht ohne Weiteres. Die Folge: Unrentable Projekte werden aufgeschoben, und andere Interessenten kommen nicht an die Flächen. Die Politik hat damit ein Verfahren geschaffen, das sich selbst blockiert. Kritiker sehen darin ein typisches Beispiel für Planung, die an der Wirklichkeit vorbeigeht.

Soll der Steuerzahler das Risiko tragen?

Der Bundesverband Windenergie Offshore fordert deshalb ein neues Ausschreibungssystem. Kern sind sogenannte zweiseitige Differenzverträge, auf Englisch Contracts for Difference. Das Prinzip: Liegt der Strompreis unter einem vereinbarten Referenzpreis, bekommt der Betreiber den Unterschied ausgeglichen. Liegt er darüber, muss er die Mehreinnahmen abgeben.

Für Investoren wäre das eine Absicherung. Für den Staat könnten daraus aber Zahlungspflichten über Jahrzehnte entstehen, die am Ende Bürger und Unternehmen bezahlen. Ob das fair ist, hängt davon ab, wie realistisch die vereinbarten Preise sind und wie offen die Risiken verteilt werden. Die Branche verlangt außerdem eine Lösung für Projekte, die schon vergeben, aber wirtschaftlich gefährdet sind. Im Bundestag wird derzeit über Änderungen am Windenergie-auf-See-Gesetz beraten.

Was auf dem Spiel steht

Wie groß der mögliche Schaden ist, zeigt eine im Oktober veröffentlichte Branchenstudie. Sie beschreibt ein Krisenszenario, keine bereits eingetretenen Verluste. Bleibt der Ausbau dauerhaft stecken, rechnet die Studie bis 2045 mit folgenden Folgen:

  • rund 21.000 Vollzeitstellen könnten wegfallen
  • etwa 92.000 zusätzliche Arbeitsplätze würden gar nicht erst entstehen
  • mehr als 550 Milliarden Euro Umsatz könnten insgesamt ausfallen

Besonders schwer wiegt: Ist ein spezialisiertes Werk einmal geschlossen, lässt es sich kaum wieder aufbauen. Fachkräfte wandern ab, das Wissen geht verloren. Am Ende könnte Deutschland seine Windparks mit Teilen aus Asien bauen. Das wäre eine neue Abhängigkeit, ausgerechnet bei einer Energiewende, die das Land unabhängiger machen sollte.

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