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24.07.2026
14:53 Uhr

ZDF gegen Bahn: Wenn der Staatsfunk und der Staatskonzern sich um die eigene Marodität streiten

ZDF gegen Bahn: Wenn der Staatsfunk und der Staatskonzern sich um die eigene Marodität streiten

Es ist ein Schauspiel, wie es sinnbildlicher kaum sein könnte für den Zustand dieses Landes: Da liefern sich zwei Institutionen, die beide aus dem Portemonnaie des deutschen Steuerzahlers alimentiert werden, einen öffentlichen Schlagabtausch. Auf der einen Seite das ZDF, das mit der Dokumentation „Am Puls mit Dunja Hayali – Unsere Bahn: geliebt, verflucht – gefährlich?“ ein vernichtendes Bild der Deutschen Bahn zeichnet. Auf der anderen Seite der Staatskonzern selbst, der die Reportage als „unseriös“ und „Zerrbild“ geißelt. Wer hat recht? Und ist das nicht am Ende gleichgültig, wenn ohnehin beide Seiten vom Bürger finanziert werden?

Marode Gleise, Uralttechnik, tödliche Unglücke

Der Film wagt einen Blick hinter die glänzende Fassade der viel beschworenen „Generalsanierung“ – und was er dort findet, ist alles andere als vorzeigbar. Ein ICE-Führer schildert die berüchtigten „Langsamfahrstellen“, an denen die Züge ausgebremst werden, weil die Substanz schlicht zu marode ist, um Tempo zuzulassen. Ein früherer Regionaldirektor bezeichnet die Sanierung des Korridors Berlin–Hamburg gar als „absurd“, weil dort angeblich über 50 Jahre alte Signaltechnik neu aufgestellt werde – „Uralttechnik“, die Lokführer weiterhin dazu zwinge, im Vorbeirauschen rote und grüne Lämpchen zu erkennen wie zu Kaisers Zeiten.

Besonders bitter wird es beim tödlichen Zugunglück von Burgrain im Juni 2022, bei dem fünf Menschen ihr Leben verloren. Ein internes Papier soll belegen, dass Reparaturen aus Geldmangel verschoben wurden – während Vorgesetzte Boni für das Erreichen von Pünktlichkeitszielen kassiert hätten. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: gespart am Gleis, kassiert an der Statistik.

Die Bahn schlägt zurück – mit „Kirschen und Kürbissen“

Der Konzern ließ die Kritik nicht auf sich sitzen. Die Reportage basiere „in weiten Teilen rein auf Behauptungen und Meinungen“, enthalte „methodische Fehler“. Am schärfsten fällt das Urteil beim Pünktlichkeitsvergleich mit Belgien aus, den die Bahn als „in hohem Maße unseriös“ bezeichnet – hier würden „Kirschen mit Kürbissen“ verglichen.

Die belgische Quote von rund 92 Prozent umfasse sämtliche Zugverkehre, während Belgien überwiegend Nahverkehr auf einem Fünftel des deutschen Netzes fahre. Im fairen Vergleich habe die Deutsche Bahn 2025 bei 88 Prozent gelegen – ein annähernd gleiches Niveau.

Und tatsächlich: In zwei Punkten musste das ZDF nachbessern. Die in einer Grafik angegebene Zahl der digitalen Stellwerke wurde von null auf drei korrigiert, beim Belgien-Vergleich wurde „Fernverkehr“ nachträglich in „Personenverkehr“ geändert. Peinlich für einen Sender, der sich stets auf seine „journalistisch sorgfältige Recherche“ beruft.

Wenn der Zuschauer die halbe Wahrheit erfährt

Bezeichnend ist der Vorwurf, der Film habe für Deutschland nur die desaströse Fernverkehrsquote von 60,1 Prozent genannt – die deutlich freundlicheren 88,7 Prozent im Regionalverkehr aber unter den Tisch fallen lassen. Man könnte sagen: Das ZDF hat hier ausgerechnet das getan, was es den anderen so gerne vorwirft – eine einseitige Erzählung.

Ein System, das sich selbst zerlegt

Doch bei aller berechtigten Kritik an handwerklichen Schludrigkeiten des Senders bleibt der eigentliche Skandal bestehen: Die Deutsche Bahn ist ein Sinnbild für das Versagen jahrzehntelanger politischer Verantwortungslosigkeit. Ein Staatskonzern, in den Milliarden fließen, dessen Züge dennoch zu spät kommen, dessen Technik teils aus der Nachkriegszeit stammt und bei dem Sicherheitsmängel Menschenleben gekostet haben. Kein privater Betrieb dieser Republik hätte sich einen solchen Dauerzustand leisten können, ohne längst vom Markt verschwunden zu sein.

Und nun das versprochene 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen der Großen Koalition, das angeblich die Infrastruktur retten soll. Man verzeihe die Skepsis: Wer glaubt ernsthaft, dass ein Apparat, der über Jahrzehnte kaputtgewirtschaftet wurde, sich durch neue Schuldenberge auf einmal in ein Musterunternehmen verwandelt? Die Rechnung zahlen am Ende – wie so oft – die kommenden Generationen über Steuern und Abgaben.

„Am Puls“ – oder am Ende der Glaubwürdigkeit?

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass die ZDF-Reihe für Ärger sorgt. Bereits im Mai stand eine Ausgabe über das Bürgergeld in der Kritik, damals warf man dem Sender einseitige und unsaubere Berichterstattung vor. Zwei Institutionen, die aus Zwangsbeiträgen und Steuergeldern leben, streiten sich um die Deutungshoheit über das eigene Versagen. Der Bürger schaut zu – und bezahlt gleich doppelt.

Was bleibt: Der Wert echter Substanz

Am Ende führt uns dieser Streit eine tiefere Wahrheit vor Augen. Ob marode Gleise, ausufernde Staatsschulden oder eine schleichende Geldentwertung durch inflationäre Ausgabenpolitik – auf die Versprechen von Staat und staatsnahen Konzernen ist immer weniger Verlass. Wer sein Vermögen langfristig schützen will, sollte sich nicht allein auf Papierwerte und Statistiken verlassen, die morgen schon „korrigiert“ werden müssen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben über Jahrhunderte bewiesen, dass sie ihren Wert bewahren – unabhängig davon, ob Züge pünktlich fahren oder Grafiken im Fernsehen stimmen. Als solide Beimischung eines breit gestreuten Vermögens bleiben sie ein Anker der Stabilität in unsicheren Zeiten.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig ausreichend zu recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die volle Verantwortung selbst.

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