
CDU-Beben nach Wahldebakel: Haseloff rechnet mit Merz ab

Es ist eine Abrechnung mit Ansage. Reiner Haseloff, bis Januar 2026 Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, gibt Bundeskanzler Friedrich Merz eine Mitschuld am historischen AfD-Sieg vom vergangenen Sonntag. In einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ wirft der CDU-Politiker der eigenen Bundesregierung Realitätsferne vor.
Der Kern seines Vorwurfs: Die Politik habe „den Kontakt zu ganzen Bevölkerungsgruppen“ verloren. Über die Regierungsarbeit der vergangenen Jahre sagt Haseloff dem Bericht zufolge:
Im Grunde ist da ein Suizid politischer Art am Laufen.
Vom Hoffnungsträger zum „Bestandswahrungskanzler“
Merz, einst als konservativer Erneuerer der Union gefeiert, sei inzwischen nur noch ein „Bestandswahrungskanzler“ – so das vernichtende Etikett des Mannes, der Sachsen-Anhalt fast anderthalb Jahrzehnte regiert hat. Und weiter: Man müsse endlich zur Kenntnis nehmen, dass sich Deutschland „in weiten Teilen zum Nachteil verändert“ habe.
Ein Satz, der sitzt. Denn er kommt nicht von der Opposition, sondern aus dem Herzen der Union.
Zahlen, die das Land verändern
Der Anlass ist ein Wahlergebnis, das es so in Sachsen-Anhalt noch nie gab. Nach dem vorläufigen Ergebnis kam die AfD auf 43,8 Prozent – ihr bislang bester Wert bei einer Landtagswahl überhaupt. Die CDU stürzte auf 17,2 Prozent ab, ein historisches Tief; 2021 waren es noch 37,1 Prozent gewesen.
- AfD: 43,8 Prozent, 39 von 83 Sitzen – die absolute Mehrheit blieb knapp außer Reichweite
- CDU: 17,2 Prozent, laut Medienberichten ohne ein einziges Direktmandat
- SPD 9,3, Grüne 8,9, Linke 8,6 Prozent, BSW 5,3 Prozent – die FDP scheiterte an der Fünf-Prozent-Hürde
- Wahlbeteiligung: 77,8 Prozent, ein Rekordwert
Bemerkenswert: Die Bürger sind in Scharen zur Urne gegangen. Von Politikverdrossenheit kann keine Rede sein – eher von einer Quittung.
BSW als „Steigbügelhalter“?
Haseloff kritisiert zugleich, dass zu viel über die AfD und zu wenig über das Bündnis Sahra Wagenknecht gesprochen werde. Das BSW sei aus seiner Sicht ein „Steigbügelhalter“ für die größte Oppositionspartei. Inzwischen will der BSW-Landesvorstand Medienberichten zufolge Gespräche mit der AfD aufnehmen.
Und er warnt vor einer größeren Verschiebung: Zähle man alle Parteien zusammen, die das System der Bundesrepublik grundlegend verändern wollten, dann habe dieses Lager in Sachsen-Anhalt bereits zum dritten Mal in Folge eine Mehrheit.
Die Liste der Kritiker wird länger
Haseloff steht nicht allein. Tino Schomann, CDU-Vize in Mecklenburg-Vorpommern, forderte offen die Ablösung des Kanzlers. Der Sachsen-Anhalter Sepp Müller liegt im öffentlichen Streit mit dem Parteichef über dessen Rolle im Wahlkampf. Und Markus Söder antwortete bei „Maischberger“ auf die Frage, ob Merz der richtige Bundeskanzler sei, lediglich: „Ich glaube, dass er Kanzler ist.“
Aus Sicht unserer Redaktion ist das mehr als Personalgeplänkel. Wer Wirtschaftswende, Migrationswende und Bürokratieabbau verspricht und dann Rekordschulden verwaltet, darf sich über Vertrauensverlust nicht wundern. Am 20. September wird in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gewählt – die nächste Belastungsprobe folgt in zwei Wochen.
Viele Bürger reagieren auf politische Unsicherheit mit dem Wunsch nach Stabilität im eigenen Vermögen; physische Edelmetalle gelten dabei seit Generationen als bewährte Beimischung zur Vermögenssicherung.
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