
ZDF-Skandal um Danger Dan: Wenn der Zwangsfunk zur Bühne für linksextreme Gewaltfantasien werden soll

Es ist ein Lehrstück über den Zustand des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland: Acht Mitglieder des ZDF-Fernsehrates haben sich in einem offenen Brief gegen die eigene Senderleitung gestellt – und zwar nicht etwa, weil dort ein fragwürdiger Auftritt geplant war, sondern weil dieser in letzter Sekunde verhindert wurde. Man reibt sich verwundert die Augen. Denn worum ging es eigentlich?
Ein „Kabarett“-Auftritt, der keiner war
Zur 100. Ausgabe der ZDF-Sendung „Die Anstalt“ – die Redaktion taufte sie mit entlarvender Ehrlichkeit „Die AntifAnstalt 100“ – sollten der Musiker Danger Dan, mit bürgerlichem Namen Daniel Pongratz, und der Pianist Igor Levit auftreten. Auf dem Programm stand das erst in der Nacht zum Freitag veröffentlichte Lied „Keine Angst“. Kurz vor der Aufzeichnung zog die Intendanz die Reißleine und lud das Duo wieder aus. Ein seltener Moment der Vernunft in den Fluren des Mainzer Senders.
Wer sich den Liedtext ansieht, versteht, warum. Was hier als Kunst verkauft werden sollte, liest sich wie ein Handbuch zum Aufbau einer linksextremen Schlägertruppe. Zunächst wird zu „linker Straßenpolitik“ in Form von Vandalismus mit Graffiti und Stickern aufgerufen. Dann zum systematischen Ausspähen politischer Gegner: „Findet raus wer sie sind, was sie tun, wo sie leben, wo sie arbeiten.“ Ein „Antifaarchiv“ soll aufgebaut werden, missliebige Bürger sollen mit Namen und Adressen auf Flyern in ihren Wohnvierteln an den Pranger gestellt werden.
Wenn zum Prügeln aufgerufen wird
Der Höhepunkt dieser lyrischen Entgleisung ist ein unverhohlener Gewaltaufruf:
„Keine Angst, nehmt es selber in die Hand. Die seh'n gefährlich aus, aber wir legen sie lang. Koordiniert euch, fangt an zu trainieren.“
Am Ende grüßt Pongratz auch noch Mitglieder der teils strafrechtlich verurteilten linksextremen „Hammerbande“. Man stelle sich für einen Moment vor, ein Künstler hätte solche Zeilen gegen politisch links stehende Menschen verfasst – die mediale Empörungsmaschinerie hätte binnen Stunden Sondersendungen produziert. Doch bei linker Gewalt herrscht das übliche, betretene Schweigen.
Fernsehräte fordern eine Bühne für Gewaltrhetorik
Und genau diese Absage halten nun acht Mitglieder des Kontrollgremiums für einen „Fehler“. Man habe die Chance auf eine „Debatte über den erstarkenden Rechtsextremismus“ vertan, heißt es sinngemäß in dem Schreiben. Zu den Unterzeichnern gehöre unter anderem die frühere Bundesfamilienministerin Lisa Paus von den Grünen. Man werfe der Senderleitung fehlendes Vertrauen in die Redaktion vor – diese hätte den Text schon „kritisch eingeordnet“.
Wer diese Argumentation ernst nimmt, muss sich fragen: Glaubt hier tatsächlich jemand, die Redaktion der „Anstalt“ hätte einen Aufruf zur Selbstjustiz distanziert kommentiert? Die Vorstellung ist geradezu putzig.
Immerhin: Widerspruch aus dem eigenen Haus
Erfreulicherweise gibt es auch besonnene Stimmen. Die Vorsitzende des Fernsehrats, Gerda Hasselfeldt, widersprach den acht Unterzeichnern deutlich. Der offene Brief spiegele nicht die Mehrheitsmeinung wider. Die Entscheidung, das Lied nicht zu senden, halte sie für „richtig und konsequent“, da es als Aufruf zur Gewalt verstanden werden könne. Auch ZDF-Intendant Norbert Himmler verteidigte die inhaltliche Entscheidung, räumte allerdings ein, dass man sich die Kurzfristigkeit der Absage vorwerfen lassen müsse.
Pikant: Die Darstellung von Danger Dan und Levit, das Justiziariat habe den Text zunächst freigegeben, sei laut Himmler „schlicht falsch“. Man habe im Gegenteil frühzeitig davor gewarnt, das Lied unwidersprochen auf der Bühne aufzuführen.
Die eigentliche Debatte wird verweigert
Was dieser Vorgang schonungslos offenlegt, ist die schiefe Wahrnehmung in weiten Teilen des zwangsfinanzierten Rundfunks. Während sich acht Räte darum sorgen, einem selbsternannten Aktivisten mit Gewaltfantasien keine gebührenfinanzierte Bühne verweigert zu haben, verkommt die tatsächliche Bedrohung durch militanten Linksextremismus zum Randthema. Nicht der „erstarkende Rechtsextremismus“ ist das Problem, sondern eine gesellschaftliche Verschiebung, in der sich Linksextreme derart sicher fühlen, dass sie eine Distanzierung von Gewalt nicht mehr für nötig halten.
Pongratz ist dabei kein Neuling. Bereits 2021 rief er nach eigenem Bekunden in „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ zur Gewalt gegen konservative Politiker auf. Kunstfreiheit als Feigenblatt für die Verrohung des politischen Diskurses – ausgerechnet finanziert vom Beitragszahler, der Monat für Monat zur Kasse gebeten wird, ob er will oder nicht.
Dieser Fall ist mehr als ein Sturm im Wasserglas. Er zeigt, wie tief die Schieflage im öffentlich-rechtlichen Rundfunk mittlerweile reicht – und warum die Forderung nach einer grundlegenden Reform des Systems keineswegs von gestern ist. Es braucht wieder ein Bewusstsein dafür, dass Gewalt gegen Andersdenkende niemals „Kunst“ ist, egal von welcher Seite sie kommt. Diese Einschätzung teilt nicht nur unsere Redaktion, sondern ein wachsender Teil der Bürger, die sich fragen, wofür sie eigentlich zahlen.
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