
Atompoker in Genf: Washington stellt Iran vor die ultimative Wahl – Abrüstung oder Krieg
Die diplomatischen Kulissen in Genf gleichen derzeit einem Pulverfass mit brennender Lunte. Mehr als drei Stunden verhandelten die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner am Donnerstag mit dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi über ein Atomabkommen – und die Forderungen, die Washington auf den Tisch legte, haben es in sich. Was sich dort abspielte, könnte die geopolitische Landkarte des Nahen Ostens für Jahrzehnte neu zeichnen.
Washingtons Maximalforderungen: Totale Kapitulation oder militärische Eskalation
Die amerikanische Verhandlungsposition liest sich wie ein Ultimatum, nicht wie ein Kompromissvorschlag. Die USA fordern demnach nichts Geringeres als die vollständige Zerstörung aller drei iranischen Nuklearanlagen – in Fordow, Natanz und Isfahan. Darüber hinaus soll Teheran sämtliches angereichertes Uran an die Vereinigten Staaten übergeben. Eine Nullanreicherung wird verlangt, lediglich der Teheraner Forschungsreaktor dürfe weiterbetrieben werden. Und als wäre das nicht genug: Das Abkommen soll unbefristet gelten – ohne jene Auslaufklauseln, die das unter Barack Obama ausgehandelte JCPOA enthielt und die Republikaner stets als fatale Schwäche kritisierten.
Im Gegenzug bietet Washington offenbar nur minimale Sanktionserleichterungen an, mit der vagen Aussicht auf weitere Lockerungen bei iranischem Wohlverhalten. Man muss kein Diplomat sein, um zu erkennen, dass diese Bedingungen für Teheran kaum akzeptabel sein dürften. Wenig überraschend sollen die Gespräche ins Stocken geraten sein, nachdem die amerikanische Seite auf der Nullanreicherung und der Überstellung des gesamten auf 60 Prozent angereicherten Urans nach Washington bestand.
Déjà-vu: Die gespenstischen Parallelen zum Irak 2003
Was nachdenklich stimmen sollte – und zwar zutiefst –, sind die frappierenden Parallelen zur Vorgeschichte des Irakkriegs. Vizepräsident J.D. Vance erklärte erst am Vortag, das Weiße Haus habe „Beweise gesehen", dass Iran versuche, eine Atomwaffe zu bauen. Diese Formulierung weckt Erinnerungen an Colin Powells berüchtigten Auftritt vor dem UN-Sicherheitsrat am 5. Februar 2003, als er mit angeblichen Beweisen für irakische Massenvernichtungswaffen wedelte. Beweise, die sich bekanntlich als Luftnummer erwiesen – mit verheerenden Konsequenzen für Hunderttausende Menschenleben.
Der ehemalige IAEA-Generaldirektor Mohamed ElBaradei warnte eindringlich vor einer Wiederholung dieser Tragödie. Alle Kriege, einschließlich sogenannter „Kriege der Wahl", hätten „entsetzliche Kosten", so ElBaradei. Die USA würden die Kriegstrommeln gegen Iran verstärken, ohne jegliche rechtliche Grundlage für einen Militärschlag und ohne belastbare Beweise einer unmittelbaren Bedrohung vorzulegen. „Das ist der Irak noch einmal … es scheint, wir lernen nie dazu", mahnte er.
Widersprüchliche Signale aus Washington
Besonders pikant: Die amerikanische Regierung verstrickt sich in offenkundige Widersprüche. Einerseits hatte Washington während der militärischen Eskalation im Juni wiederholt behauptet, Irans Nuklearanlagen seien „ausgelöscht" worden. Nun fordert man deren Zerstörung am Verhandlungstisch – was logischerweise voraussetzt, dass sie noch existieren. Außenminister Marco Rubio erklärte zudem, Iran reichere derzeit kein Uran an – was wiederum der Darstellung von US-Gesandtem Witkoff diametral widerspricht, der am Wochenende bei Fox News ein gänzlich anderes Bild des iranischen Atomprogramms zeichnete.
Welche Version stimmt nun? Diese Frage ist alles andere als akademisch. Sie entscheidet möglicherweise über Krieg und Frieden in einer Region, in der bereits jetzt Millionen Menschen unter den Folgen bewaffneter Konflikte leiden.
Trump zwischen Diplomatie und Drohgebärden
Präsident Trump selbst sendete in seiner jüngsten Rede zur Lage der Nation gemischte Signale. Er betonte zwar seine Präferenz für Diplomatie, lieferte aber gleichzeitig eine direkte Argumentation für einen Militärschlag – eine Option, die in der amerikanischen Bevölkerung nach wie vor zutiefst unpopulär ist. Die Botschaft, die Kushner und Witkoff nach ihrer Rückkehr aus Genf übermitteln, dürfte maßgeblich darüber entscheiden, ob Trump den Befehl zum Angriff gibt oder den diplomatischen Weg weiterverfolgt.
Der omanische Außenminister Badr al-Busaidi, der als Hauptvermittler zwischen den Parteien fungiert, gab sich nach den Donnerstagsgesprächen vorsichtig optimistisch. Man habe „kreative und positive Ideen" ausgetauscht und hoffe auf weitere Fortschritte. Die Verhandlungen sollen nach einer Pause fortgesetzt werden. Ob dieser diplomatische Optimismus mehr als Zweckoptimismus ist, bleibt abzuwarten.
Europa und Deutschland: Zuschauer im eigenen Hinterhof
Für Europa und insbesondere für Deutschland hätte ein militärischer Konflikt zwischen den USA und Iran katastrophale Folgen. Die Energiepreise würden explodieren, die ohnehin fragile Weltwirtschaft könnte in eine tiefe Rezession stürzen, und die Flüchtlingsströme aus der Region würden sich vervielfachen. Dass die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz zu diesem Thema auffällig still bleibt, ist bezeichnend für den außenpolitischen Bedeutungsverlust Deutschlands. Statt sich als ehrlicher Makler zu positionieren, wie es die Bundesrepublik in früheren Jahrzehnten durchaus vermochte, beschäftigt man sich in Berlin lieber mit dem 500-Milliarden-Schuldenpaket und der Verwaltung des eigenen wirtschaftlichen Niedergangs.
In Zeiten solch massiver geopolitischer Unsicherheit zeigt sich einmal mehr, warum physische Edelmetalle als Krisenwährung unverzichtbar sind. Gold und Silber haben in der Geschichte jeden Krieg, jede Währungskrise und jeden geopolitischen Umbruch überdauert. Wer sein Vermögen in Zeiten drohender Eskalationen schützen will, kommt an einer soliden Beimischung physischer Edelmetalle im Portfolio kaum vorbei.
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