
388 Millionen fĂĽr Finnland: EU kauft KI-Rechner beim Staatskonzern

Die EU-Supercomputer-Behörde EuroHPC hat den bislang größten Auftrag ihrer Geschichte an eine französische Staatsfirma vergeben. Für 387,8 Millionen Euro soll das Unternehmen Bull einen KI-Hochleistungsrechner im finnischen Kajaani bauen. Betriebsbereit sein soll die Maschine erst in der zweiten Jahreshälfte 2027.
Ein Staatskonzern, den es vor einem halben Jahr noch nicht gab
Bull ist keine gewöhnliche Firma. Es handelt sich um die herausgelöste Hochleistungsrechner-Sparte des angeschlagenen IT-Konzerns Atos. Berichten zufolge wurde der Verkauf an den französischen Staat Ende März abgeschlossen – bei einem Unternehmenswert von bis zu 404 Millionen Euro inklusive Erfolgsprämien.
Seither ist Paris alleiniger Eigentümer. Das Kalkül dahinter ist offenkundig strategisch: Das Geschäft setzte 2025 rund 700 Millionen Euro um, betreibt in Angers die einzige Supercomputer-Fabrik Europas und liefert laut Medienberichten auch die Rechner, mit denen Frankreich seine nukleare Abschreckung simuliert. Ein solches Unternehmen wollte die Regierung offensichtlich nicht in ausländische Hände geben.
Sechs Länder zahlen, ein Land bekommt die Maschine
Die Kosten teilen sich EuroHPC und ein Konsortium aus Finnland, Tschechien, Dänemark, Estland, Norwegen und Polen – jeweils zur Hälfte. Der Rechner steht auf finnischem Boden, nutzbar sein soll er für Forscher und Unternehmen aller beteiligten Staaten.
Technisch verspricht der Hersteller die zehnfache KI-Leistung des bisherigen LUMI-Systems und annähernd eine Verdopplung der klassischen Rechenkapazität. Kajaani punktet mit billigem, CO2-armem Strom und kaltem Klima – die Abwärme fließt ins örtliche Fernwärmenetz.
Souveränität mit amerikanischem Herzstück
Und hier wird es pikant. Denn das viel beschworene Ziel der „technologischen Souveränität“ endet dort, wo die eigentliche Rechenleistung beginnt: Die Beschleuniger und Prozessoren stammen vom US-Hersteller AMD. Europäisch sind vor allem die Verbindungstechnik, die Warmwasserkühlung, der Speicher von IBM und die Netzwerktechnik von Nokia.
Frankreich besitzt also den Hersteller, sechs Regierungen finanzieren die Anlage – doch das Kernstück kommt weiterhin aus Amerika. Ein teures Denkmal für eine Industriepolitik, die Abhängigkeit durch Subventionen ersetzen will, statt durch Wettbewerbsfähigkeit.
Die Dimensionen? Bescheiden
Es ist bereits der sechste Beschaffungsauftrag für sogenannte KI-Fabriken. EuroHPC hat nach eigenen Angaben rund 19 KI-Rechenzentren mit etwa einem Dutzend Supercomputern aufgebaut, darunter „Jupiter“ im Forschungszentrum Jülich. Der Infrastruktur-Chef der Behörde betonte, das Netz werde weiter wachsen, weil die Nachfrage das Angebot übersteige.
Zur Einordnung: Fast 388 Millionen Euro sind ein Bruchteil dessen, was ein einziger amerikanischer Hyperscaler in einen Rechenzentrums-Campus steckt. Das ambitionierte europäische „Gigafactory“-Programm mit 30 Milliarden Euro für sieben Großstandorte kämpft Berichten zufolge mit Verzögerungen.
Bleibt die Frage, die sich Steuerzahler stellen dürfen: Wer 2026 bestellt und 2027 liefert, hat im KI-Wettlauf womöglich schon zwei Generationen verpasst. Beobachter sehen darin ein Grundproblem europäischer Technologiepolitik – lange Verfahren, viele Beteiligte, späte Ergebnisse.
Was Anleger daraus mitnehmen können
Milliardenprogramme auf Pump, staatliche Champions, Wetten auf einen Boom, dessen Bewertungen manche Beobachter längst für überhitzt halten: Wer sein Vermögen breit aufstellt, kann physische Edelmetalle als Ergänzung erwägen – sie sind unabhängig von Förderzusagen, Haushaltsbeschlüssen und Technologiezyklen.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Anlageberatung und keine Kaufempfehlung dar. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte sich eigenständig informieren.
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