
Brüsseler CO2-Zange: Jetzt geraten Europas Lkw-Bauer unter die Räder

Erst die Autoindustrie, jetzt die Nutzfahrzeuge: Die CO2-Verordnung der EU droht Herstellern von Lastwagen, Anhängern und Sattelaufliegern in Deutschland und Europa in die roten Zahlen zu treiben. Vier Wochen vor der Leitmesse IAA Transportation in Hannover brodelt es in der Branche. Denn ab 2030 drohen Strafzahlungen in Milliardenhöhe.
Eine Verordnung, die den Herstellern den Schlaf raubt
Im Zentrum steht die Verordnung (EU) 2024/1610. Sie verlangt, dass die CO2-Emissionen neu zugelassener schwerer Nutzfahrzeuge ab 2030 um 45 Prozent unter dem Niveau von 2021 liegen. Ab 2035 sollen es 65 Prozent sein, ab 2040 sogar 90 Prozent.
Besonders kurios: Auch Anhänger und Sattelauflieger müssen liefern – 7,5 beziehungsweise 10 Prozent weniger CO2. Und das, obwohl diese Fahrzeuge gar keinen eigenen Motor besitzen. Bewertet wird per Simulationsmodell am Rechner, nicht auf der Straße.
Der E-Lkw kommt – aber nur im Schneckentempo
Die Praxis spricht eine andere Sprache als die Brüsseler Zielvorgabe. Rund 1400 Elektro-Lkw wurden dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr in Deutschland neu zugelassen, ein Plus von 38 Prozent. Der Anteil an allen Neuzulassungen: 2,6 Prozent. Am gesamten Bestand schwerer Nutzfahrzeuge: magere 0,2 Prozent.
Der Grund ist banal – es fehlt an Ladepunkten. Megacharger für den Fernverkehr seien praktisch nirgends zu finden, heißt es aus der Branche. Der Aufbau des von Daimler Truck, Traton und Volvo gegründeten Ladenetzes werde durch zähe Genehmigungsverfahren und komplizierte Verhandlungen mit Netzbetreibern gebremst, so ein Branchenvertreter.
Wenn der Strompreis das Geschäftsmodell killt
Dazu kommt die Rechnung des Spediteurs. Unter 29 Cent je Kilowattstunde müsse der Strom bleiben, damit sich ein E-Lkw rechne, sagt der Vorstandssprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr. An öffentlichen Säulen sind 50, 60 oder 80 Cent keine Seltenheit. Ein E-Lkw kostet zudem das Zwei- bis Dreifache eines Diesels – und die Mautbefreiung endet nach heutiger Rechtslage 2031.
Strafzahlungen, die den Preis explodieren lassen
Verkaufen die Hersteller zu wenige Batteriefahrzeuge, zahlen sie an Brüssel. Bei Anhängern drohen ab 2030 laut Branchenangaben 4250 Euro je Fahrzeug und Gramm CO2 pro Tonnenkilometer. Ein Standardauflieger könnte sich dadurch um rund 50 Prozent auf etwa 40.000 Euro verteuern, warnt ein Manager des Herstellers Krone.
Am Ende zahlt, wie so oft, der Bürger. Die Kosten wanderten durch die gesamte Wertschöpfungskette bis in die Lebenshaltungskosten, heißt es aus der Branche. Acht führende Aufliegerhersteller – darunter Schmitz Cargobull, Kögel, Fliegl und Krone – sind deshalb vor Gericht gezogen. Sie warnen, ohne Anpassung stünden über 70.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Eine erste Klage wurde mangels individueller Betroffenheit abgewiesen.
Wer am Ende profitiert – und was das für Anleger bedeutet
Während europäische Mittelständler um ihre Existenz kämpfen, drängen chinesische Hersteller auf den Markt. Im Mittleren Osten sei ihr Marktanteil binnen fünf Jahren von 7 auf 70 Prozent gestiegen, sagt ein Branchenchef. Übernahmen angeschlagener europäischer Firmen wären für sie der bequeme Weg in den Kontinent.
Aus Sicht unserer Redaktion ist das Muster bekannt: Klimaziele werden am grünen Tisch gesetzt, die industrielle Realität kommt später – oder gar nicht. Wer sein Vermögen gegen solche politisch erzeugten Strukturbrüche absichern will, findet in physischen Edelmetallen seit jeher eine bewährte Beimischung.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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