
40 Milliarden vom Golf: Emirates fliegt jetzt zum BER

Ein Staatsbesuch, der es in sich hat: Der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Mohammed bin Sajid al-Nahjan, wurde am Donnerstag in Berlin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Friedrich Merz empfangen. Im Gepäck: ein Investitionspaket über 40 Milliarden Euro. Im Gegenzug erhält der Golfstaat zusätzliche Verkehrsrechte – Emirates darf künftig täglich vom BER nach Dubai starten.
Rechenzentren mit einem Gigawatt Leistung
Aus der gemeinsamen Erklärung beider Regierungen geht hervor, dass ein erheblicher Teil des Geldes in neue Rechenzentren fließen soll – mit einer Gesamtleistung von rund einem Gigawatt. Das ist die Größenordnung eines Kernkraftwerks, umgesetzt in Serverfarmen.
Nur: Wann, wo und mit wem? Ein Zeitrahmen wurde zunächst nicht genannt, die beteiligten Unternehmen und die Standorte blieben offen. Absichtserklärungen sind noch keine Baugenehmigungen – und in Deutschland liegt zwischen beidem bekanntlich ein zäher Marsch durch Ämter und Einspruchsfristen.
Daneben wurden 29 Vereinbarungen zwischen deutschen und emiratischen Unternehmen im Gesamtwert von mehr als 9,356 Milliarden Euro geschlossen. Beteiligt sind unter anderem Covestro, RWE, der staatliche Energiekonzern Adnoc und das Ökostromunternehmen Masdar. Ein deutsch-emiratischer Investitionsrat soll künftig neue Projekte anschieben.
Der Preis für das Geld heißt Verkehrsrechte
Politisch brisanter als die Milliarden ist der Flugplan. Laut einer Mitteilung des Berliner Senats darf eine nationale Fluggesellschaft der Emirate einen fünften deutschen Flughafen anfliegen – und der Zuschlag geht an Berlin. Bisher bedient Emirates Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) zeigte sich erfreut und erklärte nach dem Treffen mit bin Sajid:
„Damit wird der Hauptstadtflughafen BER international noch besser angebunden“
Zwei wachsende Wirtschaftsregionen rückten damit enger zusammen, so Wegner. Der emiratische Präsident trug sich anschließend in das Goldene Buch Berlins ein.
Lufthansa, Bayern und Hessen liefen Sturm
Vorab hatten sich nach einem Bericht der Berliner Zeitung die Lufthansa sowie die Länder Bayern und Hessen gegen zusätzliche Verkehrsrechte gestellt. Sie befürchten Nachteile für die Drehkreuze Frankfurt und München – Umsteigepassagiere nach Asien könnten künftig über Dubai statt über Deutschland fliegen. Lufthansa und die europäische Pilotengewerkschaft ECA verweisen zudem auf unterschiedliche Wettbewerbs-, Sozial- und Umweltstandards.
Man muss die Interessenlage nicht teilen, um die Ironie zu sehen: Während deutsche Airlines über CO₂-Abgaben, Luftverkehrssteuer und Standortkosten klagen, öffnet Berlin einem staatlich getragenen Wettbewerber die Tür. Befürworter halten dagegen, Berlin und Stuttgart bräuchten endlich bessere Langstreckenanbindungen.
Warum der Golf für Berlin so wichtig geworden ist
Deutschland und die VAE pflegen seit 2004 eine strategische Partnerschaft. Mit einem bilateralen Handelsvolumen von 13,6 Milliarden Euro im Jahr 2025 ist der Golfstaat Deutschlands wichtigster Wirtschaftspartner der Region; rund 2000 deutsche Unternehmen sind dort nach emiratischen Angaben vertreten. Bereits investiert wurden etwa 34 Milliarden Euro – darunter die rund 15 Milliarden Euro schwere Übernahme des Leverkusener Kunststoffkonzerns Covestro durch die Adnoc-Tochter XRG.
Belastet werden die Beziehungen durch Kritik an der Menschenrechtslage und Vorwürfe, Abu Dhabi unterstütze die paramilitärischen RSF im Sudan. Die Emirate weisen dies zurück. Vereinbart wurden dennoch engere Kooperationen bei Energie, künstlicher Intelligenz, Verteidigung, Polizei, Umwelt und Landwirtschaft – inklusive der Prüfung sogenannter Datenbotschaften, bei denen Staatsdaten in geschützten Rechenzentren des Partnerlandes liegen würden.
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Besuch vor allem eines: Kapital kommt dorthin, wo Energie günstig und Bürokratie gering ist. Dass Deutschland ausländisches Geld inzwischen mit Verkehrsrechten bezahlen muss, ist ein Fingerzeig auf die eigene Standortschwäche.
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