
300.000 Euro fürs Volksbad: Badetag nur für Schwarze abgesagt

Berlin, Donnerstagabend: Die Volksbühne und der Verein „Each One Teach One“ (EOTO) sagen die für diesen Freitag geplante Schwimmaktion ab, bei der das Pop-up-Becken vor dem Theater sechs Stunden lang ausschließlich Schwarzen Kindern und Jugendlichen offenstehen sollte. Begründung: Sicherheitsbedenken. Das Becken bleibt zwischen 12 und 18 Uhr für alle geschlossen.
Vom Werbeversprechen „für alle“ zum Ausschluss
Seit dem 7. August steht vor der Volksbühne ein 25 Meter langes und 1,30 Meter tiefes Provisorium, beworben als kostenloses Angebot ohne Ausweis, offen für jedermann. Es ist das Prestigeprojekt des neuen Intendanten Matthias Lilienthal.
Dann tauchte im Programm für den 14. August ein Hinweis auf, das Bad sei in diesem Zeitfenster „exklusiv für schwarze Communitys“ geöffnet. Medienberichten zufolge wurde die Formulierung noch am selben Nachmittag entschärft: Das Bad sei für EOTO „reserviert“. Der Aufruhr war da längst nicht mehr einzufangen.
Nach eigenen Angaben Drohmails – Verein zieht die Reißleine
Der Verein erklärte, man habe seit Beginn der Debatte rassistische Droh-E-Mails, Gewaltandrohungen und diskriminierende Kommentare in sozialen Netzwerken erhalten. Die physische und psychische Sicherheit der Kinder und Jugendlichen sei deshalb „auch nicht durch Sicherheitskräfte und Polizei“ zu gewährleisten. Die Volksbühne sprach von rechter und rassistischer Hetze.
Drohungen gegen Kinder sind selbstverständlich inakzeptabel – daran gibt es nichts zu deuteln. Doch die Frage, warum ein steuerfinanziertes Becken überhaupt nach Hautfarbe sortiert wird, beantwortet die Absage nicht. Eine Ersatzveranstaltung soll es laut Intendant später geben.
Der Intendant beruft sich auf ein Landesgesetz
Lilienthal verteidigte das Konzept mehrfach. Man setze damit lediglich das Berliner Landesantidiskriminierungsgesetz um, das benachteiligten Gruppen geschützte Räume ermöglichen solle. Es gehe um „positive Maßnahmen für strukturell benachteiligte Menschen“, sagte er in einem Interview.
Kritiker sehen genau hier den Denkfehler: Wer Zugang zu öffentlichem Eigentum an Hautfarbe knüpft, sortiert Menschen nach genau jenem Merkmal, das er eigentlich bedeutungslos machen wollte. Der Berliner FDP-Spitzenkandidat Christoph Meyer erklärte, ein „Volksbad“, das nach Hautfarbe unterscheide, führe seinen eigenen Namen ad absurdum. Öffentliche Einrichtungen sollten Menschen zusammenführen, nicht trennen.
Rechnung für den Steuerzahler: 300.000 Euro – und kaputte Duschen
Besonders pikant ist die Kostenseite. Medienberichten zufolge schlägt die Aktion mit rund 300.000 Euro zu Buche: etwa 90.000 Euro für das Becken selbst, rund 210.000 Euro für Personal, Sicherheitsvorkehrungen und Sanitäranlagen. Maximal 50 Menschen dürfen gleichzeitig ins Wasser.
Und ausgerechnet dieses Bad, das die Volksbühne auch als Protest gegen die verfallende Infrastruktur der Hauptstadt versteht, war seit Dienstag geschlossen – die Duschen funktionierten nicht.
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Vorgang ein größeres Problem: Während in Berlin echte Schwimmbäder sanierungsbedürftig sind und Kinder aller Herkunft immer schlechter schwimmen lernen, fließen sechsstellige Summen in ein temporäres Becken samt identitätspolitischem Überbau. Sechs Stunden Symbolpolitik, ein bundesweiter Skandal, ein abgesagter Kindernachmittag.
Ein Bad für alle wäre die einfachere, billigere und ehrlichere Lösung gewesen. Man hätte nur die Duschen reparieren müssen.
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