
Baltische Staaten blockieren Fico den Weg nach Moskau – und entlarven Europas Zerrissenheit

Es ist ein diplomatisches Schauspiel, das sich mittlerweile zum jährlichen Ritual verfestigt hat: Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico will nach Moskau fliegen, und die baltischen Staaten machen ihm einen Strich durch die Rechnung. Estland, Lettland und Litauen verweigern dem Regierungschef erneut die Überflugrechte – und verwandeln damit eine Gedenkveranstaltung in ein geopolitisches Kräftemessen.
Ein Feiertag, der Europa spaltet
Am 9. Mai begeht Russland traditionell den „Tag des Sieges" – jenen Feiertag, der an den sowjetischen Triumph über Hitler-Deutschland erinnert. Für Moskau ist es der wichtigste nationale Gedenktag, inszeniert mit Militärparaden und pathetischer Symbolik. Für die baltischen Staaten hingegen markiert dieses Datum etwas völlig anderes: den Beginn einer jahrzehntelangen Besatzung durch die Sowjetunion, die erst 1991 endete. Man muss kein Historiker sein, um zu verstehen, warum Tallinn, Riga und Vilnius wenig Begeisterung für Pilgerreisen nach Moskau aufbringen.
Estlands Außenminister Margus Tsahkna formulierte es unmissverständlich: Kein Land dürfe den estnischen Luftraum nutzen, um die Beziehungen zu Russland zu stärken, solange Moskau internationale Normen missachte und seine Aggression gegen die Ukraine fortsetze. Eine klare Ansage – und eine, die man sich von so manchem westeuropäischen Politiker häufiger wünschen würde.
Fico als einsamer Wanderer zwischen den Welten
Der slowakische Premier hatte seine Reisepläne bereits vor zwei Wochen in einem Facebook-Video angekündigt. Sein ambitioniertes Programm umfasst drei Stationen: das ehemalige Konzentrationslager Dachau, die Feierlichkeiten in Moskau am 9. Mai und im Juni die Normandie. Fico begründete seine Absicht damit, er wolle „seine Ehrerbietung allen erweisen, die gegen den Faschismus kämpften". Ein hehres Ziel, gewiss. Doch die Frage drängt sich auf, ob man historisches Gedenken tatsächlich so sauber von der gegenwärtigen Realität trennen kann, wie Fico es suggeriert.
Bereits im Vorjahr war der Slowake neben dem serbischen Staatschef Aleksandar Vučić der einzige europäische Gast bei den Moskauer Feierlichkeiten. Schon damals blockierten die Balten seinen Luftraum. Dass Fico dennoch unbeirrt an seinen Plänen festhält, zeugt entweder von bemerkenswerter Prinzipientreue – oder von einer besorgniserregenden Realitätsverweigerung angesichts eines Krieges, der mitten in Europa tobt.
Die baltische Standhaftigkeit als Vorbild?
Was die drei kleinen Staaten an der Ostsee hier demonstrieren, verdient durchaus Respekt. Estland, Lettland und Litauen – Länder, die zusammen kaum mehr Einwohner haben als Berlin – zeigen eine außenpolitische Klarheit, die man bei deutlich größeren EU-Mitgliedern schmerzlich vermisst. Sie wissen aus eigener leidvoller Erfahrung, was russische Dominanz bedeutet. Abwechselnd von der Sowjetunion und Deutschland besetzt, nach Kriegsende zwangsweise in die UdSSR eingegliedert – diese historische Erfahrung prägt bis heute die politische DNA dieser Nationen.
Während in Westeuropa manche Politiker noch immer von diplomatischen Brücken nach Moskau träumen und sich in wolkigen Friedensappellen ergehen, haben die Balten längst verstanden: Gegenüber einem Aggressor hilft nur Entschlossenheit. Eine Lektion, die auch die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz beherzigen sollte, statt sich in kostspieligen Sondervermögen und ideologischen Großprojekten zu verlieren.
Europas Einheit – mehr Fassade als Fundament
Der Fall Fico offenbart einmal mehr die tiefen Risse innerhalb der Europäischen Union. Während die einen Sanktionen gegen Russland verschärfen und Waffen an die Ukraine liefern, reist ein EU-Regierungschef seelenruhig zur Militärparade nach Moskau. Wie glaubwürdig ist eine gemeinsame europäische Außenpolitik, wenn sie derart eklatante Widersprüche zulässt?
Die baltischen Staaten erinnern Europa daran, dass historisches Gedenken niemals losgelöst von der politischen Gegenwart betrachtet werden kann – schon gar nicht, wenn der Gastgeber der Gedenkfeier gleichzeitig einen Angriffskrieg führt.
Fico mag seine Reise als unpolitischen Akt des Gedenkens darstellen wollen. Doch in einer Welt, in der russische Raketen ukrainische Städte zerstören und Moskaus hybride Kriegsführung die Sicherheitsarchitektur Europas untergräbt, gibt es keine unpolitischen Gesten mehr. Jeder Handschlag, jede Kranzniederlegung, jeder Überflug wird zum Statement. Die Balten haben das begriffen. Es wäre an der Zeit, dass der Rest Europas nachzieht.
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