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Kettner Edelmetalle
31.07.2026
15:17 Uhr

Aufstand in der Fed: Drei Notenbanker fordern Zinserhöhungen – und entlarven damit das Inflationsdesaster

Aufstand in der Fed: Drei Notenbanker fordern Zinserhöhungen – und entlarven damit das Inflationsdesaster

Es ist ein Vorgang, der in der jüngeren Geschichte der amerikanischen Notenbank Seltenheitswert besitzt: Nicht einer, nicht zwei, sondern drei stimmberechtigte Mitglieder des Offenmarktausschusses haben sich gegen den Kurs der Mehrheit gestellt. Sie wollen die Zinsen nicht bloß halten – sie wollen sie anheben. Und zwar jetzt. Nicht irgendwann, wenn der Schaden längst angerichtet ist.

Beth Hammack aus Cleveland, Neel Kashkari aus Minneapolis und Lorie Logan aus Dallas votierten gegen die Entscheidung, den Leitzins in der Bandbreite von 3,5 bis 3,75 Prozent zu belassen. Neun andere Mitglieder stimmten für das Nichtstun. Man könnte auch sagen: für das Aussitzen.

Fünf Jahre über dem Ziel – und niemand nennt es Versagen

Die nackte Zahl, die in den Kommentaren der Dissidenten mitschwingt, ist brutal: Seit mehr als fünf Jahren liegt die Inflation in den Vereinigten Staaten über dem Zielwert von zwei Prozent. Fünf Jahre. Das ist keine Delle, keine statistische Laune, kein vorübergehendes Phänomen. Das ist ein Dauerzustand, den man in Zentralbankkreisen offenbar nur ungern beim Namen nennt.

Hammack formulierte es unmissverständlich: Je länger hohe Inflation anhalte, desto schwieriger und teurer werde es, sie wieder einzufangen. Sie sei nicht überzeugt davon, dass die Teuerung von allein zum Ziel zurückfinde. Angebotsseitige Faktoren, insbesondere Energiepreise, hätten die Preise nach oben getrieben – doch sie sehe zusätzlich Druck von der Nachfrageseite.

Die Menschen in ihrer Region beschrieben den Preisdruck als sich verbreiternd, nicht als abklingend – und die Verbraucher äußerten Verzweiflung über dauerhaft höhere Preise.

Verzweiflung. Ein Wort, das man aus dem Mund einer Notenbankpräsidentin selten hört. Es beschreibt präzise, was Millionen Menschen erleben, wenn ihre Kaufkraft Monat für Monat leiser wird, während Ökonomen über Basiseffekte debattieren.

Kashkari und das Gespenst der siebziger Jahre

Der Minneapolis-Chef griff tiefer in die Geschichtskiste. Kleine Schritte jetzt seien besser, als zu warten und später festzustellen, dass kühnere Maßnahmen nötig gewesen wären. Wer die Inflationsgeschichte der siebziger Jahre kennt, weiß, worauf er anspielt: Damals ließ die Fed die Preisspirale laufen, bis Paul Volcker mit Zinsen jenseits von zwanzig Prozent die Wirtschaft in eine Rezession würgte, um das Feuer zu ersticken.

Und dann jenes Wort, das zum Symbol geldpolitischer Selbsttäuschung geworden ist: "transitory". Vorübergehend. So nannten die Notenbanker die Preissteigerungen nach der Corona-Panik – bis sich herausstellte, dass "vorübergehend" Jahre bedeutet. Kashkari räumte nun ein, dass Geldpolitik auch bei aufeinanderfolgenden Angebotsschocks eine wichtige Rolle spielen müsse, wenn sich höhere Inflation sonst festsetze. Eine spätere Einsicht, die man auch früher hätte haben können.

"Die Geldpolitik bremst die Wirtschaft nicht"

Logan wurde noch deutlicher: Arbeitsmarkt, Konsum und Finanzmarktbedingungen deuteten darauf hin, dass die Geldpolitik die Wirtschaft überhaupt nicht bremse. Ohne jede Straffung werde die Inflation wohl weiter über dem Ziel verlaufen – bis ein unerwarteter Schock komme. Auf Zufälle zu hoffen ist allerdings keine Strategie, sondern Kapitulation mit Aktenordner.

Fed-Chef Kevin Warsh, der für das Halten stimmte, versuchte den Balanceakt: Man habe ein neues Kapitel begonnen, und fünf Jahre Inflation über dem Ziel ließen sich nicht in neun Wochen kurieren – auch nicht durch einen einzelnen Monat mit moderaten Preisrückgängen.

Zwischen Zöllen, Krieg und Energiepreisen

Die Ursachen liegen offen auf dem Tisch. Der Iran-Krieg hat die Energiemärkte durchgeschüttelt, und die von Präsident Trump verhängten Zölle – zwanzig Prozent auf EU-Importe, vierunddreißig Prozent auf China – wirken wie eine Verbrauchssteuer, die am Ende der Konsument zahlt. Im Juni beruhigten sich die Preise kurz, als die Spannungen im Nahen Osten nachließen. Dann stiegen die Energiekosten wieder. Und mit ihnen die Furcht vor einer strafferen Geldpolitik.

Was das für Sparer bedeutet

Wer glaubt, das sei ein rein amerikanisches Problem, unterschätzt die Mechanik der Weltfinanzmärkte. Die Fed setzt den Takt, dem alle anderen folgen – auch die EZB, die in Frankfurt seit Jahren eine bemerkenswerte Gelassenheit gegenüber Geldwertverlust pflegt. In Deutschland kommt hinzu, was die Große Koalition unter Friedrich Merz und Lars Klingbeil selbst produziert: ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro, Klimaneutralität im Grundgesetz und ein Kanzler, dessen Versprechen, keine neuen Schulden zu machen, offenbar nur bis zur Vereidigung galt. Wer glaubt, dass solche Summen ohne Inflationsfolgen bleiben, hat die letzten hundert Jahre Geldgeschichte nicht gelesen.

Bemerkenswert ist die eigentliche Botschaft dieses Dissenses: Selbst innerhalb der mächtigsten Notenbank der Welt gibt es Stimmen, die einräumen, dass die Kaufkraft des Geldes nicht mehr verlässlich ist. Wer über Generationen denkt, zieht daraus seine eigenen Schlüsse. Physisches Gold und Silber lassen sich nicht durch Ausschussmehrheiten entwerten, nicht durch Sondervermögen verwässern und nicht durch das Wort "transitory" schönreden. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen erfüllen sie genau jene Funktion, die Papiergeld zunehmend verliert: Werterhalt über Zeit.

Haftungsausschluss: Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er spiegelt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wider. Jede Anlageentscheidung erfordert eigene, sorgfältige Recherche und gegebenenfalls die Konsultation eines unabhängigen Fachberaters. Für Vermögensdispositionen und deren Ergebnisse trägt jeder Anleger die alleinige Verantwortung.

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