
Brandgefahr im ID.-Akku: VW ruft schon wieder Zehntausende E-Autos zurück!

Volkswagen beordert weltweit rund 72.700 Elektroautos in die Werkstätten, etwa 10.000 davon in Deutschland. Grund sind fehlerhafte Hochvolt-Batteriezellen, die im Extremfall Feuer fangen könnten. Für die Wolfsburger ist es der vierte Batterie-Rückruf in diesem Jahr. Viele Kunden dürften inzwischen ein Déjà-vu haben.
Diese Modelle sind betroffen
Betroffen sind knapp 68.000 Fahrzeuge der Typen ID.3, ID.4, ID.7 und ID. Buzz, gebaut zwischen Juli 2022 und Juni 2025. Hinzu kommen etwa 4.900 Cupra Born aus den Jahren September 2022 bis Mai 2024. Laut Fachmedien teilt sich die Aktion in drei einzelne Rückrufe auf. Die E-Autos von Škoda sind demnach nicht betroffen.
Der Konzern habe bei internen Prüfungen festgestellt, dass einzelne Zellen die Qualitätsvorgaben nicht erfüllten. Als Ursache nennt VW Fertigungsfehler bei Zulieferern. Welcher Hersteller die Zellen für den europäischen Rückruf geliefert hat, gab der Konzern nach bisherigem Stand nicht bekannt. In einer Stellungnahme heißt es:
„In seltenen Fällen kann dies zu einer erhöhten thermischen Belastung dieser Batterien führen, im Extremfall könnte ein Brand entstehen.“
Laden nur noch bis 80 Prozent
Die Halter bekommen Post. Bis zur Überprüfung sollen sie ihre Akkus höchstens auf 80 Prozent laden, wo es technisch geht, begrenzt die Software das automatisch. Wer also für viel Geld Reichweite gekauft hat, verzichtet jetzt auf ein Fünftel davon. Für Pendler mit langen Strecken ist das mehr als ein Schönheitsfehler.
Wie die endgültige Reparatur aussehen soll, ist noch weitgehend offen. Ein VW-Sprecher deutete an, ein Software-Update könne bereits ausreichen. Dem Kraftfahrt-Bundesamt zufolge seien bislang keine Sach- oder Personenschäden bekannt, es handle sich um eine Vorsichtsmaßnahme.
Eine Serie, die nicht abreißt
Der Blick auf das Jahr zeigt, wie groß das Problem ist:
- Januar: In den USA werden rund 44.500 ID.4 zurückgerufen. Der koreanische Zellhersteller SK Battery America muss Produktionsfehler einräumen, unter anderem falsch ausgerichtete Elektroden.
- März: Weltweit über 90.000 Fahrzeuge, darunter rund 28.000 in Deutschland, wegen mangelhafter Batteriemodule.
- Oktober: In den USA erneut 22.524 ID.4, wieder wegen Brandgefahr, wieder mit Zellen von SK. Eine endgültige Lösung gibt es dort bislang nicht.
Dazu kam erst vor wenigen Wochen der Rückruf von vier Millionen Fahrzeugen von VW, Audi, Škoda und Seat. Dabei ging es nicht um Akkus, sondern um eine Schraube am Lenkgetriebe, die rosten kann.
Das Herz des E-Autos kommt aus Fernost
Kritiker sehen hier ein Problem, das über Volkswagen hinausgeht. Die wichtigste und teuerste Komponente des Elektroautos, die Batteriezelle, kaufen Europas Autobauer überwiegend in Asien ein. Laut einer Deloitte-Analyse stammten im vergangenen Jahr 77 Prozent der Zellen aus Asien, nach 70 Prozent im Jahr davor. Der Anteil Europas lag weiter bei 13 Prozent.
Noch deutlicher wird es bei den Fabriken: Deloitte zufolge kontrollierten asiatische Unternehmen 2025 ganze 98 Prozent der Zellkapazitäten in Europa. Wer bei der Schlüsseltechnologie so abhängig ist, hat bei der Qualität wenig in der Hand. Das trifft am Ende die Kunden.
Politik mit dem Rechenschieber, Industrie im Rückwärtsgang
Brüssel und Berlin haben die Elektromobilität jahrelang mit Verbotsfristen, Flottengrenzwerten und Fördergeldern vorangetrieben. Eine eigene Zellindustrie ist dabei nicht entstanden. Der Plan, mit dem schwedischen Hoffnungsträger Northvolt dagegenzuhalten, endete in der Insolvenz.
Gleichzeitig steckt Volkswagen in einer harten Sparrunde. Medienberichten zufolge plant der Konzern den Abbau Zehntausender Stellen und will die Löhne einfrieren. Die Softwaretochter Cariad schreibt Milliardenverluste. Die vielen Rückrufe kosten zusätzlich Geld und Vertrauen.
Unser Fazit: Die Rückrufe sind mehr als ein technisches Problem. Sie zeigen, was passiert, wenn die Politik das Ziel vorgibt, sich aber nicht darum kümmert, wo die Technik dafür herkommt. Solange Europa die wichtigsten Teile woanders einkauft, werden deutsche Autofahrer wohl weiter Briefe aus der Werkstatt bekommen.
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