
16-Milliarden-Wette: Amazon setzt auf Deutschland – doch reicht der Strom?

Amazon will 2027 mehr als 16 Milliarden Euro in Deutschland investieren. Angekündigt hat der US-Konzern das Paket auf dem „Invest in Germany Summit“ in Berlin. Das Geld soll in Rechenzentren, künstliche Intelligenz, Logistik, Satelliteninternet und Filmproduktionen fließen. Für die Bundesregierung kommt die Nachricht wie gerufen. Ob der Standort Deutschland sie auch verdient, ist eine andere Frage.
Lob aus Seattle – und eine beeindruckende Bilanz
Gute Worte für Deutschland kamen von David Zapolsky, bei Amazon zuständig für Global Affairs und Recht. Er nannte die Bundesrepublik ein Zentrum der Innovation und einen der attraktivsten Investitionsstandorte Europas. Seit 2010 habe der Konzern hierzulande mehr als 100 Milliarden Euro investiert, sagte Zapolsky.
Der größte Brocken geht in die Cloud: 4,8 Milliarden Euro sind laut Konzernangaben für Amazon Web Services im Großraum Frankfurt am Main vorgesehen. Dort betreibt Amazon seine wichtigsten deutschen Rechenzentren. Zusätzliche Kapazitäten sollen vor allem den steigenden Bedarf an KI-Anwendungen decken. Außerdem eröffnet Amazon in Berlin gerade ein zweites Forschungslabor für Robotik und KI.
3.000 neue Jobs und ein Zentrum in Sachsen-Anhalt
Auch für den Arbeitsmarkt soll etwas abfallen. Mit dem Ausbau mehrerer Logistikzentren und einem Neubau im sachsen-anhaltinischen Könnern sollen mehr als 3.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Heute arbeiten nach Unternehmensangaben bereits über 40.000 Menschen an mehr als 100 deutschen Standorten für Amazon.
Gleichzeitig greift der Konzern nach den Sternen. Für sein Satellitennetz Amazon Leo habe man sich 24 Raketenstarts beim europäischen Anbieter Arianespace gesichert. Aus der niedrigen Erdumlaufbahn sollen private und öffentliche Kunden schnelles Internet bekommen, ganz ohne Kabel. In einem Land, in dem Funklöcher auf dem Dorf noch immer Alltag sind, ist das eine fast schon peinliche Erinnerung an jahrzehntelange Versäumnisse beim Netzausbau.
Fitzek fürs Streaming
Sogar die Unterhaltung bekommt einen Schub. Prime Video hat nach eigenen Angaben mehr als 65 Filme und Serien in Deutschland produziert, bis Ende 2027 sollen 15 weitere dazukommen. Verfilmt werden sollen unter anderem „Der erste letzte Tag“ von Sebastian Fitzek und „This Could Be Love“ von Lilly Lucas.
Merz' Gipfel: Große Zahlen, offene Fragen
Die Amazon-Zusage ist Teil einer größeren Inszenierung. Medienberichten zufolge meldete Kanzler Friedrich Merz auf dem Gipfel Investitionszusagen der Initiative „Made for Germany“ von insgesamt rund 800 Milliarden Euro. Vizekanzler Lars Klingbeil soll die anwesenden Manager ziemlich direkt um ihr Geld gebeten haben. Nur: Eine Zusage ist noch keine Investition. Wie berichtet wird, halten sich auch unter Investoren die Zweifel.
Der wunde Punkt ist bekannt. Rechenzentren und KI-Infrastruktur brauchen enorme Mengen an Strom, und zwar rund um die Uhr. Deutschland hat im April 2023 seine letzten Kernkraftwerke abgeschaltet. Die Strompreise für Unternehmen gehören zu den höchsten in Europa. In den USA dagegen werden Atomkraftwerke gebaut oder wieder hochgefahren, um Rechenzentren zu versorgen.
Unser Fazit: Ein Vertrauensvorschuss, kein Freispruch
Amazons Milliarden sind ein starkes Signal, und die Arbeitsplätze in Sachsen-Anhalt sind ein echter Gewinn für die Region. Sie sind aber kein Beleg dafür, dass Berlin seine Hausaufgaben gemacht hätte. Solange Energie teuer und unsicher bleibt und Genehmigungen sich über Jahre ziehen, bleibt jede Ankündigung eine Wette.
Ob Deutschland diese Wette gewinnt, zeigt sich nicht auf Gipfelbühnen. Es zeigt sich dann, wenn in Frankfurt, Berlin und Könnern die Server tatsächlich laufen.

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