
Zypern drängt in die NATO: Drohnenangriffe aus dem Libanon erschüttern die Mittelmeerinsel
Was noch vor wenigen Jahren als geopolitische Utopie gegolten hätte, rückt nun in greifbare Nähe: Zypern bereitet sich aktiv auf einen NATO-Beitritt vor. Auslöser dieser dramatischen Kehrtwende ist die eskalierende Sicherheitslage im östlichen Mittelmeer, wo die kleine Inselrepublik zunehmend zwischen die Fronten des Nahost-Konflikts gerät. Präsident Nikos Christodoulides ließ keinen Zweifel an der Dringlichkeit: Wenn es möglich wäre, würde man sogar morgen einen Antrag einreichen, erklärte er dem griechischen Sender Skai.
Drohnen und Raketen über dem Mittelmeer
Die Realität hat Zypern mit brutaler Wucht eingeholt. Mehrere Angriffe trafen die Insel – nach Angaben des Präsidenten richteten sich diese bislang ausschließlich gegen die britischen Militärbasen auf zypriotischem Territorium. Die meisten Attacken seien aus dem Libanon erfolgt. Doch wer glaubt, damit sei die Gefahr gebannt, der irrt gewaltig. Auf die Frage nach einem möglichen ballistischen Angriff aus dem Iran antwortete Christodoulides mit entwaffnender Offenheit: Man könne im Zusammenhang mit ballistischen Raketen nichts ausschließen.
Eine bemerkenswerte Aussage, die das ganze Ausmaß der Bedrohungslage offenbart. Die britischen Streitkräfte befänden sich in erhöhter Alarmbereitschaft, iranische Raketen überquerten regelmäßig die östliche Mittelmeerregion auf ihrem Weg Richtung Israel. Zypern – bislang eher als Urlaubsparadies denn als Krisengebiet bekannt – wird zum unfreiwilligen Frontstaat.
Die türkische Blockade: Ein altbekanntes Hindernis
So entschlossen Nikosia auch auftreten mag – der Weg in die NATO bleibt steinig. Denn da wäre noch Ankara. Die Türkei, selbst NATO-Mitglied und seit 1974 Besatzungsmacht im Norden Zyperns, blockiert seit Jahrzehnten jeden Versuch der Inselrepublik, dem westlichen Verteidigungsbündnis beizutreten. Und da die NATO einstimmig über neue Mitglieder entscheidet, genügt ein einziges Veto. Man kennt dieses Spiel bereits von Schwedens langem und demütigendem Weg in die Allianz, als Erdoğan monatelang seine Zustimmung verweigerte.
Christodoulides gibt sich dennoch pragmatisch. Auf militärischer, operativer und administrativer Ebene werde bereits an den Voraussetzungen gearbeitet, damit Zypern handeln könne, sobald die politischen Bedingungen es zuließen. Eine kluge Strategie – denn geopolitische Fenster öffnen sich manchmal schneller, als man denkt.
Griechenland eilt zu Hilfe – ein historischer Moment
Was die aktuelle Krise besonders bemerkenswert macht, ist die militärische Reaktion Griechenlands. Athen entsandte F-16-Kampfflugzeuge und Fregatten nach Zypern – eine Entscheidung, die Christodoulides als eine der wichtigsten Entwicklungen in der Geschichte der Republik bezeichnete. Man habe in bestimmten Bereichen um Verstärkung gebeten, und die Reaktion sei sofort erfolgt. Die Abstimmung zwischen den Verteidigungsministerien beider Länder funktioniere reibungslos.
Parallel dazu verwies der zypriotische Präsident auf Artikel 42 Absatz 7 des EU-Vertrags, der eine Beistandspflicht im Falle eines Angriffs auf einen Mitgliedstaat vorsieht. Es sei das erste Mal, dass er eine solche Reaktion und Zusammenarbeit seitens der Europäischen Union erlebe. Zypern, das derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat, musste aufgrund der Sicherheitslage bereits geplante EU-Treffen auf der Insel verschieben – ein beispielloser Vorgang.
Europa muss endlich aufwachen
Die Ereignisse auf Zypern sollten auch in Berlin als Weckruf verstanden werden. Während die neue Große Koalition unter Friedrich Merz ein 500-Milliarden-Sondervermögen für Infrastruktur auf den Weg bringt, stellt sich die drängende Frage: Wie viel davon fließt tatsächlich in die Verteidigungsfähigkeit Europas? Die Zeiten, in denen man sich hinter dem amerikanischen Schutzschild verstecken konnte, sind spätestens seit Trumps zweiter Amtszeit und seinen massiven Zollerhöhungen gegen die EU endgültig vorbei.
Zypern zeigt, wohin die Reise geht, wenn Konflikte eskalieren und man nicht vorbereitet ist. Eine kleine Insel im Mittelmeer, eingeklemmt zwischen türkischer Blockadepolitik und iranischen Raketen, kämpft um ihre Sicherheit – und Europa schaut zu. Dass Christodoulides nun offen über einen NATO-Beitritt spricht, ist nicht nur ein Hilferuf, sondern eine schallende Ohrfeige für all jene, die jahrzehntelang glaubten, Frieden in Europa sei ein Selbstläufer. Er ist es nicht. Er war es nie.
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