
BASF verdient mehr und streicht trotzdem Jobs: Wer zahlt die Zeche?

Mehr Gewinn, weniger Mitarbeiter: Der Chemieriese BASF hat sein bereinigtes operatives Ergebnis im dritten Quartal 2026 von 1,43 auf 1,64 Milliarden Euro gesteigert und die Jahresprognose erneut angehoben. Den Stellenabbau setzt der Konzern aus Ludwigshafen trotzdem fort. Die Gewerkschaft IGBCE ist empört, und der Branchenverband VCI sieht für die gesamte Chemie keine Entwarnung.
Zahlen glänzen, Belegschaft schrumpft
Auf den ersten Blick sieht die Bilanz stark aus. Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 14,2 Prozent auf 16,36 Milliarden Euro, weil BASF höhere Preise durchsetzen und mehr verkaufen konnte. Für das Gesamtjahr peilt der Vorstand jetzt ein bereinigtes EBITDA von 7,4 bis 7,8 Milliarden Euro an.
Unter dem Strich bleibt allerdings wenig übrig. Der Gewinn, der auf die Aktionäre entfällt, sank um knapp zehn Prozent auf 155 Millionen Euro. Ein Grund dafür sind die Kosten der Restrukturierung. Der Umbau kostet also selbst Geld.
Wie stark BASF schrumpft, zeigen die Zahlen des Konzerns. Zwischen Januar 2024 und Ende Juni 2026 fielen weltweit rund 7.000 Stellen weg. Verkaufte Geschäftsteile und neue Jobs am chinesischen Verbundstandort Zhanjiang sind dabei nicht eingerechnet. In der Kerngesellschaft in Ludwigshafen gab es im Mai erstmals seit 1954 weniger als 30.000 Vollzeitstellen.
„Blinder Personalabbau“: Die Gewerkschaft schlägt Alarm
Die IGBCE reagiert scharf. Ein Sprecher sagte der Berliner Zeitung:
„Blinder Personalabbau darf nicht zum Ersatz für eine nachhaltige Zukunftsstrategie werden.“
Die Gewerkschaft sehe die Kürzungen „äußerst kritisch“, egal wie sprunghaft einzelne Quartalszahlen ausfallen. Mit jeder gestrichenen Stelle gingen Erfahrung, Know-how und Prozessqualität verloren. Wer bleibt, müsse immer mehr leisten. Die IGBCE fordert deshalb mehr Geld für Innovation, Weiterbildung und die deutschen Standorte.
Vorstandschef Markus Kamieth bleibt trotzdem bei seinem Kurs. Medienberichten zufolge sagte er am Mittwoch, beim „Abbau von Personalkosten und damit auch Stellenabbau“ sei der Konzern noch nicht am Ende. Schon im Sommer hatte er erklärt, Ludwigshafen müsse wieder wettbewerbsfähig werden. Ob die besseren Zahlen am Umfang oder am Zeitplan etwas ändern, hat BASF auf Anfrage bisher nicht beantwortet.
Schutz bis 2028, aber kein Bestandsschutz
Eine Standortvereinbarung schließt in Ludwigshafen betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2028 aus. Die Zahl der Beschäftigten kann trotzdem sinken. Außerdem sieht die Vereinbarung Investitionen von etwa zwei Milliarden Euro pro Jahr vor, mindestens aber 1,5 Milliarden Euro.
Strohfeuer statt Wende
Der VCI hält das gute Quartal nicht für eine Trendwende. Dafür gebe es „keine ausreichenden Anzeichen“, so der Verband. Produktion, Aufträge und Umsätze der Branche seien zuletzt wieder gesunken. Das Umsatzplus komme vor allem von höheren Preisen. Rechnet man die Preise heraus, liegen die Umsätze im bisherigen Jahr im Minus.
Geholfen hat vor allem der Iran-Krieg. Laut VCI trafen gestörte Energie- und Rohstofflieferungen aus der Golfregion vor allem die Konkurrenz in Asien. Gleichzeitig füllten Kunden aus Angst vor Engpässen ihre Lager auf. Dieser Sondereffekt laufe aber bereits aus, und chinesische Anbieter drängten weiter mit großen Kapazitäten auf den Weltmarkt.
Die Anlagen in Deutschland seien nicht rentabel ausgelastet, und Investitionen würden zurückgefahren. Hohe Energie- und Standortkosten, Regulierung und harter internationaler Wettbewerb belasteten die Firmen weiter. VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup sagt es deutlich:
„Die Chemie am Standort Deutschland verharrt in der strukturellen Krise.“
Ein Warnsignal fĂĽr Berlin
Aus Sicht unserer Redaktion steckt in diesen Zahlen eine unbequeme Wahrheit. Wenn ein Weltkonzern selbst in einem guten Quartal weiter Stellen in Deutschland streicht, liegt das Problem am Standort. Das Management allein erklärt es nicht. Teure Energie, viel Bürokratie und eine Klimapolitik, die kaum Rücksicht auf die Industrie nimmt, treiben Wertschöpfung ins Ausland. Die Regierung Merz hatte eine Wirtschaftswende versprochen. In Ludwigshafen ist davon bisher wenig zu sehen.
Für Sparer ist das ein weiteres Zeichen, wie schwankend Konjunktur und Aktienkurse sein können. Viele Bürger setzen deshalb auf Werte, die nicht von Quartalszahlen oder politischen Fehlern abhängen. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen zusätzliche Stabilität bringen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger sollte sich selbst informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst.
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