
410 Millionen Dollar: Trumps stilles Netz der Drittstaat-Abschiebungen

Washington hat seit Januar 2025 mehr als 25.000 Migranten nicht in ihre Heimatländer, sondern in völlig fremde Drittstaaten ausgeflogen. Dafür stellte die US-Regierung 410 Millionen Dollar bereit. Das geht aus Recherchen des internationalen Journalistennetzwerks Forbidden Stories hervor, über die mehrere europäische Medien berichten.
Ein eigenes Büro für Remigration
Federführend ist dem Bericht zufolge ein im Mai 2025 gegründetes Büro für Remigration im US-Außenministerium. Bis Ende August seien mindestens 25.447 Menschen in Staaten abgeschoben worden, zu denen sie keinerlei persönliche Verbindung haben.
Rund 20.000 davon landeten demnach in Mexiko. Der Rest verteilt sich auf 27 Länder in Lateinamerika, Afrika und im Pazifikraum. Mit sieben weiteren Staaten sollen bereits Vereinbarungen bestehen.
Besonders bemerkenswert: Laut den Recherchen fragte Washington 49 der 54 afrikanischen Staaten an. Man muss kein Diplomat sein, um zu erkennen, welche Verhandlungsmacht dahintersteht — und wie klein der Spielraum für viele Regierungen ist.
Wenn Aufnahme zur Ware wird
Teilweise fließt Geld. Der pazifische Inselstaat Palau soll dem Bericht zufolge 75 Menschen aufnehmen und dafür 7,5 Millionen Dollar erhalten. Eswatini im südlichen Afrika sei eine Zahlung von 5 Millionen Dollar für insgesamt 160 Migranten zugesagt worden.
Von den 410 Millionen Dollar sind laut den zitierten Dokumenten 81 Millionen für Abkommen mit Regierungen vorgesehen. Über 178 Millionen sollen an die Internationale Organisation für Migration fließen, mehr als 123 Millionen an das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR.
Pikant daran: Organisationen, die jahrzehntelang als Anwälte von Flüchtlingen auftraten, erscheinen in dieser Rechnung als Dienstleister einer Abschiebe-Logistik. Menschenrechtsorganisationen kritisieren das Vorgehen scharf und warnen vor Abschiebungen in Staaten mit fragwürdiger Rechtslage.
Und Deutschland? Zahlen, die für sich sprechen
Während Washington im großen Stil Fakten schafft, sieht die Bilanz hierzulande anders aus. Nach Angaben der Bundesregierung wurden im ersten Halbjahr 2026 rund 9.663 Menschen aus Deutschland abgeschoben — etwa 18 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Im gesamten Jahr 2025 waren es Berichten zufolge 22.787 Personen.
Zugleich scheitern Tausende geplante Rückführungen schlicht daran, dass die Betroffenen zum Termin nicht auffindbar sind. Ein Vollzugsdefizit, das Kritiker der deutschen Migrationspolitik seit Jahren anprangern — bislang ohne durchschlagende Wirkung.
Zwei Rechtsstaaten, zwei Temperamente
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Vergleich vor allem eines: Es ist keine Frage des Könnens, sondern des politischen Willens. Die US-Regierung nutzt ihre außenpolitische Hebelkraft kompromisslos — mit allen rechtsstaatlichen Risiken, die Gerichte und Kritiker zu Recht benennen.
Berlin dagegen verhandelt, appelliert, kündigt an. Der Koalitionsvertrag der Regierung Merz verspricht eine härtere Gangart bei Rückführungen. Die Halbjahreszahlen lassen bislang wenig davon erkennen.
Ob das amerikanische Modell vor Gerichten Bestand hat, ist offen. Dass es weltweit Schule machen könnte, halten Beobachter jedoch für wahrscheinlich. Europa wird sich der Debatte über Drittstaatenlösungen kaum entziehen können — sie hat längst begonnen.
Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechtsberatung dar.
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