
Aufstand im Mainzer Glashaus: ZDF-Mitarbeiter rechnen mit eigenem Sender ab
Was sich hinter den Kulissen des Zweiten Deutschen Fernsehens abspielt, liest sich wie das Drehbuch einer Polit-Satire – nur dass es bittere Realität ist. Mehr als 1000 ZDF-Mitarbeiter schalteten sich zu Wochenbeginn in eine interne Teams-Konferenz ein, in der Chefredakteurin Bettina Schausten zum KI-Skandal des Senders Stellung beziehen musste. Das Ergebnis: ein Scherbengericht, das es in dieser Form beim öffentlich-rechtlichen Flaggschiff wohl noch nie gegeben hat.
Wenn die eigenen Leute die schärfsten Kritiker sind
Der Hintergrund ist mittlerweile bekannt: Das ZDF hatte in seiner Berichterstattung über Trump-Abschiebungen im „heute journal" KI-generiertes Videomaterial verwendet – und damit eine journalistische Todsünde begangen. New-York-Studiochefin Nicola Albrecht wurde daraufhin abberufen. Doch damit ist die Sache offenkundig längst nicht ausgestanden. In der internen Betriebsversammlung brach sich der aufgestaute Frust Bahn, und die Worte, die fielen, hatten es in sich.
Ein Mitarbeiter warnte eindringlich vor einem „Wir-gegen-die-da-draußen"-Reflex. Kritik werde systematisch abgewehrt statt ernsthaft geprüft. Schon der Titel des umstrittenen Beitrags „Kinder in Angst vor ICE" sei ihm „zu schwarz-weiß" gewesen – eine „totale Zuspitzung auf das Narrativ". Seine bange Frage an die Chefredaktion dürfte manchem Verantwortlichen den Schweiß auf die Stirn getrieben haben: „Ist das unser Relotius-Moment?"
Der Vergleich mit dem Fälschungsskandal beim „Spiegel" sitzt. Und er trifft ins Mark.
„Unfassbar gravierender Fehler" – doch Konsequenzen? Fehlanzeige.
Eine langjährige Kollegin sprach laut dem veröffentlichten Mitschnitt von einem „unfassbar gravierenden Fehler", der dem Sender auf Jahre hinaus schaden werde. Führungskräfte trügen die Verantwortung – doch echte Konsequenzen könne sie nicht erkennen. Man fragt sich unwillkürlich: Ist das die viel beschworene Transparenz und Selbstkritik, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk stets für sich reklamiert?
Besonders pikant: US-Korrespondent Elmar Theveßen zeigte sich in der Runde geradezu trotzig. „Kein einziges Wort an den Beiträgen von Nicola war falsch", verteidigte er die abberufene Kollegin. Man habe „die Realität abgebildet" und sich nichts vorzuwerfen. Eine Haltung, die offenbar selbst der Chefredakteurin zu weit ging. Schausten widersprach deutlich: Das KI-Video sei „wissentlich" verwendet worden. Realität dürfe nicht mit künstlicher Intelligenz bebildert werden, „wie sie sein könnte".
Die Causa Hayali – Entlastung mit Seitenhieb
Ungeklärt bleibt auch die Rolle von „heute"-Moderatorin Dunja Hayali. Schausten beteuerte, Hayali habe nicht gewusst, dass KI-Material im Beitrag steckte, und sei von einer anderen Fassung ausgegangen. Was zunächst wie eine Entlastung klingt, wurde von der Chefredakteurin selbst mit einem feinen Seitenhieb versehen: Es wäre „schön gewesen", hätte sich Hayali den Beitrag noch einmal angesehen. Ein vergiftetes Lob, das Bände spricht über die internen Zustände.
Das ZDF mauert – der Bürger zahlt
Nachdem Details der Betriebsversammlung an die Öffentlichkeit gelangten, reagierte das ZDF erwartungsgemäß: Man sprach von „aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten". Der klassische Abwehrreflex also, vor dem die eigenen Mitarbeiter in eben jener Versammlung gewarnt hatten. Die Ironie könnte kaum größer sein. Fernsehratsmitglied Steffen Hörtler zeigte sich „irritiert" und fragte beim Sender nach – nur um dieselbe Standardantwort zu erhalten.
Für den deutschen Gebührenzahler, der diesen Apparat mit über 8 Milliarden Euro jährlich finanziert, ist dieser Vorgang mehr als nur ein journalistischer Betriebsunfall. Er ist symptomatisch für ein System, das sich zunehmend von seiner eigentlichen Aufgabe – der objektiven, wahrheitsgemäßen Berichterstattung – entfernt hat. Wenn selbst die eigenen Mitarbeiter von einem „Relotius-Moment" sprechen und „unfassbar gravierende Fehler" beklagen, dann sollten bei jedem verantwortungsbewussten Bürger die Alarmglocken schrillen.
Die AfD hat den Vorfall bereits im Bundestag thematisiert und von „vorsätzlichem Betrug" gesprochen. Man mag zu dieser Partei stehen, wie man will – doch die Frage, ob ein mit Zwangsgebühren finanzierter Sender KI-generierte Bilder in seine Nachrichtensendungen einschleust, um ein bestimmtes Narrativ zu bedienen, geht jeden Bürger etwas an. Es ist höchste Zeit, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland einer grundlegenden Reform unterzogen wird. Nicht morgen. Jetzt.
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